Neue Forschung des Hannah-Arendt-Instituts zum VEB Pentacon: Haftzwangsarbeit in der DDR

(© Team Zupke)
Über 250.000 Menschen waren in der DDR zu Unrecht aus politischen Gründen in Haft. Sie mussten in der Haftzwangsarbeit beispielsweise Kameragehäuse stanzen, Strumpfhosen nähen oder Polstermöbel fertigen. Oft unter unwürdigen Bedingungen – darüber berichten viele Betroffene der SED-Opferbeauftragten.
Im Fall der Praktica-Kameras, die aus dem ehemaligen Volkseigenen Betrieb Pentacon stammten, sorgt nun neue Forschung des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung der TU Dresden für Klarheit: Firmen wie die großen Versandhändler, die Kameras des VEB Pentacon im Westen verkauft haben, haben unweigerlich Produkte mit Teilen aus Zwangsarbeit politischer Häftlinge vertrieben.
Evelyn Zupke sieht die neuen Forschungsergebnisse als Chance für Unternehmen, die bei der Frage der eigenen Beteiligung an Haftzwangsarbeit bisher zögerlich waren: „Es ist ein Ausdruck von Stärke, wenn Unternehmen sich auch diesem dunkleren Kapitel der eigenen Firmengeschichte stellen. Es geht nicht um damaliges Wissen oder damalige Schuld. Es geht darum, wie wir heute mit dem gesicherten Wissen umgehen.
Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam diese neue Chance ergreifen. Als SED-Opferbeauftragte stehe ich den Unternehmen dabei zur Seite. Für die ehemaligen politischen Häftlinge ist eine Anerkennung der Unternehmen Ausdruck des Respekts und der Wertschätzung. Gleichzeitig zeigen wir so die Stärke unserer heutigen Demokratie, indem der Rechtsstaat, die Wirtschaft und die Gesellschaft hier gemeinsam für die Opfer der Diktatur an einem Strang ziehen.“