Fokusausstellung

Tuli Mekondjo

Werk der Künstlerin Tuli Mekondjo

(© Tuli Mekondjo)

Ti ommi ge sa omma: My house is your house

Tuli Mekondjo wurde 1982 in Angola als Tochter namibischer Eltern geboren, die sich im Exil der Befreiungsbewegung SWAPO angeschlossen hatten. Sie verbrachte ihre frühe Kindheit in Exillagern in Angola und Sambia. Nach der Unabhängigkeit 1990 kehrte die Familie nach Namibia zurück. Durch den frühen Tod ihrer Eltern übernahm Tuli Mekondjo frühzeitig die Verantwortung für ihre Geschwister und verzichtete auf ein Studium.

In ihren künstlerischen Arbeiten konzentriert sich Tuli Mekondjo auf die Erinnerung und Aufarbeitung der deutsch-namibischen Kolonialgeschichte und wurde international mit Installationen, Werken und Performances bekannt, die auf Recherchen in privaten und öffentlichen Archiven basieren. Sie macht insbesondere die Erfahrungen von Frauen und Kindern sichtbar, deren Geschichten oft übersehen wurden – vor allem in den vorherrschenden patriotischen Geschichten über den Unabhängigkeitskrieg, in denen Männer und Parteistrukturen im Mittelpunkt stehen. 

Tuli Mekondjo lebt in Windhoek (Namibia).   

In ihren Werken verwebt sie Vergangenheit und Gegenwart, indem sie Collagen aus historischen Postkarten verwendet, die während der deutschen Kolonialherrschaft im heutigen Namibia zwischen 1884 und 1915 entstanden sind. Die Postkarten zeigen Einheimische in Aawambo-Höfen in ihrer jeweiligen traditionellen Tracht. Mekondjo vergrößert die Bilder der Männer, Frauen und Kinder und überträgt sie auf Baumwollstoffe, auf die sie anschließend Mahangu-Körner (Hirse), Harz, Farbe und Tinte aufträgt. Die Künstlerin überlagert die Baumwollbahnen und Fototransfers mit Zeichnungen und Stickereien von adernförmige Formationen, Gebärmüttern, Eierstöcken, Eileitern, Zellen, Brüsten und Föten. Die vier Stoffbahnen fallen im Raum wie eine Reihe von Zeitportalen, die Vergangenheit und Gegenwart verbinden. Indem sie jedes Werk von Hand näht, um an die Arbeit der einheimischen Frauen zu erinnern, tritt Mekondjo in einen Dialog mit ihren Vorfahren, den Frauen und dem Land, denen sie durch ihre Kunst Hommage erweist.

Courtesy Tuli Mekondjo mit Beiträgen von Guns & Rain and Sakhile&Me