Kommende Ausstellung

Kokoschkas Adenauer. Warhols Brandt

Grafik zur Ausstellung Kokoschkas Adenauer. Warhols Brandt

(© DBT/REDPEAR)

Sie [die Künstler] konfrontieren uns mit Aussagen und Formen, die, so verwirrend sie auch im Einzelnen sein mögen, den Geist der Zeit widerspiegeln, in der wir leben. Das ist wichtig; denn bei der ständigen Beschäftigung mit den so genannten harten Tatsachen geraten wir [die Politiker] häufig in die Gefahr, die Beziehungen zu den geistigen Realitäten zu verlieren. Unser politisches Denken und Handeln ist dann nicht mehr auf die Gegenwart, geschweige denn die Zukunft bezogen, sondern im Grunde auf bereits Vergangenes.

Willy Brandt 

Kunst, die zeitlos die Menschen bewegt, hat ihre Wurzeln im Glauben an das Überirdische.

Konrad Adenauer 

Kokoschkas Adenauer. Warhols Brandt

Außergewöhnliche Begegnungen zwischen Kunst und Politik

Eröffnung am 21. September 2026 durch Bundestagspräsidentin Julia Klöckner
(Teilnahme nur nach Voranmeldung)

Zur Kunstsammlung des Deutschen Bundestages gehören zahlreiche Porträts von Schriftstellern, Komponisten und anderen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, zudem Bildnisse von Abgeordneten der Paulskirche bis heute. Sie können, wie andere Kunstwerke der Sammlung auch, von Abgeordneten für ihre Büro- oder für Sitzungsräume ausgeliehen werden. 

Neben Ankäufen beauftragt der Kunstbeirat Porträts für die Galerie der Bundestagspräsidentinnen und -präsidenten auf der Plenarsaalebene im Reichstagsgebäude. Die Bildnisse entstehen im Anschluss an die Amtszeit, die Wahl des Künstlers oder der Künstlerin obliegt dem ehemaligen Präsidenten bzw. der ehemaligen Präsidentin. 

Zu den Glanzstücken der Sammlung gehören zwei Bildnisse deutscher Bundeskanzler: Oskar Kokoschkas Porträt von Konrad Adenauer aus dem Jahr 1966 und Andy Warhols Porträt Willy Brandts von 1976. 

Schon in ihrer Entstehungszeit sorgten beide Gemälde für enormes öffentliches Aufsehen – und das, obwohl sie nicht als die offiziellen Porträts in der Galerie des Bundeskanzleramts verwendet werden sollten, sondern auf private Initiative von Galeristen entstanden, um damit caritative Zwecke zu unterstützen. 

Sowohl für Adenauer als auch für Brandt schien dieser caritative Zweck wichtiger als die Begegnung mit den Künstlern, die schon damals als Superstars der Kunstwelt galten. Und das, obwohl beide Politiker ein ausgeprägtes eigenes – wenn auch sehr voneinander verschiedenes – Verhältnis zur Kunst hatten. 

Konrad Adenauer liebte die Malerei des 15. und 16. Jahrhunderts und sammelte Gemälde der holländischen, flämischen und italienischen Schule. Er galt als ausgezeichneter Kenner klassischer Musik. Den wenigen Äußerungen Adenauers über Kunst im Allgemeinen kann man entnehmen, dass er Kunst im Zusammenhang mit Religion verstand, als Mittel der Innerlichkeit und der Besinnung, der Transzendenz, des Glaubens, auch als Gegenpol zur Schnelllebigkeit der Politik. Der zeitgenössischen Kunst stand er eher skeptisch gegenüber, anfänglich deshalb auch Kokoschka.

Willy Brandt war das genaue Gegenteil. Er sammelte keine Kunst, machte es aber zu einem persönlichen Anliegen seiner Politik, Kunst zu ermöglichen. „Es geht mir dabei darum (…) die zeitgenössische Kunst und ihre Inhalte bewusster in das politische Leben einzubeziehen.“ So bekannte sich Brandt zur Idee einer Bundeskunsthalle, die der Hauptstadt Bonn als geistig-kulturelles Zentrum dienen sollte. Er sprach sich für die Gründung einer Bundeskunstsammlung aus und umgab sich mit Künstlern, die ihm wegen dieses Engagements sehr zugetan waren. Zum Kreis um Willy Brandt gehörten Günter Grass, Heinrich Böll, Georg Meistermann, Marc Chagall, Karl-Schmidt-Rottluff, Max Ernst und auch Christo, dessen Projekt der Reichstagsverhüllung er schon in den siebziger Jahren entschieden unterstützte, als Christos Idee noch aussichtslos utopisch schien. 

Die Begegnungen mit Kokoschka und Warhol hatten auf diese grundsätzlichen Zugänge zur Kunst weder für Adenauer noch für Brandt entscheidenden Einfluss. Gleichwohl sind sie mehr als nur unterhaltsame Episoden, denn sie ermöglichen einen Einblick in eine Zeitgeschichte, in der Kunst und Politik noch weit gegensätzlichere Sphären darstellten, als heute und ihre Protagonisten eher selten intensive Beziehungen zueinander pflegten.

Diese Ausstellung widmet sich den beiden Geschichten hinter den Porträts und damit nicht nur dem besonderen Spannungsverhältnis, sondern auch dem Dialog zwischen Kunst und Politik, Künstlern und Politikern, der im besten Fall zur Öffnung, zum gegenseitigen Verständnis, zur Annäherung zwischen beiden Sphären beiträgt.

Wir danken allen Leihgebern und Kooperationspartnern.

Kristina Volke, Kuratorin der Ausstellung