23. September 2026 Presse

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner lädt Holocaust-Überlebende Angela Orosz-Richt als Gastrednerin ein – Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus 2027

Auf Einladung von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner wird die Holocaust-Überlebende Angela Orosz-Richt am Mittwoch, 27. Januar 2027 im Deutschen Bundestag anlässlich der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus sprechen. Bei der Rednerauswahl ist der Präsidentin wichtig, auf Frauenschicksale zu achten – bei der diesjährigen Gedenkstunde hatte die Holocaust-Überlebende und Zeitzeugin Tova Friedmann die Rede gehalten.

Angela Orosz-Richt wurde kurz vor Weihnachten 1944 in Auschwitz-Birkenau geboren, ihr genaues Geburtsdatum kennt sie selbst nicht. Sie wog bei ihrer Geburt nur etwa ein Kilogramm. Ihre Mutter Vera war schwanger, als sie im Mai 1944 als ungarische Jüdin deportiert wurde. Dort benutzten die Nationalsozialisten sie und ihr ungeborenes Kind für medizinische Experimente. Angela Orosz-Richt sagt bis heute, ihre Geschichte sei vor allem die Geschichte ihrer Mutter: die Geschichte ihres Mutes und ihres Kampfes um das Leben ihres Kindes. Daneben steht Angela Orosz-Richt für die juristische Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen. 2015 sagte sie im Lüneburger Auschwitz-Prozess gegen Oskar Gröning aus, 2016 im Detmolder Prozess gegen den ehemaligen SS-Wachmann Reinhold Hanning. Beide Verfahren endeten mit Schuldsprüchen.

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner: „Gerade in diesen Tagen muss man in Erinnerung rufen: Berlin ist die Stadt, aus der heraus der Holocaust organisiert wurde. Unser Umgang mit Antisemitismus ist eine Gretchenfrage, ob wir es ernst meinen mit dem Versprechen unseres Grundgesetzes. Dazu mahnt auch die erschütternde Lebensgeschichte von Angela Orosz-Richt. Sie verbindet in ihrer Person verschiedene Perspektiven: das unmittelbar erlebte Verbrechen, das Weiterleben mit diesem Erbe und die späte Suche nach Gerechtigkeit. Es ist uns eine Ehre und ich freue mich sehr, dass sie im Januar aus Kanada anreisen und im Deutschen Bundestag zu uns sprechen wird.“

Da am 30. Januar, drei Tage nach der Gedenkstunde, die Bundesversammlung zusammentritt, wird der Plenarsaal bereits am 27. Januar erweitert bestuhlt sein – es können daher 1.500 Gäste und damit deutlich mehr als üblich eingeladen werden. Die Bundestagspräsidentin will diesen zusätzlichen Raum für Schülerinnen und Schüler sowie andere Jugendgruppen nutzen.