Olympiabewerbung: Zusammenarbeit auf Augenhöhe gefordert
Berlin: (hib/HAU) Wenige Tage nachdem in Baden-Baden die Delegierten der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) entschieden haben, München als deutschen Bewerber für die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 gegenüber dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) zu benennen, wurde am Mittwoch im Sportausschuss über den Fortgang des Bewerbungsprozesses gesprochen. Dabei herrschte Einigkeit zwischen DOSB, Deutschem Behindertensportverband (DBS), Vertretern der Stadt München, dem Staatsminister für Sport und Ehrenamt, Ronald Raue, sowie den Mitgliedern des Sportausschusses, dass es eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Sport, Politik und Gesellschaft braucht, um international Erfolg zu haben.
Im sogenannten „Strategic Dialogue“ werde das IOC nach Prüfung und Evaluation durch die Future Host Commission im Frühjahr 2027 eine Handvoll aussichtsreicher und in den Planungen weit fortgeschrittener Bewerber einladen, um die einzelnen Konzepte - auch nach Feedback durch die IOC-Mitglieder - weiter zu optimieren, erläuterte der DOSB-Vorstandsvorsitzende Otto Fricke. Im Jahr 2028 solle dann mit einem oder mehreren Bewerbern der „Targeted Dialogue“ ausgerufen werden, ehe die IOC-Session 2029 über den Ausrichter der Olympischen und Paralympischen Spiele 2036 entscheide.
Um im internationalen Wettbewerb erfolgreich zu sein, so Fricke, sei es wichtig, „dass Sport und Politik, unter Wahrung der Autonomie, auf Augenhöhe agieren“. Entsprechend der Regel 33 - 1.3 der Olympischen Charta sei das NOK Deutschland, also der DOSB, für das IOC der maßgebliche Partner innerhalb der Olympischen Bewegung, sagte Fricke. Mit Blick auf die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele werde daher vom DOSB erwartet, dass er sämtliche Bewerbungsaktivitäten hauptverantwortlich beaufsichtige und koordiniere. Dabei solle er eng mit den verschiedenen politischen Ebenen, der Wirtschaft sowie weiteren wichtigen Stakeholdern zusammenarbeiten. „Ausdrücklich heißt das nicht: Wir bestimmen“, stellte der DOSB-Vorstandsvorsitzende klar. Der Sport könne ohne Unterstützung des Bundes, des Landes und der Stadt „das auf gar keinen Fall machen“, sagte er. Daher brauche es eine Konstruktion, „an der alle beteiligt sind“. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete machte zugleich deutlich, dass für den Bund nicht nur die Regierung, sondern auch der Haushaltsgesetzgeber, der Bundestag, stehe.
Olympische und Paralympische Spiele müssten gemeinsam gedacht werden, betonte der DBS-Vorstandsvorsitzende Idriss Gonschinska. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre, aber auch sehr eindrucksvoll Paris 2024, hätten gezeigt, dass Paralympische Spiele „die Kraft haben, Gesellschaften zu beeinflussen, Sichtweisen zu verändern und Nachhaltigkeit zu gestalten“. Das sei von erheblicher Bedeutung. Daher, so der DBS-Vorstandsvorsitzende, müsse die Perspektive aus paralympischer Sicht „von Anfang an ein verbindlicher Bestandteil aller Planungen sein“. Barrierefreiheit, Mobilität und Teilhabe dürften nicht erst am Ende begleitend ergänzt werden.
Eine ganz entscheidende Frage ist laut Gonschinska: Was bleibt nach einer Bewerbung und eventuell einer Ausrichtung der Spiele für Sport-Deutschland? Wenn es gelinge, Barrieren abzubauen, moderne Sportstätten zu entwickeln, Mobilität für Menschen zu verbessern, Sporträume zu schaffen, Bewegung in der Sache zu fördern und Vorbilder zu entwickeln, könne man nachhaltigen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen, zeigte er sich überzeugt.
Dem Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause ist nach eigener Aussage bewusst, dass es sich um eine deutsche Bewerbung handelt. Insofern sei es auch im Interesse Münchens „ebenenübergreifend zusammenzuarbeiten“, um eine gute Bewerbung für die internationale Ebene auf die Beine zu stellen. Schon jetzt arbeite die Stadt daran, die Struktur für die Bewerbung zu schaffen. Außerdem begännen die Planungen für die notwendige Infrastruktur. „Wir können nicht bis 2029 warten, sondern müssen jetzt beginnen, ein Olympisches Dorf zu planen sowie die Sportstätten und die ÖPNV-Struktur anzugehen“, sagte Krause.
Sport-Staatsminister Raue verwies darauf, dass mit der Entscheidung für München als deutschen Bewerber nur der erste Meilenstein geschafft sei. Nun stehe der internationale Wettbewerb vor der Tür. „Als ehemaliger Athlet kann ich sagen: Jetzt geht die Arbeit erst richtig los“, sagte der zweifache Kanu-Olympiasieger. Um das IOC zu überzeugen, brauche man nicht nur ein überragendes Konzept. Es brauche auch einen Zusammenhalt auf allen Ebenen. Auch müssten die Olympischen und die Paralympischen Spiele gemeinsam gedacht werden.
Wichtig sei auch die politische Unterstützung. „Für die Bundesregierung und den Kanzler kann ich sagen: Wir stehen fest hinter dem DOSB und der Münchner Bewerbung“, betonte Raue, der zugleich die Mitglieder des Sportausschusses aufforderte, als Botschafterinnen und Botschafter ihren Beitrag zum Erfolg zu leisten. „Indem Sie die Bewerbung unterstützen. Im Parlament, in den Wahlkreisen - national sowie international.“ Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland sollten eine Inspiration für eine neue Generation werden, sagte der Staatsminister.