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31. Oktober 1918: Ma­trosen bringen Schiffe in ihre Ge­walt

Auf dem Schlachtschiff SMS „Helgoland“ (hier in einer Aufnahme aus dem Ersten Weltkrieg) kam es in der Nacht vom 30. auf den 31. Oktober 1918 zur offenen Meuterei.

Auf dem Schlachtschiff SMS „Helgoland“ (hier in einer Aufnahme aus dem Ersten Weltkrieg) kam es in der Nacht vom 30. auf den 31. Oktober 1918 zur offenen Meuterei.

© Bundesarchiv

Donnerstag, 31. Oktober 1918

Auch der Plan der Admiralität, U-Boote und Schlachtschiffe mit als zuverlässig geltenden Besatzungen für eine begrenzte Aktion gegen englische Schiffstransporte einzusetzen, scheitert. 

Offene Meuterei auf Schlachtschiffen

Als in der Nacht vom 30. auf den 31. Oktober 1918 das I. Geschwader auslaufen soll, kommt es auf den Schlachtschiffen „Thüringen“ und „Helgoland“ zur offenen Meuterei. 

Heizer löschen das Feuer, Matrosen demolieren die Ankerwinden, zerschlagen die Lampen unter Deck und bringen die beiden Schiffe zum größten Teil in ihre Gewalt. 

Im weiteren Verlauf der Aktion werden Matrosenräte gebildet und die Rote Flagge gehisst. Flottenchef Franz von Hipper ist entschlossen, die Meuterei niederzuschlagen und droht, die Schiffe mit den aufrührerischen Besatzungen zu versenken. 

Aufständische Matrosen ergeben sich

Die meuternden Matrosen geben schließlich ihren Widerstand auf und ergeben sich. Die am Aufruhr beteiligten Mannschaften werden festgenommen und in Wilhelmshaven, Kiel und anderen Küstenorten inhaftiert. Ihnen droht die standrechtliche Erschießung. 

Nach der Verhaftung kommt es zur Erhebung nahezu aller Schiffsbesatzungen sowie der Dockarbeiter und Heeressoldaten in den Küstenstädten. 

Die Seekriegsleitung gibt wegen der Unzuverlässigkeit der Mannschaften ihre Pläne für eine große Seeschlacht auf und beordert die vor Wilhelmshaven zusammengezogenen Flottenverbände in ihre Heimathäfen zurück.

Kein Konsens im Kriegskabinett

In der Sitzung des Kriegskabinetts führt Reichskanzler Max von Baden aus, dass er die Frage der Abdankung Wilhelms II. schon längere Zeit erwogen habe und sich hierüber auch mit Vertrauensmännern des Kaisers ausgetauscht habe. 

Um Reich und Heer vor Schaden zu bewahren, ist er jedoch davon überzeugt, „dass eine Abdankung Sr. Majestät des Kaisers nur eine freiwillige sein“ könne. Das Kriegskabinett kann aufgrund der unterschiedlichen Ansichten seiner Mitglieder keinen Konsens in der Abdankungsfrage erzielen.

Abrechnung mit dem Regierungsstil des Kaisers

Die mehrheitssozialdemokratische Parteizeitung Vorwärts rechnet in einem weithin beachteten Leitartikel mit dem Amtsverständnis und dem Regierungsstil des Kaisers ab. 

Dabei moniert sie insbesondere die mangelnde Bereitschaft Wilhelms II., auf die Sozialdemokraten zuzugehen. Angebote der sozialdemokratischen Partei zu einer Verständigung seien immer wieder abgelehnt worden. Stattdessen habe der Kaiser selbst aktiv an der Unterdrückung der Sozialdemokratie mitgewirkt. 

Resigniert stellt der Autor des Textes fest: „Nun ist‘s vorbei und geschehen, und nichts kann mehr das Raunen und Rauschen im Volk zum Schweigen bringen.“ Mit seinen beiden Schlussfragen „Was wird der Kaiser tun? – Wann wird er es tun?“ wird der Kaiser mehr oder weniger offen zum Rücktritt aufgefordert.

Unlöslicher Zusammenhang

Das Preußische Herrenhaus verabschiedet einstimmig einen Antrag, der den unlöslichen Zusammenhang zwischen „dem Preußischen Herrscherhaus und seinem Volke“ zum Ausdruck bringt.

Staatssekretär Trimborn wird im Amt bestätigt

Die schon kommissarisch amtierenden Regierungsmitglieder Matthias Erzberger, Adolf Gröber (beide Zentrumspartei), Philipp Scheidemann (Mehrheitssozialdemokratie) und Adolf Haußmann (Fortschrittliche Volkspartei) werden definitiv zu „parlamentarischen“ Staatssekretären ohne Geschäftsbereich ernannt. 

Ebenso wird der Reichstagsabgeordnete und seit dem 7. Oktober kommissarisch amtierende Staatssekretär im Reichsamt des Innern, Karl Trimborn (Zentrumspartei), definitiv in seinem Amt bestätigt. (ww/31.10.2018)

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