Über Krieg erzählen - Zeitgenössische ukrainische Kunst im Bundestag
Ausstellung „Über Krieg erzählen - Zeitgenössische ukrainische Kunst in der Sammlung des Deutschen Bundestages“ vom 24. Februar bis 10. März 2026 im Paul-Löbe-Haus
Eröffnung der Ausstellung durch Vizepräsidenten Omid Nouripour am Dienstag, 24. Februar 2026 um 15 Uhr im Paul-Löbe-Haus (Spreeseite).
Zeitgenössische Kunst steht nur selten im Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung, wenn vom Krieg in der Ukraine die Rede ist. Der Kampf der Soldaten, das tägliche Sterben der Zivilisten, die Angriffe auf die zivile Infrastruktur, die unaufhörliche Bedrohung durch Raketen und Drohnen und das Überleben in äußerst unsicheren Verhältnissen sind jedoch auch Themen ukrainischer Künstlerinnen und Künstler. Viele von ihnen leben trotz des Krieges in der Ukraine. Einige kämpfen an der Front. Andere flohen nach Deutschland und in andere Länder Europas. Alle verloren in den letzten Jahren Angehörige, Freunde, Kollegen, Nachbarn.
Bereits im Oktober 2022 lud der Kunstbeirat des Deutschen Bundestages die ukrainische Autorin und Fotografin Yevgenia Belorusets ein, in der Abgeordnetenlobby des Reichstagsgebäudes eine Installation zu realisieren, in deren Mittelpunkt ihr in der deutschen Presse regelmäßig publiziertes Kriegstagebuch stand. Vom 24. Februar bis zum 5. April 2022 hatte sie täglich Berichte aus der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw veröffentlicht und darin einen Alltag beschrieben, dessen Normalität über Nacht in einem brutalen Angriffskrieg verloren gegangen war. Diese literarischen Reportagen waren Grundlage der für die Ausstellung im Bundestag entwickelten Mind-Map – einer Erinnerungslandkarte, die anhand von Fotos und Textsequenzen den „Anfang des Krieges“ – so der Titel des später veröffentlichten Buches – Tag für Tag rekonstruierte.
Kunst als Mittel des Widerstands, der Zeugenschaft und der Anklage hat eine lange Geschichte. Der napoleonische Krieg gegen Spanien ist uns heute vor allem durch Francisco Goyas Grafikserie „Die Schrecken des Krieges“ bekannt; das Leid, das der Erste Weltkrieg über die Bevölkerung brachte, durch die Werke von Käthe Kollwitz, Otto Dix, Max Beckmann, Erich Heckel oder Erich Maria Remarque. Jedes der beliebig zu erweiternden Beispiele zeigt, dass Kunst eine andere Erinnerung, eine andere Wahrnehmung, ein anderes Bewusstwerden ermöglicht als reine Fakten, Abläufe oder Entscheidungen, die in den täglichen Nachrichten wiedergegeben werden. Dies gilt auch und gerade aktuell für zeitgenössische Kunst aus der Ukraine.
Seit der Ausstellung in der Abgeordnetenlobby hat der Kunstbeirat des Deutschen Bundestages weitere Werke ukrainischer Künstlerinnen und Künstler erworben. Zudem wurde Boris Mikhailov, der Grand Seigneur der ukrainischen Fotografie, eingeladen, am Grundgesetz-Projekt „WIR. 19 Grundrechte. 19 künstlerische Positionen“ mitzuarbeiten. Alle Künstler erzählen mit ihren künstlerischen Mitteln über den Krieg. Mit allen Werken verbinden sich Erzählungen über Verlust und Trauma auf der einen, Resilienz und Leben auf der anderen Seite.
Die Sonderausstellung aus Anlass des vierten Jahrestages der russischen Invasion in die Ukraine am 24. Februar 2022 zeigt nicht nur die Werke der eigenen Sammlung, sondern auch eine Leihgabe der Botschaft der Ukraine: Das „Große Bernsteinherz der Ukraine“ reiste bereits durch mehrere europäische Städte und macht nun für zwei Wochen im Deutschen Bundestag Station.
Über Krieg erzählen.
Eine Ausstellung der Kunstsammlung des Deutschen Bundestages
Kuratorin: Kristina Volke
www.kunst-im-bundestag.de