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Oliver Jordan, geb. 1958 in Essen, gehört zu den herausragenden Porträtisten unserer Zeit. Zu seinem OEuvre zählen Bildnisse von Politikern wie den Bundeskanzlern Konrad Adenauer und Willy Brandt oder dem Kölner Oberbürgermeister Norbert Burger, Zyklen zu Albert Camus und zahlreiche Einzelbildnisse, die sich klassischen und modernen Musikern oder aber den Städten und Landschaften Europas widmen. Zu seinen Hauptwerken gehört ein 72 Quadratmeter großes Triptychon mit den Porträts der Komponisten Gustav Mahler, Igor Strawinsky und Arnold Schönberg, das er 2002 für die Philharmonie Dortmund schuf.

Seit Anfang der 1980er Jahre verfolgt er dabei einen expressiven, der Gegenständlichkeit verpflichteten Malstil, worin aufgeworfene Oberflächen und abstrakte Elemente komplexe Interpretationen von Personen, Landschaften und Städten provozieren. Farben erscheinen bei ihm wie Stimmungen einer aufgewirbelten Atmosphäre, aus der sich die Konturen und Flächen in verschiedenen Perspektiven zusammensetzen, um dabei eine für Jordan typische Intensität zu entwickeln: „Die gegenständliche Malerei umarmt die Oberfläche aller Körper und breitet sich aus. Sie ist Ausdruck eines Weltenglücks. Das Bild ist mit den Dingen vermählt und deren eigene Atmosphäre. Die Oberfläche ist Ort der Vereinigung und des Übergangs des einen ins andere. So kann das Nächste, der Baum, die Wolken, das Gesicht ein kostenloses Vergnügen sein und ein Mysterium an Intensität ins Bewußtsein rücken.“ (Oliver Jordan)

Oliver Jordan studierte Freie Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf bei Ellen Neumann und Anatol Herzfeld, später im Kontext der von Joseph Beuys, Klaus Staeck und Georg Meistermann gegründeten Free International University bei Beuys und Johannes Stüttgen. Schon als Student hatte er seine Formsprache gegen Lehrer und Mitstudenten zu verteidigen, die gegenständliche Malerei für tot erklärt hatten. Jordan blieb gegen alle Widerstände bei seinem Sujet; der Mensch und seine Behausung sind das zentrale Motiv seiner künstlerischen Auseinandersetzungen: „Ein aktivierender Stimulus wie eine Landschaft, ein Roman, ein Gedicht, eine Idee, ein Musikstück, eine geliebte Person oder ein Bild verursacht keine einfache Reaktion, er fordert uns auf zu reagieren, indem wir uns aktiv und teilnehmend für ein ’Objekt‘ interessieren und durch zunehmende Wachheit und Aufmerksamkeit immer neue Aspekte an ihm sehen und entdecken.“ (Oliver Jordan)

Bundestagspräsident Norbert Lammert, der in seiner Amtszeit  die gemeinsame Ausstellung der bereits vorhandenen Porträts von Bundestagspräsidenten und -präsidentinnen im Westgraben des Paul-Löbe-Hauses initiierte und dafür mit dem Kunstbeirat des Deutschen Bundestages auch Bildnisse von Rita Süssmuth und Wolfgang Thierse in Auftrag gab, entschied sich nach Ende seiner Amtszeit für Oliver Jordan: „Als ich Oliver Jordan als Porträtisten empfohlen habe, kannte ich ihn noch nicht persönlich, aber er war mir schon vor vielen Jahren durch die Komponistenporträts in der Dortmunder Philharmonie aufgefallen. Die Bildnisse von Mahler, Strawinsky und Schönberg hatten mich sehr beeindruckt, weil sie meiner Idealvorstellung eines Porträts sehr nahe kommen: Man erkennt die Person, hat aber ganz gewiss nicht den Eindruck einer fotografischen Wiedergabe. Ein gutes Porträt muss Widerhaken haben. Ein Porträt, an dem man vorbeigeht und nur bestätigt findet, was man erwartet oder erinnert, ist eigentlich überflüssig. Ich fand es deshalb auch immer sehr plausibel, dass Porträts den Porträtierten häufig nicht gefallen. Die Kunstgeschichte ist voll von solchen Beispielen, aber das scheint gerade in der Natur der Sache zu liegen. Künstler machen sich ihr eigenes Bild von einer Person und geben dem Abbild im besten Fall etwas hinzu, das mit ihrer Wahrnehmung der jeweiligen Persönlichkeit zu tun hat.

Im Prozess der Künstlersuche war ich auch gefragt worden, warum ich nicht eine Fotografie anfertigen ließe. Aber das erschien mir nicht nur mit Blick auf die Tatsache, dass alle anderen Porträts Gemälde sind, unpassend, sondern auch mit Blick auf die Komplexität, die ich so nur in der Malerei finde. Zudem kam es mir darauf an, einen Künstler zu finden, der die malerischen Handschriften, die in der Galerie bereits präsent sind, eigenständig erweitert. Als ich dann mit Oliver Jordan Kontakt aufgenommen hatte, überraschte mich am meisten, dass er mich nicht um eine Porträtsitzung bat. Vielmehr legte er Wert auf eine möglichst intensive wechselseitige Bekanntschaft. Er war neugierig, wollte mich kennenlernen und lud mich in sein Kölner Atelier ein.“

Oliver Jordan resümierte seine Erfahrung mit folgenden Worten: „Als die Kunstsammlung des Deutschen Bundestages mir die Begegnung mit Norbert Lammert in Aussicht stellte, war ich hoch erfreut, weil in mir von diesem Politiker, der Geist, Macht, Bodenständigkeit, Humor, demokratisches Engagement und Menschlichkeit verkörpert, schon ein positives Bild herangereift war. Durch unsere angeregten Gespräche lernte ich auch den Menschen Norbert Lammert kennen und schätzen. Von den ersten Strichen an den Porträtskizzen bis zur endgültigen fertigen Version des Porträts begleitete mich Norbert Lammerts Anwesenheit zwölf Monate lang in meinen Ateliers in der Bretagne und in Köln. Das Ergebnis ist Ausdruck meiner hohen Wertschätzung.“

Oliver Jordan
(geb. 1958 in Essen)
1980 – 85 Studium der freien Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Ellen Neumann, Anatol Herzfeld und im Kontext der F.I.U. bei Joseph Beuys und Johannes Stüttgen
Seit 2000 Aktiver Einsatz für die Opfer von Landminen in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz und Green Peace, AWO Rheinland-Stiftung und Sack e.V.
Seit 2002 Gestaltung der Philharmonie Dortmund dabei ein Triptychon mit Porträts der Komponisten G. Mahler, I. Strawinsky, A, Schönberg, des Dirigenten Kent Nagano, des Komponisten Matthias Pintscher, der Pianistin Elizabeth Leonskaja u.a.
2003 Einweihung eines Panorama-Bildes von Essen im Rathaus von Essen
Portrait und wissenschaftlicher Film über das Sehen mit dem Neurologen Detlef Linke für das Bayerische
Fernsehen
2004 – 2007 Portraits von Anne Sophie Mutter
2007 Zusammenarbeit mit dem Filmemacher und Autor Theo Roos für 3sat und Kiepenheuer & Witsch, Philosophische Vitamine

Oliver Jordan lebt und arbeitet in Köln, Essen und in Port-Blanc (Bretagne).

Text: Kristina Volke, Stellvertretende Leiterin und Kuratorin der Kunstsammlung des Deutschen Bundestags.

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