Kultur und Geschichte

Julia Klöckner eröffnet Ausstellung „Kokoschkas Adenauer. Warhols Brandt“

Schwarz-weiß-Aufnahme mit Konrad Adenauer, der links neben seinem vom Maler Oskar Kokoschka gemalten Bild steht. Ganz rechts steht Kokoschka mit dem Rücken zum Fotografen und blickt zu Adenauer.

Oskar Kokoschka (rechts) malte Altbundeskanzler Konrad Adenauer (links) im Jahr 1966. (© picture alliance / SvenSimon | Sven Simon)

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner eröffnet am Montag, 21. September 2026, die Ausstellung „Kokoschkas Adenauer. Warhols Brandt. Außergewöhnliche Begegnungen zwischen Kunst und Politik“. Nach einer Einführung in die Ausstellung durch die Kuratorin Kristina Volke spricht die Bundestagspräsidentin mit der früheren Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel über Konrad Adenauer, Demokratie und Politik unter dem Titel „Demokratie erschöpft sich für uns nicht in der parlamentarischen Regierungsform. Sie ist für uns eine Weltanschauung“.

Die Ausstellungseröffnung wird ab 18 Uhr live im Parlamentsfernsehen und im Internet auf www.bundestag.de übertragen.

Kunstsammlung des Deutschen Bundestages

Zur Kunstsammlung des Deutschen Bundestages gehören zahlreiche Porträts von Schriftstellern, Komponisten und anderen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, zudem Bildnisse von Abgeordneten der Paulskirche bis heute. Sie können, wie andere Kunstwerke der Sammlung auch, von Abgeordneten für ihre Büro- oder für Sitzungsräume ausgeliehen werden. 

Neben Ankäufen beauftragt der Kunstbeirat Porträts für die Galerie der Bundestagspräsidentinnen und -präsidenten auf der Plenarsaalebene im Reichstagsgebäude. Die Bildnisse entstehen im Anschluss an die Amtszeit, die Wahl des Künstlers oder der Künstlerin obliegt dem ehemaligen Präsidenten bzw. der ehemaligen Präsidentin. 

Enormes öffentliches Aufsehen

Zu den Glanzstücken der Sammlung gehören zwei Bildnisse deutscher Bundeskanzler: Oskar Kokoschkas Porträt von Konrad Adenauer aus dem Jahr 1966 und Andy Warhols Porträt Willy Brandts von 1976. 

Schon in ihrer Entstehungszeit sorgten beide Gemälde für enormes öffentliches Aufsehen – und das, obwohl sie nicht als die offiziellen Porträts in der Galerie des Bundeskanzleramts verwendet werden sollten, sondern auf private Initiative von Galeristen entstanden, um damit karitative Zwecke zu unterstützen. 

Ausgeprägtes Verhältnis zur Kunst

Sowohl für Adenauer als auch für Brandt schien dieser karitative Zweck wichtiger als die Begegnung mit den Künstlern, die schon damals als Superstars der Kunstwelt galten. Und das, obwohl beide Politiker ein ausgeprägtes eigenes – wenn auch sehr voneinander verschiedenes – Verhältnis zur Kunst hatten. 

Konrad Adenauer liebte die Malerei des 15. und 16. Jahrhunderts und sammelte Gemälde der holländischen, flämischen und italienischen Schule. Er galt als ausgezeichneter Kenner klassischer Musik. Den wenigen Äußerungen Adenauers über Kunst im Allgemeinen kann man entnehmen, dass er Kunst im Zusammenhang mit Religion verstand, als Mittel der Innerlichkeit und der Besinnung, der Transzendenz, des Glaubens, auch als Gegenpol zur Schnelllebigkeit der Politik. Der zeitgenössischen Kunst stand er eher skeptisch gegenüber, anfänglich deshalb auch Kokoschka.

Kunst in das politische Leben einbeziehen

Willy Brandt war das genaue Gegenteil. Er sammelte keine Kunst, machte es aber zu einem persönlichen Anliegen seiner Politik, Kunst zu ermöglichen. „Es geht mir dabei darum (…) die zeitgenössische Kunst und ihre Inhalte bewusster in das politische Leben einzubeziehen.“ So bekannte sich Brandt zur Idee einer Bundeskunsthalle, die der Hauptstadt Bonn als geistig-kulturelles Zentrum dienen sollte. 

Er sprach sich für die Gründung einer Bundeskunstsammlung aus und umgab sich mit Künstlern, die ihm wegen dieses Engagements sehr zugetan waren. Zum Kreis um Willy Brandt gehörten Günter Grass, Heinrich Böll, Georg Meistermann, Marc Chagall, Karl-Schmidt-Rottluff, Max Ernst und auch Christo, dessen Projekt der Reichstagsverhüllung er schon in den siebziger Jahren entschieden unterstützte, als Christos Idee noch aussichtslos utopisch schien. 

Geschichten hinter den Porträts

Die Begegnungen mit Kokoschka und Warhol hatten auf diese grundsätzlichen Zugänge zur Kunst weder für Adenauer noch für Brandt entscheidenden Einfluss. Gleichwohl sind sie mehr als nur unterhaltsame Episoden, denn sie ermöglichen einen Einblick in eine Zeitgeschichte, in der Kunst und Politik noch weit gegensätzlichere Sphären darstellten, als heute und ihre Protagonisten eher selten intensive Beziehungen zueinander pflegten.

Diese Ausstellung widmet sich den beiden Geschichten hinter den Porträts und damit nicht nur dem besonderen Spannungsverhältnis, sondern auch dem Dialog zwischen Kunst und Politik, Künstlern und Politikern, der im besten Fall zur Öffnung, zum gegenseitigen Verständnis, zur Annäherung zwischen beiden Sphären beiträgt.

Öffnungszeiten der Ausstellung

Die Ausstellung ist vom 22. September bis 10. Januar – jeweils dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr – bei freiem Eintritt ohne Voranmeldung im Forum Kunst im Deutschen Bundestag im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus in Berlin (Eingang Luisenstraße 30) zu sehen. Vom 24. bis 26. Dezember sowie am 31. Dezember und 1. Januar ist die Ausstellung geschlossen. Führungen ohne Voranmeldung finden im Regelfall mittwochs um 16 Uhr statt. Für Gruppenführungen kann man sich unter kunst@bundestag.de(E-Mail) anmelden.

Für Kombiführungen mit dem Konrad-Adenauer-Forum und dem Forum Willy Brandt Berlin jeweils von 15 bis 17 Uhr am 9. und 23. Oktober, 6. November, 4. und 18. Dezember ist die Anmeldung unter https://adenauerhaus.de/besuch/berlin(Externer Link) möglich. 

Zu Andy Warhols Porträt von Willy Brandt aus dem Jahr 1976 spricht die Bundestagspräsidentin am Dienstag, 13. Oktober 2026, ab 19 Uhr mit ihrem früheren Amtskollegen Dr. h. c. Wolfgang Thierse. (vom/18.09.2026)