23.09.2026 Sport und Ehrenamt — Ausschuss — hib 740/2026

Defizitäre Kommunalhaushalte gefährden Breitensportförderung

Berlin: (hib/HAU) Angesichts der hohen Defizite der kommunalen Haushalte und des rasant anwachsenden Sanierungsstaus der Sportinfrastruktur sind Qualität und Quantität der Breitensportförderung akut gefährdet. Das machten die zu einer öffentlichen Sitzung des Sportausschusses am Mittwoch geladenen Vertreter des Deutschen Landkreistages (DLT), des Deutschen Städtetages (DST) sowie des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB) deutlich. Angesichts dessen seien Bundesprogramme wie beispielsweise die sogenannte „Sportmilliarde“ unentbehrlich, betonten die Kommunalvertreter. Die beste Sportförderung sei aber eine auskömmliche kommunale Finanzausstattung.

Die kommunalen Sportliegenschaften seien in die Jahre gekommenen und hätten einen relativ großen Modernisierungsbedarf, sagte Burkhard Hintzsche vom Deutschen Städtetag. Die deutschlandweit schwierige Finanzlage der Kommunen führe zu Herausforderungen bei der freiwilligen Aufgabe Sportförderung. Daher wäre es aus seiner Sicht sehr zu begrüßen, wenn es gelänge, die Förderung des Bundes dauerhaft zu verstetigen.

Mit Blick auf die Olympiabewerbung machte der Städtetags-Vertreter deutlich, dass - unabhängig davon, mit welcher Bewerberstadt Deutschland ins Rennen um die Ausrichtung der Spiele geht - das gesamte Land hinter der Bewerbung stehen und zugleich auch von ihr profitieren müsse. Auf keinen Fall dürfe Olympia so viel Kraft zehren, dass der Breitensport unberücksichtigt bleibt, betonte Hintzsche.

Auf die besonders schwierige Lage in Bereich der Schwimmbäder ging Alexander Averhoff vom Deutschen Städte- und Gemeindebund ein. Besonders bei kommunalen Schwimmbädern habe sich vielerorts über Jahre ein erheblicher Sanierungsstau aufgebaut, der angesichts der Bedeutung der Bäder für Schwimmunterricht, Schwimmausbildung und Gesundheitsvorsorge besonders schwer wiege, sagte er. Gerade in ländlich geprägten, dünn besiedelten Regionen gingen mit der Schließung eines Bades oder einer Sporthalle häufig auch wohnortnahe Angebote dauerhaft verloren, „da alternative Angebote oft nur mit erheblichem Mehraufwand erreichbar sind“.

Dies spiegelten auch Rückmeldungen zu dem Modellvorhaben „Deutschland lernt schwimmen“ wider, sagte Averhoff. Als wesentlicher Grund für das Nicht-Erlernen von Schwimmfähigkeiten würden fehlende Wasserflächen sowie sanierungsbedürftige und bereits geschlossene Schwimmbäder genannt.

Das Defizit der Kommunen liege 2026 bei 29,7 Milliarden Euro, sagte Phillip Käs vom Deutschen Landkreistag. „Und das ohne eigenes Verschulden, sondern durch die Bundesgesetzgebung, vor allem im Sozialbereich“, fügte er hinzu. Auch in den kommenden Jahren sei mit ähnlichen Defiziten zu rechnen. „Die kommunalen Haushalte kollabieren, auch in den bisher eigentlich wirtschaftlich gut dastehenden und wohlhabenden Regionen“, sagte Käs. Gebe es keine grundlegenden Änderungen, könnten die Kommunen schon bald lediglich ihre reinen Pflichtaufgaben leisten, wofür sie auch schon Schulden aufnehmen müssten. „Freiwillige Aufgaben fallen dem Rotstift zum Opfer“, so der Vertreter des Deutschen Landkreistages. Zu diesen freiwilligen Aufgaben gehöre in weiten Teilen auch der Sport.

Wie groß der Investitionsstau bei der kommunalen Sportstätteninfrastruktur sei, zeige sich bei der 21-fachen Überzeichnung der Sportmilliarde, für die die Kommunen dankbar seien. Insgesamt brauche es aber mehr, einfachere und unbürokratische Förderprogramme und finanzielle Hilfen. Besser als einzelne Förderprogramme sei jedoch eine ausreichende kommunale Finanzierung, damit die Kommunen in eigener Verantwortung über die Mittelverwendung für Errichtung, Erhalt und Ausbau von Sportstätten entscheiden könnten, sagte Käs.