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Dirk Wiese: Deutschland steht im Kampf gegen Co­ro­na an der Seite Indiens

Dirk Wiese, SPD

Dirk Wiese, SPD-Bundestagsabgeordneter aus dem Hochsauerlandkreis, ist Vorsitzender der Deutsch-Indischen Parlamentariergruppe.

© DBT/Marco Urban

Indien wurde zuletzt von der Corona-Pandemie schwer getroffen. Mittlerweile erreicht das Land aber auch eine breite Welle der Solidarität und Unterstützung aus aller Welt. Auch Deutschland, das mit der größten Demokratie der Welt seit 70 Jahren diplomatische Beziehungen unterhält, beteiligt sich. „Deutschland steht im Kampf gegen Corona an der Seite Indiens“, versichert der Vorsitzende der Deutsch-Indischen Parlamentariergruppe im Deutschen Bundestag, Dirk Wiese (SPD). Im Interview spricht er über die angespannte Lage in dem südasiatischen Land, die wirtschaftliche Verflechtung und politische Verbundenheit beider Länder und den Beitrag der Parlamentariergruppe zur Pflege der bilateralen Beziehungen. Die Parlamentariergruppe feiert im Juni ihr 50-jähriges Bestehen. Das Interview im Wortlaut:

Herr Wiese, im Juni begehen die Parlamente beider Länder ein kleines Jubiläum: 50 Jahre deutsch-indische parlamentarische Beziehungen. Welche Aufgaben hat die Parlamentariergruppe im Deutschen Bundestag?

Die Deutsch-Indische-Parlamentariergruppe beschäftigt sich mit allen Themen rund um unseren engen und verlässlichen Partner und Freund Indien. Dabei steht ein kontinuierlicher und vertrauensvoller Austausch im Mittelpunkt unserer Arbeit. Dies betrifft den Dialog der Parlamente, den Kontakt zur indischen Regierung, zu deutschen Mittlerorganisationen vor Ort, den politischen Stiftungen oder den vielen NGOs, die sich in Indien seit Jahrzehnten engagieren. Der 50. Geburtstag der Deutsch-Indischen Parlamentariergruppe reiht sich übrigens ein in die Feierlichkeiten der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern vor 70 Jahren.

Wie begehen Sie das runde Jubiläum?

Eine große Feier ist coronabedingt natürlich nicht möglich. Mit Blick auf die dramatische Corona-Lage in Indien wäre dies sicherlich auch nicht angemessen. Dennoch planen wir eine entsprechende Würdigung unserer 50-jährigen Arbeit. Gemeinsam mit Staatsminister Niels Annen wollen wir einen Blick auf die Zukunft der deutsch-indischen-Beziehungen werfen. Dazu laden wir Multiplikatoren aus beiden Ländern ein, die ihre unterschiedliche Perspektive und Erfahrung auf den Stand der deutsch-indischen-Beziehungen beisteuern.

Gerade hat die Pandemie Indien fest im Griff. Können wir bei dem riesigen Land überhaupt mehr tun als hilflos zusehen?

Ein klares Ja. Deutschland steht im Kampf gegen Corona an der Seite Indiens. Anfang Mai startete ein erster Transport mit dringend benötigten Gütern nach Indien. An Bord: 120 Beatmungsgeräte und Medikamente zur Versorgung von Covid-19-Patienten. Zudem wird vor Ort eine mobile Sauerstofferzeugungsanlage der Bundeswehr in Betrieb genommen. Weitere Unterstützung wird in enger Abstimmung mit unseren indischen Freunden folgen. Auch die deutsche Wirtschaft vor Ort hilft. Firmengelände werden als Behelfskrankenhäuser zur Verfügung gestellt, Schutzkleidung und Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt, der indische Unternehmerverband FICCI und der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) organisieren gemeinsame Hilfslieferungen von Deutschland.

Sie hatten pandemiebedingt mehrere Videokonferenzen mit ihren Kolleginnen und Kolleggen in Indien. Was haben Sie da besprochen? Was sind über Covid-19 hinaus die wichtigsten Themen für die Parlamentarier?

Die Themen sind vielschichtig: Von der weiteren Vertiefung der deutsch-indischen-Beziehungen, den Herausforderungen Indiens im Indo-Pazifik, Chinas Einfluss in der Region, einem Freihandelsabkommen zwischen Indien und der Europäischen Union bis hin zu einer Besorgnis über den wachsenden Nationalismus im Land. Auch die Bauernproteste und die Ergebnisse der jüngsten Wahlen in Tamil Nadu, Kerala, Puducherry und Assam waren zuletzt ein wichtiges Thema.

Indien ist jedem hierzulande in irgendeiner Weise ein Begriff. Wie aber nehmen die Menschen in Indien Deutschland zu Beginn der dritten Dekade des 21. Jahrhunderts wahr? Gibt es ein Interesse an unserem Land, und was für Interessen verfolgt Indien in Bezug auf Deutschland?

Die indischen Bürgerinnen und Bürger haben ein hohes Ansehen von Deutschland. Deutsch ist eine beliebte Fremdsprache. Es gibt einen engen Austausch in vielen Bereichen. Viele junge Inder und Inderinnen wollen in Deutschland studieren. Gerade auch im Wirtschaftsbereich ist der Austausch eng, insbesondere durch die Arbeit der Deutsch-Indischen-Handelskammer vor Ort. Gerne erinnere ich mich zurück, als Indien Partnerland der Hannover-Messe gewesen ist. Auch im Kulturbereich herrscht ein reger Austausch. Das Goethe-Institut ist ein wichtiger Multiplikator vor Ort. Zudem konnte ich in meiner Zeit als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium das Projekt „German Indian Startup Exchange Program“ ins Leben rufen, das junge aufstrebende Start-ups aus beiden Ländern zusammenbringt.

Auf Basis welcher Gemeinsamkeiten und Interessen sollten Indien und Deutschland ihre Beziehungen ausbauen?

Indien gehört zu den wichtigsten Partnern Deutschlands in Asien. Seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen vor 70 Jahren haben sich enge Beziehungen auf wirtschaftlicher, politischer und zivilgesellschaftlicher Ebene entwickelt. Indien und Deutschland verbinden gemeinsame Werte und Interessen. Indien ist die größte Demokratie der Welt. Bereits 1947, zwei Jahre vor der Bundesrepublik, fanden die ersten freien und fairen Wahlen statt. Wir treten beide für die Förderung von multilateraler Kooperation und die Aufrechterhaltung und Stärkung der regelbasierten Ordnung ein. Hierzu gehört auch die Zusammenarbeit zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie.

Worin sehen die Parlamentarier ihre Rolle bei der Ausgestaltung der Beziehung und was für Schritte planen Sie demnächst?

Wir wollen auch in den nächsten Jahren den Austausch mit unseren indischen Freunden intensivieren und uns kontinuierlich austauschen. Auch nach der Bundestagswahl am 26. September wird die Deutsch-Indische-Parlamentariergruppe ein wichtiger Baustein in den Beziehungen unserer beiden Länder sein. (ll/11.05.2021)

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