Fokusaustellung

Said Baalbaki

Ein Mann sitzt auf einem Gerüst und hantiert an einem Bild.

(© Said Baalbaki)

Mon(t) Liban

Der deutsch-libanesische Künstler Said Baalbaki (geb. 1974 in Beirut, Libanon) erlebte während seiner Kindheit und Jugend den libanesischen Bürgerkrieg, der seine Familie immer wieder dazu zwang, neue Wohnungen und Lebenszentren innerhalb Beiruts zu finden. Vertreibung, Heimatlosigkeit und Heimatsuche wurden so zu einem zentralen Thema in Baalbakis Werk.

Er studierte am Institut des Beaux–Arts in Beirut und auf Anregung des Malers Marwan an der Universität der Künste Berlin Malerei, später „Kunst im Kontext“. In seinen Arbeiten verbindet er die kulturellen und künstlerischen Wurzeln seiner Heimat im Libanon mit den zeitgenössischen Diskursen. Prinzipiell beschäftigen ihn Fragen nach Identität, nach den Mechanismen von Wahrnehmung und nach der Konstruktion von Wissen, Wahrheit und Authentizität, die stark durch unterschiedliche Kulturen und Religionen geprägt sind. 

Baalbaki war Stipendiat des Auswärtigen Amtes, des Senats von Berlin und vieler weiterer Institutionen, was ihm umfangreiche künstlerische Forschungsarbeiten ermöglichte. Im Al-Burak-Projekt etwa suchte er nach dem legendären geflügelten Pferd des Propheten Mohammed und erzählte in seiner halb wissenschaftlichen, halb kreativen Rekonstruktion von Religion, Mythenbildung und Wissenschaft. 

Er lebt und arbeitet vorwiegend in Berlin, temporär auch in Beirut.

Der Gemäldezyklus „Mon(t) Liban“, der im Mittelpunkt seiner Fokusshow steht, zeigt Berge, die bei flüchtiger Betrachtung wie das Libanongebirge wirken und sich bei näherem Hinsehen als Türme übereinandergestapelter Koffer und Kleidung entpuppen: Zeichen für die am eigenen Leib erfahrene Heimatlosigkeit und das verlorene, vergessene, zerrissene Leben auf der Flucht, zugleich auch ein Zeichen der Sehnsucht, denn die Farbigkeit der Gemälde weckt Erinnerungen an blaue Abendstunden, in denen der Sonnenuntergang die Landschaft still erleuchtet. In den Grafikserien „Wadi Abou Jmil“ und „Nos Âmes en Chantier“ spürte er den unfreiwilligen Verwandlungen der Häuser seiner Heimatstadt Beirut nach. Die Stadt galt vor dem Libanonkrieg als „Paris des Ostens“. Es war eine kosmopolitische, wohlhabende Stadt, deren Viertel von bürgerlichem Wohlstand zeugten und in einer Mischung aus westlichem und östlichem Lebensstil gerade auch viele Europäer in ihren Bann zog. Der Libanonkrieg zerstörte dieses alte Beirut. Baalbaki erzählt diese Geschichte am Beispiel der Häuser und Fassaden, indem er die Zeitschichten des einstigen Wohlstands mit denen der Zerstörung, der Unbehaustheit und des Wiederaufbaus überlagert – wissend, dass das Neue eher eine neue Realität baut, in der die Erinnerung an das Vergangene getilgt und vergessen ist.