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23. Oktober 1918: Lieb­knecht ruft zum revolu­tionären Kampf auf

Karl Liebknecht als Redner bei einer Revolutionskundgebung im Dezember 1918 im Berliner Tiergarten

Karl Liebknecht als Redner bei einer Revolutionskundgebung im Dezember 1918 im Berliner Tiergarten

© picture-alliance/akg

Mittwoch, 23. Oktober 1918

In seiner Antwortnote auf die dritte deutsche Note vom 20. Oktober 1918 an die deutsche Regierung erklärt der amerikanische Präsident Woodrow Wilson, dass er nur dann bereit sei, einen Waffenstillstand zu vermitteln, wenn dieser Bedingungen enthalte, die Deutschland außerstande setzten, die Kampfhandlungen wieder aufzunehmen, und die zu treffenden Vereinbarungen durch die Alliierten erzwungen werden könnten.

„Macht der Militärs ungebrochen“

Wilson bestreitet, dass das Deutsche Reich durch die Regierungsumbildung vom 3. Oktober tatsächlich eine parlamentarische Demokratie geworden sei. Nach wie vor sei die Macht der Militärs sowie des Königs von Preußen ungebrochen. Er unterstreicht, dass die Vereinigten Staaten wirkliche Friedensverhandlungen nur mit einer Regierung führen könnten, die eine „wahrhaftige Vertretung des deutschen Volkes“ sei.

Wenn es keine wirkliche Demokratisierung gebe und stattdessen mit den „militärischen Beherrschern und monarchischen Autokraten“ verhandelt werden müsse, seien Friedensverhandlungen ausgeschlossen und nur eine Kapitulation des Deutschen Reiches möglich. Diese Passage in der amerikanischen Antwortnote bedeute nach Auffassung der deutschen Seite, dass Wilson nicht nur die Abdankung Wilhelms II., sondern auch die Abschaffung der Monarchie fordere.

„Irreführung des deutschen Volkes“

Während der Reichstagsdebatte über die von Max von Baden eingebrachten Verfassungsreformen unterzieht der Vorsitzende der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Hugo Haase die bestehenden Machtverhältnisse im monarchischen Obrigkeitsstaat einer radikalen Kritik. 

Mit scharfen Worten prangert er die Irreführung des deutschen Volkes durch das vor dem Kollaps stehende Regime an und fordert unverhohlen einen grundlegenden Systemwechsel: „Ein Wirbelsturm geht durch die Welt, und in dieser Zeit, wo alles von unten nach oben sich kehrt, wo die tiefgreifendsten Umwälzungen vor sich gehen, da wollen wir keinen Kaiser, keinen Bundesrat, keinen Reichstag mit den geringen Befugnissen haben, wie sie in der gegenwärtigen Verfassung enthalten sind. Es muss die Republik kommen.“

Karl Liebknecht aus der Haft entlassen

Im Zuge einer von Kaiser Wilhelm II. verfügten allgemeinen Amnestie für politische Gefangene wird auch der Führer des Spartakusbundes Karl Liebknecht nach fast zweieinhalb Jahren Haft aus dem Zuchthaus Luckau entlassen. Bei seiner Ankunft am Anhalter Bahnhof in Berlin wird er von einer riesigen Menschenmenge enthusiastisch gefeiert. 

Nach einer Ansprache Liebknechts, in der er die Arbeiterschaft zum revolutionären Kampf aufruft, formiert sich ein Protestzug, der sich mit Forderungen nach sofortigem Frieden, Sturz der Regierung und dem Ende der Hohenzollernmonarchie Richtung Reichstag bewegt. Nur unter Einsatz eines großen Aufgebots berittener Polizei gelingt es, die Menge zu zerstreuen. (ww/23.10.2018)



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