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Overtourism setzt nationalen Natur­landschaften zu

Ein Schild mit der Aufschrift Naturschutzgebiet.

Der Ausschuss für Tourismus befasst mit den Herausforderungen in den nationalen Naturlandschaften während und nach der Corona-Pandemie.

© picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Stephan Schulz

Die Corona-Pandemie war für die nationalen Naturlandschaften Fluch und Segen zugleich: Auf der einen Seite entdeckten mehr Menschen die National-, Naturparke und Biosphärenreservate als Naherholungsgebiete für den Urlaub im eigenen Land. Auf der anderen Seite setzte der gestiegene Besucherstrom in die 16 Nationalparke, 104 Naturparke und 18 Biosphärenreservate der Natur und der Artenvielfalt ordentlich zu. Um sich über die besonderen Herausforderungen zu informieren, denen sich die nationalen Naturlandschaften während der Pandemie gegenübersehen, hatte der Tourismusausschuss am Mittwoch, 11. Mai 2022, vier Sachverständige der beiden Verbände Nationale Naturlandschaften e. V. (NNL e. V.) und Verband Deutscher Naturparke e. V. (VDN e. V.) zu einer öffentlichen Anhörung eingeladen. Durch die Fragen der Abgeordneten und die Ausführungen der Verbandsvertreter wurde schnell klar: Der sogenannte Overtourism, also der Besucheransturm auf wenige beliebte Orte, wird zu einem immer größeren Problem.

Negative Folgen von Tipps auf digitalen Plattformen

So erkundigte sich eine Abgeordnete der SPD-Fraktion, wie verhindert werden könne, dass zu viele Besucher gleichzeitig einen bestimmten Park besuchten, etwa, weil sie durch eine Wander- oder Freizeit-App dorthin geleitet wurden. Jan Wildefeld, Geschäftsführer des Verbandes Nationale Naturlandschaften e.V., sagte dazu, dass man nicht auf den Ansturm vorbereitet gewesen sei. Durch die Tipps auf digitalen Plattformen würden Menschen in sensible Naturbereiche geführt. Es bräuchte unter anderem „digitale Ranger“, so Wildefeld, um besser überwachen zu können, über welche Kanäle die Besucher in die Parke geleitet würden. Er wünsche sich zudem eine zentrale Plattform, die Besucherlenkung und die Einhaltung der Naturschutzregeln vereine und mit der die Arbeit in den für die Parks zuständigen Bundesländern vom Dachverband unterstützt werden könnte.

Die Arbeit von Influencern, die in sozialen Medien Bilder von schönen Plätzen teilen und durch ihre teils enorme Reichweite Hunderte Menschen animieren, diese Orte auch zu besuchen, deutet ein Vertreter der Unionsfraktion als einen Grund, warum es in einigen bestimmten Parken zu Massenansammlungen gekommen ist. Es müsse an der Kommunikation gearbeitet werden, sagte dazu Ulrich Köster, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Naturparke. Eine bundesweite Kampagne, die die Menschen einerseits in die Parke einlade, gleichzeitig sensibilisiere und auf weniger besuchte Gegenden aufmerksam mache, könne in besseres Ergebnis für alle liefern. Wildefeld ergänzte, dass man die Reichweite der sozialen Netzwerke nutzen wolle, um die Kommunikation über Naturschutz moderner zu gestalten.

Zerstörung der Natur und der Störung der Tierwelt

Inwieweit ein Informationsdefizit der Parkbesucher Anteil an der Zerstörung der Natur und der Störung der Tierwelt habe, fragt ein Vertreter der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen die Sachverständigen. Eine Studie habe gezeigt, erläuterte Wildefeld, dass es insbesondere bei den gut gebildeten Besuchern die größte Lücke zwischen Wissen und Handeln gebe: den Menschen seien zwar die Naturschutzregeln bewusst, aber sie würden nicht unbedingt aktiv zu deren Einhaltung beitragen. Es sei zudem wichtig, Angebote für alle Menschen der Gesellschaft auszubauen, dafür sei es wichtig, die Ansprache anzupassen und die Kommunikation niedrigschwelliger zu gestalten. Friedel Heuwinkel, Präsident des Verbands Deutscher Naturparke fügte hinzu, dass die aktuelle Stellenstruktur in den Parks unzureichend sei, um diesen Herausforderungen adäquat begegnen zu können.

Ein Abgeordneter der FDP-Fraktion erkundigte sich, wie man die verbesserte Besucherlenkung dazu nutzen könne, strukturschwache Regionen im Bereich des Natur- und Naherholungstourismus zu stärken. Heuwinkel sagte dazu, dass dieser Ansatz große Chancen berge. Auf der einen Seite für die überlasteten Parks, wenn man es schaffe, die Menschen in andere Regionen zu leiten und auf der anderen Seite für die lokalen Tourismus. Die Effekte, die das auf die regionale Wirtschaftskraft habe, seien nicht zu unterschätzen. In diesem Punkt sei besonders die Zusammenarbeit der Länder mit den betreffenden Kommunen zu fördern.

Kooperationen zwischen Deutschland, Polen und Tschechien

Auf die Frage eines Vertreters der AfD-Fraktion, welche Kooperationen es zwischen Deutschland und seinen Nachbarländern Polen und Tschechien gebe, um die Naturlandschaften zu schützen, sagte Köster, dass es viele gut funktionierende Kooperationen gebe. Nicht nur zwischen Deutschland, Polen und Tschechien, sondern auch mit den Niederlanden, Frankreich und Österreich. Wildefeld schloss sich der Einschätzung an und ergänzte, dass es den sehr passenden Claim „Natur kennt keine Grenzen gebe“ und die europäische Kooperation bei diesem Thema noch weiter ausgebaut werden sollte.

Um die Angebote in den Naturlandschaften für alle erlebbar zu machen brauche es eine verbesserte Barrierefreiheit, sagte ein Abgeordneter der Fraktion die Linke und erkundigte sich, welche Maßnahmen hierfür in den Parken getroffen würden. Eugen Nowak, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Verband Nationale Naturlandschaften e.V. sagte dazu, dass insbesondere in den Besucherinformationszentren viel dafür getan würde, die Informationen so barrierefrei wie möglich darzustellen. Das sei ein wichtiges Zukunftsfeld, um das Thema Naturschutz so breit wie möglich vermitteln zu können. Wildefeld berichtete, dass man bereits mit Partnern wie der Lebenshilfe kooperiere, um auch beeinträchtigten Menschen das Thema Naturlandschaften näherzubringen.  (emu/11.05.2022)

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