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Am 29. Mai 2021 ist Dani Karavan im Alter von 90 Jahren in Tel Aviv verstorben. Er war einer der bedeutendsten internationalen Bildhauer- und Environment-Künstler, auch in seinem Heimatland: So ist eine seiner bekanntesten frühen Bildhauerarbeiten das monumentale 7 mal 24 Meter große Wandrelief „Pray for the Peace of Jerusalem, das er in den Jahren 1965/1966 für den Plenarsaal des israelischen Parlamentes, die Knesset, geschaffen hat.

Auch in Deutschland sind eine Reihe bedeutender Platz- und Raumgestaltungen von ihm konzipiert worden, wie die „Straße der Menschenrechte“ in Nürnberg, die Installation „Ma'alot“ vor dem Museum Ludwig in Köln, der „Garten der Erinnerung“ in Duisburg oder in Berlin das „Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas“, die Installation „Mifgash – Herrenabend“ im Garten der Villa Lemm und für den Deutschen Bundestag die Installation „Grundgesetz 49“ am Spreeufer vor dem Jakob-Kaiser-Haus.

Anknüpfend an diese Installation hatte der Kunstbeirat noch im letzten Jahr zur Würdigung des Schaffens von Dani Karavan die Skulptur „Structure No.5 für die Kunstsammlung des Deutschen Bundestages erworben und sie zu seinem 90. Geburtstag im Reichstagsgebäude präsentiert (siehe Foto anbei). Sie bildet insofern eine wertvolle Ergänzung zur Installation „Grundgesetz 49“, als die großen, Räume gestaltenden Installationen Dani Karavans den gleichen gestalterischen Konzepten gehorchen wie seine Kleinskulpturen: Dani Karavan geht von einfachen geometrischen Grundformen aus und entwickelt aus ihnen orts- und geschichtsbezogene Installationen, Environments, Stadträume oder weite Landschaftsachsen.

Die Skulptur „Structure No.5 vereint diese wesentlichen Elemente seine Schaffens: Es ist eine blockartige Skulptur aus Cortenstahl, dem von Karavan neben Beton am häufigsten verwandten Arbeitsmaterial. Öffnungen, die in zwei Gänge führen, sowie eine Stufenfolge lassen an Architekturen, beispielsweise an einen doppelflügeligen, archaischen Tempel denken. Die Anmutung eines alten, vergessenen Gebäudes vermittelt ebenso wie die unregelmäßig oxidierte Oberfläche des Cortenstahls ein Gefühl von Vergänglichkeit, verstärkt durch die harten Schlagschatten der Gebäudekanten und der Eingänge, die wie in einem Gemälde Giorgio de Chiricos die surreale Stimmung eines menschenleeren, sonnendurchglühten Ortes erzeugen.

So schließt sich der Kreis zu einem seiner beeindruckendsten frühen Werke, dem aus schlichten geometrischen Formen aufgebauten „Negev Monument“ (1963-1968). Die gewaltige Architekturanlage in den Ausmaßen von 20 mal 100 mal 100 Metern schafft in der weiten Leere der Negev-Wüste mit begehbaren Betonskulpturen, Windorgeln und Bäumen einen mythischen Ort der Erinnerung an die im israelischen  Unabhängigkeitskrieg Gefallenen der Negev Brigade. Mit „Structure No.5 gelingt es Dani Karavan, in einer Kleinskulptur virtuos an seine monumentalen Architektur- und Raumgestaltungen anzuknüpfen.

„Structure No.5, 64 x 110 x 34 cm, Cortenstahl, 2017-2019, 1 / 3 + 2 AP


Text: Andreas Kaernbach, Kurator der Kunstsammlung des Deutschen Bundestages


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