SED-Opferbeauftragte

Fachgespräch zur Pflege traumatisierter Opfer der DDR-Heimerziehung

„Ich bin als Mensch geboren, und will als Mensch hier raus!“ steht in einer Dunkelzelle in der „Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau“. Der Geschlossene Jugendwerkhof in Torgau war Bestandteil des repressiven Heimerziehungssystems der DDR.

„Ich bin als Mensch geboren, und will als Mensch hier raus!“ steht in einer Dunkelzelle in der „Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau“. Der Geschlossene Jugendwerkhof in Torgau (Sachsen) war Bestandteil des repressiven Heimerziehungssystems der DDR. (© picture alliance/dpa | Hendrik Schmidt)

Traumasensibilität in der Pflege stärken – Bedarfe von Betroffenen von SED-Unrecht und weiteren Unrechtserfahrungen“ lautet der Titel eines Fachgesprächs, das die SED-Opferbeauftragte beim Deutschen Bundestag, Evelyn Zupke, am Donnerstag, 24. September 2026, ausrichtet. Esh beginnt um 13 Uhr im Anhörungssaal 3.101 des Marie-Elisabeth-Lüders Hauses in Berlin und dauert vier Stunden. 

Das Fachgespräch wird live im Parlamentsfernsehen und im Internet auf www.bundestag.de übertragen.

Unrechtserfahrungen in Kinderheimen und Jugendwerkhöfen

Die Veranstaltung geht den Fragen nach, wie Pflege aussehen muss, damit Traumata nicht wieder aufbrechen und was Pflegefachkräfte brauchen, um mit den besonderen Erfahrungen und Bedürfnissen der Betroffenen sensibel umgehen zu können. Wer als Kind ins Heim gezwungen wurde, für den kann ein Pflegeheim im Alter Ängste von damals zurückbringen. 

Viele Menschen, die in der DDR in Spezialkinderheimen, Geschlossenen Jugendwerkhöfen oder anderen Einrichtungen Gewalt und Demütigungen erleiden mussten, sind heute in einem Alter, in dem sie Pflege brauchen, schreibt die SED-Opferbeauftragte. Auch Menschen, die politische Haft, Zersetzung, Zwangsunterbringung oder andere Formen von SED-Unrecht erfahren hätten, könnten im Alter mit Situationen konfrontiert sein, die frühere Erfahrungen wieder wachrufen. 

Die Forschung der vergangenen Jahre zeige, so Zupke, dass traumatische Erlebnisse auch Jahrzehnte nach den eigentlichen Ereignissen fortwirken können. Krankheit, Pflegebedürftigkeit und die Abhängigkeit von der Unterstützung durch andere Menschen könnten früheres Erleben von Fremdbestimmung, Gewalt, Kontrolle und Ohnmacht wieder in Erinnerung rufen. Dies betreffe Menschen mit Erfahrungen von SED-Unrecht in besonderer Weise. Zugleich bestünden vergleichbare Herausforderungen auch für Menschen, die andere Formen institutioneller Unterbringung oder sexualisierter Gewalt erfahren haben.

Sensibilisierung der Pflegefachkräfte

Bei der Veranstaltung wirkt die Fachstelle „Aktiv gegen sexualisierte Gewalt“ der Diakonie Deutschland und der Unabhängigen Kommission des Bundes zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs mit. Erstmals vorgestellt werden Ergebnisse der Studie „Versorgungsmöglichkeiten und -gefahren ehemaliger Heimkinder im Alter“.

Nach einleitenden Grußworten unter anderem der Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Katrin Staffler, beschäftigt sich das erste Panel mit der Frage, welche konkreten Bedarfe und Bedürfnisse Menschen mit SED-Unrechtserfahrungen und anderen Unrechtserfahrungen in der Pflege und im Alter haben. Im zweiten Panel geht es darum, wie Fachkräfte in der Pflege und Altenhilfe für die besonderen Bedarfe traumatisierter Menschen qualifiziert und sensibilisiert werden können. (vom/17.09.2026)