Historischer Ort, aktuelle Herausforderungen: Besuch in der Gedenkstätte Bautzner Straße in Dresden

Evelyn Zupke und Lars Rohwer MdB im Gespräch in der Gedenkstätte Bautzner Straße in Dresden. (© Elisabeth Robock)
Die SED-Opferbeauftragte beim Deutschen Bundestag, Evelyn Zupke, besuchte am 15. September 2026 gemeinsam mit dem Bundestagsabgeordneten Lars Rohwer die Gedenkstätte Bautzner Straße in Dresden. Bei einem Rundgang besichtigten sie die historischen Hafträume, den Keller des sowjetischen Geheimdienstes NKWD sowie die Dauerausstellung.
Im anschließenden Gespräch tauschten sich Evelyn Zupke und Lars Rohwer mit der Gedenkstättenleiterin Dr. Uljana Sieber über die Arbeit des Hauses und die aktuellen Herausforderungen der Erinnerungsarbeit aus.
Die Gedenkstätte Bautzner Straße ist ein wichtiger Lern- und Erinnerungsort zur SED-Diktatur, dessen Bedeutung weit über den Freistaat Sachsen hinaus reicht. Der historische Ort wurde zunächst vom sowjetischen Geheimdienst NKWD genutzt. Später befanden sich hier die Bezirksverwaltung und das Untersuchungsgefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Heute ermöglicht die Gedenkstätte Besucherinnen und Besuchern einen unmittelbaren Einblick in die Geschichte politischer Repression nach 1945.
Von besonderer Bedeutung sind die erhaltenen Räume im Kellergeschoss: Der NKWD-Keller vermittelt als einer der wenigen weitgehend erhaltenen Orte dieser Art einen Eindruck von den Haft- und Verhörbedingungen in der unmittelbaren Nachkriegszeit unter sowjetischer Besatzung. Aus Sicht der SED-Opferbeauftragten sind diese Räume wichtige Zeugnisse der Zeitgeschichte. Sie erinnern an das Schicksal der Menschen, die hier inhaftiert, verhört und gedemütigt wurden. Gerade weil nur noch wenige Zeitzeugen leben, ist die Vermittlung dieses Teils der Geschichte durch die Gedenkstätte besonders wertvoll.
Im Gespräch mit der Gedenkstättenleiterin Dr. Uljana Sieber wurde deutlich, wie vielseitig die Arbeit der Gedenkstätte ist. Für ehemalige politische Häftlinge und deren Angehörige ist die Gedenkstätte ein geschützter Raum des persönlichen Erinnerns und des vertrauensvollen Austauschs. Zugleich ist sie ein wichtiger außerschulischer Bildungsort.
Tausende Schülerinnen und Schüler sowie Jugendliche besuchen die Gedenkstätte jedes Jahr. Sie lernen hier die Mechanismen von Diktatur und Repression kennen und entwickeln ein geschärftes Bewusstsein für den Wert von Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Dabei empfängt das Team der Gedenkstätte nicht nur Gruppen aus Sachsen. Während ihres Rundgangs traf die SED-Opferbeauftragte beispielsweise auf eine Gruppe von Polizeischülerinnen und Polizeischülern aus Schleswig-Holstein, die die Gedenkstätte im Rahmen einer Bildungsfahrt besuchte.
Gedenkstättenleiterin Dr. Uljana Sieber machte auch die strukturellen und finanziellen Hürden deutlich, vor denen die Gedenkstätte steht. Sie befindet sich in freier Trägerschaft des Vereins Erkenntnis durch Erinnerung e. V. und ist für viele ihrer Projekte und bei konservatorischen Aufgaben kontinuierlich auf Projektförderungen angewiesen.
Die Einwerbung solcher Fördermittel setzt häufig eine anteilige Finanzierung durch Bund, Land und teilweise auch die Kommune voraus. Gerade in Zeiten angespannter öffentlicher Haushalte stellt diese anteilige Finanzierung den Trägerverein vor erhebliche Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, verlässliche und nachhaltige Förderstrukturen zu schaffen, damit dieser unverzichtbare Erinnerungs- und Bildungsort seine Arbeit langfristig fortsetzen und auch für kommende Generationen erhalten werden kann.