Besuch

Gregor Gaida

„Reischtsagsfiale“ 

Versammlungshalle Marie-Elisabeth-Lüders-Haus

Der 1975 in Polen geborene Bildhauer Gregor Gaida widmet sein Werk dem narrativen Potential von Objekten und kunstgeschichtlichen Zeugnissen – Kunstwerken und Gegenständen, die im Zentrum historischer, politischer und gesellschaftlicher Erzählungen stehen und nun - ihrem Kontext beraubt - Geheimnisse zu bergen scheinen. Die „Reichstagsfiale“ ist eine Holzskulptur, die in der andauernden Auseinandersetzung des Künstlers mit dem Thema Flaggen entstand. In diesem Fall thematisiert Gaida nicht die Fahne selbst, sondern jenes architektonische Detail der Reichstagsfassade, auf dem die 1945 die Flagge der Sowjetarmee gehisst wurde.

Die Sowjettruppen erreichten Berlin am 2. Mai als erstes und eroberten das Reichstagsgebäude. Dies gilt als ein entscheidender Moment des Sieges über das nationalsozialistische Deutschland und wurde deshalb in allen Zeitungen und Nachrichtensendungen des Landes verbreitet. Bildgewordenes Symbol wurde ein Foto, das das Hissen der roten Fahne auf dem Dach des Reichstagsgebäudes zeigt. Aufgenommen wurde es von Jewgeni Chaldej (1917 – 1997), einem aus der Ukraine stammenden jüdischen Fotografen. Dieser galt als einer der wichtigsten Fotografen der Sowjetunion / Russlands.

Die Holzskulptur von Gregor Gaida ist die Nachbildung der Reichstagsfiale, auf deren steinernen Original der sowjetische Soldat einst die Flagge hisste. Sie steht in der Blickachse zum Dach des Reichstagsgebäudes und damit zum Ort des von Chaldej inszenierten Fotos.

Informationen zum Künstler

Gregor Gaida wurde 1975 in Chorzów, Polen, geboren. Von 1999 bis 2002 absolvierte er eine Ausbildung zum Holzbildhauer in Flensburg. Anschließend studierte er von 2003 bis 2009 an der Hochschule für Künste in Bremen. 

Die Skulpturen von Gregor Gaida zeichnen sich durch die Verbindung organischer und geometrischer Formen aus. Er arbeitet mit unterschiedlichen Materialien wie Aluminium, Holz und Polyesterharz. Dabei entstehen Werke, die zugleich kraftvoll und fragil wirken. (kvo, bfe)