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Yevgenia Belorusets

Christine kämmt ihr Haar, das ihr verdammt viel wert war Toretsk, Ukraine, C-Print, 2018

Die ukrainische Künstlerin Yevgenia Belorusets ist Fotografin, Videokünstlerin und Schriftstellerin. Sie ist die Gründerin von „Prostory”, einem Journal für Literatur, Kunst und Politik, und Mitglied der Kuratorengruppe „Hudrada”. Ihre Werke bewegen sich an der  Schnittstelle von Kunst, Literatur, Journalismus und sozialem Aktivismus. Dafür entwickelte sie Langzeitprojekte wie „Gogol Street 32”, das die Bewohner eines kommunalen Wohnhauses bei ihren täglichen Verrichtungen in einem langsam zerfallenden Wohnumfeld porträtierte, oder das Projekt „Victories of the defeated“ (Siege der Besiegten), für das sie zwischen 2014 und 2016 Kohlebergwerke in der Ukraine in der Nähe der Kriegszone besuchte, um die zeitgenössischen Formen der Arbeit in Zeiten des militärischen Konflikts um das Donbass-Becken zu untersuchen.

Für das Auftragsprojekt des Deutschen Bundestages begann Yevgenia Belorusets mit einer Fotoserie über das Leben der Familie von Christine Belous, einer Menschenrechtlerin und Juristin, die gemeinsam mit ihrer Schwester für die Rechte der Sinti und Roma kämpft und dafür im ukrainischen Toretsk eine – die einzige in der Region – Menschenrechtsorganisation gründete: „Die eigenen Traditionen sind in allen Roma-Communities extrem wichtig und sie sind sehr männlich geprägt. Christines Vater etwa ist ein ‘Elder’, er vertritt die Interessen der Familie in der Gemeinschaft.  Mehr als 70 Prozent der in der Ukraine lebenden Sinti und Roma können weder lesen noch schreiben. Das ist einer der Gründe, warum sie unter allen Krisen, auch in der Situation des Konflikts in der Ostukraine, am schwersten leiden. Die Frauen, die ich porträtierte, arbeiten mit den Familien der Gemeinde und überzeugen sie, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Dank Ihrer Tätigkeit besuchen bereits 60 Kinder in diesem Jahr die Schulen von Toretsk.“ 

Yevgenia Belorusets wählte das dritte Bild der Serie für die Ausstellung im Deutschen Bundestag aus: „Es zeigt Christine im Hof ihres Hauses, ihr Haar kämmend. Langes Haar gehört zu den Attributen einer Roma-Frau. Als junges Mädchen und später als Jura-Studentin wurde sie aber just wegen ihres Aussehens diskriminiert und sollte sogar wegen des Drucks, kein langes Haar und keine langen Röcke zu tragen, die Universität wechseln. Christine aber legt Wert darauf, ihr Aussehen selbst zu bestimmen und so zu sein, wie sie will. Ihre Herkunft zu maskieren käme für sie nicht in Frage.“

Yevgenia Belorusets (geb. 1980 in Kiew) erhielt für ihr Arbeit zahlreiche Preise und Stipendien, darunter das Grenzgänger-Stipendium der Robert-Bosch-Stiftung, das Stipendium für künstlerische Forschung der Friedrich-Ebert-Stiftung an der Universität der Künste Berlin und den Joan Wakelin Preis des The Guardian/der Royal Photographic Society. Sie lebt und arbeitet in Berlin und Kiew. (kvo)

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