E-Umstieg große Herausforderung für Bustouristik-Branche
Berlin: (hib/FLA) Der Umstieg von Dieselfahrzeugen auf E-Reisebusse gehört zu den zentralen Themen der Bustouristik-Branche in den nächsten Jahren. Die Bandbreite reicht dabei von staatlicher Förderung bis zum Ausbau der Ladenetze. Das hat sich bei einer Experten-Anhörung im Ausschuss für Tourismus gezeigt. Die E-Mobilität zählte dabei ebenso zu den Schwerpunkten der Sitzung wie die Lage der Bustouristik generell, die Herausforderungen, vor denen sie sich insgesamt sieht, sowie die stadtverträgliche Abwicklung des Reisebusverkehrs.
Benedikt Esser, Präsident des RDA Internationaler Bustouristik Verband e.V., verwies darauf, dass es im Jahr 2025 22 Prozent weniger Busurlaubsreisen als 2019 gegeben habe. Eine Reise habe rund 35 Prozent mehr gekostet, die Dauer sei zurückgegangen. Busreisen bewegten jährlich rund 5,9 Milliarden Euro im In- und Ausland. Mehr als die Hälfte der Busurlauber seien 70 Jahre und älter. Er machte darauf aufmerksam, dass neue Reisebusse ab 2030 43 Prozent weniger CO2 ausstoßen müssten. Ein E-Reisebus koste fast doppelt so viel wie ein Dieselfahrzeug. Die Förderung des Bundes passe für Reiseveranstalter mit vielen Auslandsreisen nicht. Der E-Reisebus erhöhe die Mobilitätskosten einer Busreise. Er machte sich stark für mehr Entsorgungsstationen und schlug vor, diese Stationen, in denen Bustoiletten entsorgt werden können, beim Bau des Lkw-Ladenetzes an den Raststätten gleich mit einzuplanen.
Philipp Kürschner, Director Business DACH der Flix SE, beschrieb die wirtschaftliche Lage in der Busindustrie als grundsätzlich solide. Der Markt biete Wachstumsperspektiven. Die Einbrüche der Pandemie-Jahre seien fast aufgeholt. Eine Belastung seien die Kraftstoffkosten. Sie machten in normalen Zeiten rund 20 Prozent der Gesamtkosten aus. Jeder zusätzliche Cent pro Liter schlage damit unmittelbar auf die Betriebskosten durch. Die aktuelle Spritpreisdynamik verteuere die Tickets. Auch er lenkte den Blick auf die hohen Anschaffungskosten von E-Bussen. Er kritisierte die nach seiner Darstellung von der Bundesregierung beschlossene Kürzung der staatlichen Förderung. Die Busunternehmer brauchten Planungssicherheit über mehrere Jahre. Zudem müsse die Lade-Infrastruktur insbesondere an den zentralen Omnibusbahnhöfen ausgebaut werden. Er setzte sich für zentrumsnahe, gut ausgestattete und barrierefreie Fernbushaltestellen mit guter ÖPNV-Anbindung ein. Das Reisen in E-Bussen beschrieb er vor allem wegen der Laufruhe als sehr angenehm.
Christiane Leonard, Hauptgeschäftsführerin des bdo Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen e.V., forderte, den Bustourismus als Bestandteil der Verkehrswende anzuerkennen. Diese dürfe sich nicht auf Schiene, ÖPNV und Individualverkehr verengen. Auch der Reisebus ermögliche klimafreundliche gemeinschaftliche Mobilität und müsse in Tourismus-, Verkehrs- und Klimapolitik entsprechend berücksichtigt werden. Die Anschaffung emissionsfreier Reisebusse müsse wirtschaftlich darstellbar sein. Die Dieselkosten seien ein Riesenthema für die Branche. Die Bundesregierung solle in Brüssel die Einführung von Gewerbediesel beantragen, was dem Reisebustourismus und der gesamten Logistikbranche helfen würde. Ein Betrieb mit zehn Bussen habe durch die gestiegenen Dieselpreise eine Mehrbelastung von 144.000 Euro, bei Berücksichtigung des Tankrabatts noch 110.000 Euro. Das Weitergeben der Preise sei schwierig. Es müsse eine für die Anforderungen des Reisebusverkehrs tatsächlich nutzbare Ladeinfrastruktur an touristischen Zielen, zentralen Omnibusbahnhöfen, wichtigen Verkehrsknotenpunkten und entlang des Fernstraßennetzes entstehen. Reisebusse müssten in Städten intelligent integriert werden, statt sie zu verdrängen. Dazu gehörten Halte-, Ein- und Ausstiegs- sowie Parkmöglichkeiten.
Prof. Dr. Kai Nagel, Professor für Verkehrsplanung und Verkehrstelematik der Technischen Universität Berlin, legte dar, dass Bustouristik mehrere Funktionen gleichzeitig erfülle: Sie ermögliche bezahlbare Gruppenreisen, erschließe Ziele abseits des Schienennetzes und biete eine durchgehende Reisekette ohne häufige Umstiege. Das sei insbesondere für ältere Menschen, Schulklassen und Fahrgäste mit Mobilitätseinschränkungen relevant. Er empfahl dem Bund unter anderem, kommunale Reisebuskonzepte zu fördern. Modellprojekte sollten nach seiner Ansicht die Bestandsaufnahme, ein Netz aus Haltepunkten, Kurzzeit- und Dauerparkplätzen, barrierearme Wege sowie eine belastbare Kapazitätsplanung verbinden. Zu den Empfehlungen zählte auch, die Antriebswende planbar zu finanzieren. Förderung sollte nach seiner Ansicht neben Fahrzeugen auch Depotladen, öffentlich zugängliche Ladepunkte an touristischen Zielen, Netzanschlüsse sowie intelligentes Lastmanagement umfassen. Kleine und mittlere Busunternehmen benötigten verlässliche mehrjährige Rahmenbedingungen.
Thomas-Christian Seitz, Geschäftsführer der Eurabus GmbH, meinte, es komme nicht nur auf größere Reichweiten an. Es gebe auch in Deutschland Strecken wie Berlin - Hamburg, die ein hohes Verkehrsaufkommen hätten und wo es durchaus sinnvoll wäre, Elektrobusse einzusetzen. Sie seien schon heute auch in Deutschland eigentlich wirtschaftlich. Er verwies auf deutlich geringere Verbrauchskosten. Ab drei bis vier Jahren könne sich die Anschaffung rechnen. Es gebe natürlich eine große Skepsis, was den Einsatz von Elektrobussen angehe. Doch Fakt sei, dass sie in vielen Ländern seit vielen Jahren jeden Tag zuverlässig ihren Dienst versähen. Dies zeige, dass sie konkurrenzfähig seien. Die durch den derzeitigen hohen Dieselpreis günstigeren Verbrauchskosten - 30 bis 60 Prozent unter denen eines Dieselbusses, dazu geringere Wartungskosten, machten sie attraktiv. Die Hürden, die er in Deutschland sehe, beträfen die Schnellladung und oft das Problem, einen großen Bus an die Schnellladestellen zu bekommen, die bisher meist für Pkw gemacht seien.