Julia Mangold
„4-98“, 2003,
Marie-Elisabeth-Lüders-Haus Freitreppe (Innen- und Außenraum)
Die Künstlerin Julia Mangold hat zwei monumentale Wandflächen im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus gestaltet: Im Inneren der Halle befindet sich eine quadratische, schwarz eingefärbte Scheibe als einfache, auf die Proportionen der Architektur bezogene geometrische Form. Sie ist reliefartig als erhabene Form auf die Außenseite der Bibliotheksrotunde gesetzt und folgt deren Rundung. Die gleiche schwarz eingefärbte Grundform ist im Außenbereich an der Fassade des Hauses am oberen Ende der Freitreppe zu sehen: als Vertiefung in der Außenhaut des Gebäudes. Dieses zweite schwarze Quadrat wird über die Eck-Kante des Pfeilers geführt. Die schlichten Formen verbinden Innen- und Außenbereich des Hauses.
Die Fläche im Außenraum ist als ausgesparte Form in der Außenhaut des Gebäudes gebildet und die Wirkung der Grundform wird durch schwarz eingefärbten Sichtbeton verstärkt.
Im Innenraum ist hat die Künstlerin eine Mischung aus Eisenpigment, Graphit und Wachs als dünnen Firnis mit der Hand auf den Beton aufgetragen und anschließend poliert. Diese Oberfläche verleiht dem Beton eine samtige, leicht glänzende Anmutung und wirkt wie ein dunkler Spiegel, bei dem das Licht des umgebenden Innen- und Außenraumes eingefangen wird. Die Wischspuren bleiben als individuelle Geste, als „Handschrift“ der Künstlerin erkennbar - eine Selbstbehauptung des Individuums gegen die Monumentalität der Architektur: „Ein leichter Handduktus wird bei näherem Betrachten erkennbar sein, durch das anschließende Polieren wird ein zarter Glanz entstehen, der dezent Lichtveränderungen und Reflexe weidergibt oder aber, ja nach Standort des Betrachters, eine dunkle, tiefe ebene Ausweitung beschreibt.“ (Konzeptvorschlag Julia Mangold, 1998).
Die beiden Rechteckformen von Julia Mangold korrespondieren mit den „tanzenden“ Trapezformen der vier „Berlin Panels“ auf der Westfassade des Paul-Löbe-Hauses von Ellsworth.
Die Bildhauerin und Zeichnerin Julia Mangold studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München bei James Reineking. Ihr skulpturales Werk steht der Minimal Art nahe, wie beispielsweise den Werken von Carl Andre und Donald Judd.
Informationen zur Künstlerin
Julia Mangold wurde 1966 in München geboren. Sie studierte Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München. Ihr künstlerischer Ausgangspunkt ist die Minimal Art. Sie hatte sehr erfolgreiche Einzelausstellungen in New York, Chicago, London, Verona, Brüssel und Berlin und ihre Werke sind in wichtigen amerikanischen und europäischen Sammlungen vertreten. (kvo, bfe)