Marc Jung

(© DBT/JF Müller)
Marc Jung ist ein Künstler, den man früher einen „jungen Wilden“ genannt hätte. In den 1970er und 80er Jahren wählten Malerinnen und Maler aus Westberlin diese Bezeichnung für sich selbst, um ihren Abstand zum etablierten Kunstbetrieb, zu den Vorstellungen von „guter“ Kunst und den Gewissheiten der gewählten Referenzen zu kennzeichnen. Damals funktionierte eine solche Entgegensetzung, weil Kunst innerhalb eines gesellschaftlichen Klimas agierte, in dem es noch Vorstellungen von „richtig“ und „falsch“ gab – beide Begriffe maßgeblich durch den auch in der Kunst ausgetragenen Kampf der Werte- und Gesellschaftssysteme in Ost und West geprägt. Heute, nach dem Ende des Kalten Krieges, sind diese Grenzen aufgelöst, die Freiheit der Kunst und die Globalisierung jenseits der nationalen Politiken hat zur Auflösung alter Dichotomien geführt. Marc Jung fällt trotzdem raus. Wer ihn trifft, sieht alles andere als einen klassischen Künstler. Er ist eher Sportler – tatsächlich früher Leistungssportler im Ringen, sogar auf Bundesliganiveau. Wer seine Kunst sieht, denkt eher an Streetart als an Museum oder Galerie. Was er macht, sind große Graffitis – leuchtend, bunt, laut, offen und voll von allen möglichen Anknüpfungspunkten aus dem Alltag, den Medien, auch der Kunst, denn Marc Jung ist nicht nur ein bestens ausgebildeter Künstler, sondern auch ein Kunstkenner. Er studierte nacheinander und mit dem jeweiligen Abschluss an gleich drei Kunsthochschulen in Weimar, Wien und Dresden bei Lehrenden wie Elfi Fröhlich und Daniel Richter und hat ganz nebenbei ein ausgezeichnetes Bildgedächtnis für die alten Meister, die in den Museen seiner Studienstädte bestens vertreten sind.
In seinen gesprayten Gemälden tauchen Reminiszenzen an andere Künstler auf – etwa an Warhol, Basquiat und Kippenberger, alle drei galten als Tabubrecher der Kunst und standen zu Lebzeiten lange außerhalb des Establishments, auch an Bacon, Grosz oder Dix, je nachdem, wo man schaut.