Reichinnek: Die größte Aufgabe ist es, Hoffnung zu organisieren

Heidi Reichinnek, Ko-Vorsitzende der Fraktion Die Linke (© picture alliance / HMB Media | Uwe Koch)
Dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander geht, „ist kein Naturgesetz“, sagt die Ko-Vorsitzende der Fraktion Die Linke, Heidi Reichinnek. Die größte Aufgabe ihrer Fraktion sei es, „Hoffnung zu organisieren“, betont Reichinnek im Interview. „Wir wollen das Leben der Menschen besser und bezahlbar machen“, sagt sie und fordert das Einfrieren der Mieten, mehr sozialen Wohnungsbau und eine Streichung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel.
Wenn heute selbst die Bundesregierung um das Thema Mietwucher nicht mehr herumkomme und Kommunen Stellen schafften, um Mietwucher zu verfolgen, sei das ein Erfolg der Arbeit ihrer Fraktion, findet Reichinnek. „Herzensthemen“ sind und bleiben für sie die Kinder- und Jugendpolitik sowie die Frauenpolitik. Hier gebe es „wirklich noch viel zu tun“, sagt die Vorsitzende der Linksfraktion. Das Interview im Wortlaut:
Frau Reichinnek, was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Erfolge der Fraktion Die Linke im Jahr 2025?
Es ist aus unserer Sicht ein riesiger Erfolg, dass wir durch unsere Initiativen zu den Themen Miete und Umverteilung Debatten in diesen Bereichen anstoßen konnten. Vor einem Jahr setzte sich kaum jemand mit Mietwucher auseinander – heute kommt die Bundesregierung nicht mehr an dem Thema vorbei und Kommunen schaffen Stellen, um Mietwucher zu verfolgen. Ähnliches gilt bei der Vermögens- und der Erbschaftsteuer. Dass nun selbst aus der Union Stimmen laut werden, die die extreme Ungleichheit im Land als Problem identifizieren, hat sicher auch damit zu tun, dass wir das Thema wieder und wieder in die Debatte eingebracht haben.
Für Außenstehende kaum sichtbar, für uns selbst aber von enormer Bedeutung ist der Fraktionsaufbau, den insbesondere unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den letzten Monaten geleistet haben. Durch unseren Wahlerfolg haben wir unsere Abgeordnetenzahl fast verdoppelt, und gleiches gilt für die Fraktionsmitarbeiterinnen und Fraktionsmitarbeiter. Demnächst werden wir alle Stellen besetzt haben, unsere Abgeordneten haben sich inzwischen auch eingelebt. Wir sind bereit, im kommenden Jahr so richtig anzugreifen.
Was halten Sie für die größte Herausforderung im kommenden Jahr? Welche thematischen Schwerpunkte will Ihre Fraktion 2026 setzen?
Die größte Aufgabe ist es, Hoffnung zu organisieren. Es ist kein Naturgesetz, dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander geht. Wir wollen das Leben der Menschen besser und bezahlbar machen. Wir wollen dafür sorgen, dass die Mieten eingefroren werden und es mehr sozialen Wohnungsbau gibt. Wir wollen uns dafür einsetzen, dass die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel gestrichen wird, damit die Menschen sich ihren Wocheneinkauf auch am Ende des Monats noch leisten können. Wir wollen, dass die Gesundheitsversicherung so ausgestaltet ist, dass sich alle angemessen daran beteiligen und nicht ein Krankenhaus nach dem nächsten schließt. Wir wollen, dass Löhne und Renten zum Leben reichen. Wir wollen, dass durch ein neues Einkommensteuersystem die große Mehrheit entlastet wird.
Welche Ziele werden Sie als Fraktionsvorsitzende verstärkt verfolgen? Gibt es ein Thema, für das Sie sich persönlich besonders einsetzen wollen?
Meine Herzensthemen sind und bleiben die Kinder- und Jugendpolitik und die Frauenpolitik. Obwohl wir regelmäßig mit erschreckenden und immer schlimmer werdenden Zahlen zur Kinderarmut konfrontiert sind, tut sich in der jetzigen Regierung überhaupt nichts. Weder eine Kindergrundsicherung noch ein kostenfreies Mittagessen in Kitas und Schulen werden überhaupt noch diskutiert. Wir werden diese Punkte immer und immer wieder in die Diskussion einbringen – genauso wie wir das beim Thema Kitas tun, wo wir beispielsweise im Herbst einen großen Kita-Gipfel ausgerichtet haben, bei dem wir mit Menschen aus der Praxis die vielfältigen Probleme diskutiert haben.
Darüber hinaus haben wir auch 2025 noch eine ungleiche Bezahlung zwischen Männern und Frauen, beim Gewaltschutz wird gespart und ein Gesundheitssystem, das sich in Forschung und Lehre noch viel zu stark an Männern orientiert. Es gibt also wirklich noch viel zu tun.
(hau/29.12.2025)