Tony Cragg
„Werdendes“, 2020
Terrasse Erweiterungsbau Marie-Elisabeth-Lüders-Haus
Die sechs Meter hohe Bronzeskulptur auf der Ostterrasse des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses – der sogenannten Stadtloggia – entstammt einer Werkphase des britischen Künstlers Sir Tony Cragg, in der Köpfe und Gesichter eine bedeutsame Rolle spielten. Die figürliche Charakteristik der Großskulptur ist von einer scheinbaren Bewegung gekennzeichnet. Je nach Standpunkt des Betrachters ändert sich der Ausdruck der Skulptur, werden andere Assoziationen zu Köpfen und Gesichtern sichtbar. Cragg scheint so eine Skulptur im Werden abzubilden, eine Figur im Prozess der Formfindung - und fand so den Titel des Werkes
Cragg erläuterte, dass sich „die inhaltliche Beziehung zwischen zwei häufig verwendeten Begriffen herstellen, welche die Dinge in unserer Umgebung beschreiben - das Geometrische und das Organische. Diese zwei Begriffe beschreiben nicht nur die physischen Charakteristika eines Dinges, sondern stehen oft stellvertretend für zwei unterschiedliche Welten, die auf vielen Ebenen als gegensätzlich verstanden werden. Das Rationale im Gegensatz zu den Emotionen. Logik versus Gefühle.“ Er sieht in der figürlichen und organischen Form trotzdem die geometrische Form der Säule innewohnend, mit der die Skulptur mit „präzisem, geometrischem Querschnitt konstruiert“ wurde. „Diese Säulen weisen beide organischen und geometrischen Eigenschaften aus, wie sie überall in der Natur zu finden sind. Wie auch in unserem eigenen Körper, der per Definition organisch ist, aber ohne die strengen Geometrien unserer Moleküle, Zellen, Skelett und Organe nicht funktionieren könnte.“
Die Skulptur wurde eigens für diesen Standort konzipiert und im Juni 2020 im Beisein von Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble und dem britischen Botschafter Sir Sebastian Wood als weithin sichtbares Begrüßungszeichen für all jene aufgestellt, die die Veranstaltungshalle des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses besuchen wollen.
Informationen zum Künstler
Tony Cragg wurde im April 1949 in Liverpool geboren und lebt seit 1977 in Wuppertal. Er studierte an der Gloucestershire College of Art and Design und wechselte 1973 an das Royal College of Art in London. Während seines Studiums begann das Interesse an Skulpturen und schuf in seinen frühen Werken dreidimensionale Arbeiten, bei denen er Fundstücke aussägte und stapelte. In den letzten Jahren arbeitet Cragg mit traditionellen Materialien, wie auch bei der Bronzeskulptur „Werdenes“ für den Deutscher Bundestag.
Seit 1975 unterrichtet Tony Cragg an der Kunsthochschule in Düsseldorf. Er wurde mit verschiedenen Preisen geehrt, unter anderem auch mit dem Turner-Preis. (kvo, bfe)