Deutscher Bundestag - Christiane Möbus
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„Auf und ab und unterwegs“, 1997-2001, vier beweglich unter dem Hallendach aufgehängte Rennachter, Halle, Haus 1 des Jakob-Kaiser-Hauses

In Haus 1 der Architekten Schweger + Partner betritt der Besucher eine großräumige Halle. Die Künstlerin Christiane Möbus lässt vom Hallendach herab vier Rennachter in den Farben Gelb, Rot, Blau und Schwarz auf- und abschweben. Jedes Boot folgt in der Auf- und Abwärtsbewegung einem eigenen Rhythmus (per Zufallsgenerator), so dass sich fortwährend neue Konstellation der Boote zueinander ergeben. Sie spielen auf die in Berlin allgegenwärtige Fluss- und Seenlandschaft, insbesondere auf die in unmittelbarer Nähe vorbeifließende Spree an. Die Öffnung des Hallenbodens zum Untergeschoss wirkt dank dieser Anspielungen wie ein Bassin, bis zu dessen oberen Rand die Boote herabgelassen werden. Aber nicht nur eine solche lokal-geographische Beziehung etwa auch zum Schiffshebewerk Niederfinow stellen die vier Rennachter her, sie verweisen zugleich auf die Bootsrennen zwischen Oxford und Cambridge, den Sinnbildern des demokratischen Wettbewerbs unter Gleichen. In diesem Sinne sollen die Boote auch in der Politik zum Einhalten der Regeln der sportlichen Fairness motivieren, darauf anspielen, dass Teamgeist (sprichwörtlich „in einem Boot sitzen“) und diszipliniertes Zusammenspiel Grundlagen des Erfolges sind und dass selbst eine Niederlage im nächsten Wettbewerb wieder ausgeglichen werden kann.

So bewirkt der tänzerische Rhythmus der starkfarbigen Boote im Luftraum der großzügigen Halle nicht nur eine beschwingte Stimmung, er verbindet gleichzeitig Spiel und Sport und symbolisiert - im Haus der Fraktionen - die Lebendigkeit und Fairness des politischen Wettstreites.

Über diese Ebene hinaus, ist das Boot auch eine uralte Metapher für den Lebensweg des Menschen, seine Gefährdung durch das Verlassen der Sicherheit des Hafens und seine Hoffnung auf eine sichere Ankunft. Auch dieser tiefere Sinn klingt im Spiel der Boote an.

Die Künstlerin Christiane Möbus wurde 1947 in Celle geboren, lebt und arbeitet in Hannover und Berlin und hat nach Professuren in Hamburg, Braunschweig und Göteborg seit 1990 eine Professur an der Universität der Künste Berlin inne.


Text: Andreas Kaernbach, Kurator der Kunstsammlung des Deutschen Bundestages

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