24.09.2026 Parlamentarischer Beirat für nachhaltige Entwicklung — Ausschuss — hib 743/2026

Experten sehen in Künstlicher Intelligenz keinen „Jobkiller“

Berlin: (hib/HAU) Die Künstliche Intelligenz (KI) ist aktuell kein „Job-Killer“ sondern eher ein „Job-Veränderer“. Diese Ansicht vertraten die zu einem öffentlichen Fachgespräch des Parlamentarischen Beirats für nachhaltige Entwicklung und Zukunftsfragen am Mittwoch zum Thema „Zukunft der Arbeit“ geladenen Experten. „Wir sehen eine stabile Situation, in der sich Jobverluste und Jobzugewinne zurzeit aufheben“, sagte Thorsten Pinkepank, Head Sustainability Relations beim Chemieunternehmen BASF. Andreas Ogrinz, Geschäftsführer Fachkräfte, Innovation, Europa beim Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) sprach von einer „tiefgreifenden Verschiebung von Tätigkeiten und Kompetenzen“. KI ersetze nicht Arbeit, sie ergänze sie, sagte er.

Ein Thema bei KI sei zentral, werde aber kaum angesprochen, sagte BASF-Vertreter Pinkepank. „Das Thema Vertrauen ist grundlegend für die Debatte.“ Aktuell entwickle sich gesellschaftlich eine starke Skepsis - das gelte für die EU ebenso wie für die USA. In den deutschen Unternehmen gebe es seiner Einschätzung nach einen sehr positiv eingestellten Teil der Mitarbeiter, der KI als Riesenchance betrachte. Ein großer Teil beobachte die Entwicklung mit einer gewissen Skepsis und ein kleinerer Teil zeige sich resistent und entwickle Aversionen bis hin zur Sabotage. „Wir müssen uns überlegen, wie wir die Thematik KI gerade mit dem Blick auf die Arbeit so managen, dass wir die positiven Aspekte fördern ohne das Ganze mit Regelungen zu belegen, die die Unternehmen mehr kosten und die Bürokratie erhöhen“, sagte er. Leicht sei das nicht, so Pinkepank, der nach eigener Aussage dafür auch noch keine Lösung hat.

Wichtig sei in jedem Fall die Qualifizierung. „KI ist vor allem ein Bildungsthema“, sagte der Experte. Hier gelte es zu investieren aber auch umzudenken. „Die Transformation passiert durch die Transformation der Bildung“, so Pinkepank.

Es gelte Regeln zu schaffen, die das Vertrauen und die Nutzung von KI fördern ohne gleichzeitig Belastungen für die Wirtschaft darzustellen. „Wir können die strukturellen Probleme nicht noch durch nicht-hilfreiche Regeln verstärken“, betonte er.

Andreas Ogrinz vom Bundesarbeitgeberverband Chemie, dem tarif- und sozialpolitischen Spitzenverband der Chemie- und Pharmabranche in Deutschland, räumte ein, dass die Branche derzeit in der Krise stecke - inklusive eines Beschäftigungsabbaus. Innerhalb nur eines Jahres habe man 2,4 Prozent an Beschäftigung verloren. „Das ist viel. Das schreibt sich ein in die allgemeine Tendenz in der Industrie“, sagte er.

Paradoxerweise würden aber weiterhin Fachkräfte gesucht, die vorhandenen Stellen also teilweise nicht besetzt. Dieses „Fachkräfteparadox“ - Stellenabbau und Fachkräfteengpässe gleichzeitig - sei eine zentrale Herausforderung der Transformation. Massivem Stellenabbau infolge von Umstrukturierungen stünden auf der anderen Seite Bereiche gegenüber, „wo wir händeringend Leute suchen“. Ogrinz nannte die Bereiche Produktion, sowie Technik und Instandhaltung.

Als „Future-Skills“, also benötigte Fähigkeiten, um künftig wettbewerbsfähig zu sein, benannte der BAVC-Vertreter Kompetenzen, die mit Technik und Daten zu tun haben und die branchenspezifisch sind. Gleichzeitig würden aber auch die sogenannten überfachlichen Kompetenzen, wie Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit und Kreativität, stark an Bedeutung gewinnen. „Soft Skills“ würden damit zu zentralen „Future Skills“.

KI, so Ogrinz, nehme in den Unternehmen zu, was die Tätigkeiten angeht. „Aber an der Oberfläche der Berufsbezeichnungen ändert sich zunächst einmal nichts.“ Auch sei KI per se kein Produktivitäts-Booster. KI müsse in einem systemischen Zusammenhang gedacht werden. Es komme auf Arbeitsabläufe, auf Verantwortlichkeiten, auf das Thema Führung, auf gute Daten und auf Qualifizierung an. „Ohne qualifizierte Beschäftigte nützt KI, was die Produktivität angeht, nichts“, sagte er.

Sein „Wunsch an die Politik“ sei, den Einsatz von KI zu ermöglichen, einen kohärenten Rechtsrahmen zu schaffen und den Sozialpartnern Gestaltungsspielräume zu lassen. Mit Blick auf eine eventuelle Regulierung sagte der BAVC-Vertreter: „Wenn wir nicht ganz sicher sind, ob wir jetzt regulieren sollten, dann würde ich empfehlen: erstmal nicht.“