Aktuelle Stunde

Aussprache über die Zukunft der Automobilindustrie

Die Abgeordneten des Bundestages haben sich am Donnerstag, 9. Juli 2026, mit der Situation in der Automobilindustrie befasst. In einer Aktuellen Stunde auf Verlangen der Fraktionen der CDU/CSU und SPD wurde über das Thema „Zukunft deutscher Automobilindustrie gestalten – Erfolgreiche Reformschritte für Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung und Innovation“ debattiert. 

Regierung: Lage ist bitterernst

Für die Bundesregierung stellte Gitte Connemann (CDU) ,Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie die Beauftragte der Bundesregierung für den Mittelstand , fest, dass Deutschland ein Autoland und die Automobilbranche die größte im Land sei. „Gerade deshalb muss uns die Lage unserer Autoindustrie umtreiben, und sie ist bitterernst, ohne Frage“, sagte sie. 

Die Automobilindustrie und ihre Zulieferer, Konzerne und Mittelstand glaubten an die Zukunft, so Connemann., aber die Investitionen „gehen immer mehr ins Ausland“. Die Branche brauche einen Kurswechsel, so Connemann.

AfD: Weg mit dem Verbrennerverbot 

Der AfD-Abgeordnete Raimond Scheirich ging die Regierung frontal an: „Würden CDU, CSU und die SPD mal aus der Berlin Blase heraustreten, würden sie schnell erkennen, dass es dort bald gar nicht mehr so viel zu gestalten gibt, wie Sie hier gerne vorgeben“ sagte Scheirich. Volkswagen plane mit dem Abbau von Stellen. Der Verband der deutschen Automobilindustrie warne seit Jahren vor den wettbewerbsfeindlichen Bedingungen im Land: 

Wir haben zu hohe Sozialabgaben, zu hohe Steuern und Energiepreise. Der enorme Bürokratieaufwand zwingt die Unternehmen in die Knie. Wir sagen: Weg mit dem Verbrennerverbot, weg mit E-Subventionen und weg mit CO- Flottengrenzwerten“, sagte Scheirich.

SPD will Standortschließungen vermeiden

Sebastian Roloff (SPD) appellierte an die Politik und mehr noch an die Vorstandsetagen der Automobilbranche, in dieser Situation klug zu reagieren. „Ich sage für die SPD-Fraktion ganz deutlich, dass wir uns, was Volkswagen betrifft, klar zum Erhalt der Standorte Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm bekennen und überzeugt sind, dass wir im Rahmen einer Sozialpartnerschaft Wege finden werden, die notwendigen Reformen ohne Standortschließungen und ohne Massenentlassungen durchzuführen“, sagte Roloff.

Die Koalition habe schon einiges getan für die Autoindustrie. In der jetzigen Situation aber stehe die SPD an der Seite der Beschäftigten und unterstütze sie bei ihrem Protest zum Schutz ihrer Arbeitsplätze, gab sich der SPD-Abgeordneete kämpferisch.

Grüne vermissen politische Klarheit der Regierung

Nach Auffassung von Dr. Sandra Detzer (Bündnis 90/Die Grünen) befindet sich die Automobilindustrie „im wahrscheinlich tiefgreifendsten Wandel ihrer Geschichte, und zwar vor den Autobauern über die Zulieferer bis hin zu den Handwerkern und Autohäusern. Aber sie wolle trotzdem auch  in die Zukunft schauen. Dafür für brauche es die politische Klarheit, die sie momentan bei der Bundesregierung so oft vermisse, sagte Detzer. 

Die Grünen-Abgeordnete appellierte an alle: “Lassen Sie uns die Autohersteller und die gesamte Wertschöpfungskette daran ausrichten, was wirklich erfolgreich ist auf den Märkten der Zukunft: der elektrische Antrieb beim Auto.„

Linke mit “solidarischen Grüßen„

Der Abgeordnete Cem Ince (Die Linke) verlieh der Debatte eine persönlichere Note. “Ich selbst habe mein bisheriges Arbeitsleben bei Volkswagen verbracht„, sagte Ince. Und fügte hinzu: Ich weiß, wie hart meine Kolleginnen und Kollegen arbeiten. Ich weiß, welche Opfer sie in den vergangenen Jahren gebracht haben. Und was ist heute der Dank dafür? Arbeitsplätze sollen wegfallen, vier deutsche Werke stehen vor dem Aus.„

Seine “Kolleginnen und Kollegen„ fühlten sich da zu Recht verraten, meinte Ince: “Wie oft sollen sie noch für Manager und  politische Versäumnisse bezahlen?„ 

CDU/CSU: Die guten Zeiten sind vorbei

Ganz anders blickte CDU-Abgeordnete Tilman Kuban auf das Geschehen: Der Zukunft zugewandt resümierte er den Stand der Dinge: Die deutsche Automobilindustrie habe dank der hohen Exporte und auch der guten Erträge aus anderen Teilen der Welt lange profitieren und gute Löhne zahlen können.Diese Zeiten sind vorbei, und sie werden auch nicht wiederkommen„, stellte Kuban fest.

Das Einzige, was helfe, sei nun, “dass wir uns neue Absatzmärkte suchen, dass wir Energiekosten senken, Produktivität steigern und den Regulierungsdschungel lichten. Denn nur mit einem Schulterschluss aus Arbeitgebern, Gewerkschaften und der deutschen Politik werden wir auch in Zukunft die besten Autos der Welt bauen„, sagte Kuban. (mis/09.07.2026)