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Recht

Drei Initiativen für einen besseren Mieterschutz debattiert

Der Bundestag hat am Donnerstag, 9. Juli 2026, über einen stärkeren Mieterschutz debattiert. Grundlage dafür waren ein Gesetzentwurf der Bundesregierung „zur Änderung des Rechts der Wohn- und Geschäftsraummiete“ (21/6807(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) sowie ein Antrag der Linken mit dem Titel „Mietrechtsnovelle nachschärfen – Mieterinnen und Mieter wirklich schützen“ (21/6924(Dokument, öffnet ein neues Fenster)). 

Darüber hinaus hat die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen einen Gesetzentwurf zur Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuchs zur Rückführung und Weiterentwicklung des Rechts der Eigenbedarfskündigung im privaten Wohnraummietrecht (21/6915(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) vorgelegt. Die Vorlagen wurden nach halbstündiger Aussprache zur weiteren Beratung an die Ausschüsse überwiesen. Federführend ist der Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz. 

Gesetzentwurf der Bundesregierung

Um der Mietpreisbremse mehr Geltung zu verschaffen, den Markt für langfristig anzumietende Wohnungen zu erweitern und so Mietende finanziell zu entlasten, will die Regierung die Ausnahme von Mieterschutzvorschriften bei der Vermietung zum vorübergehenden Gebrauch durch eine klare zeitliche Grenze von sechs Monaten rechtssicherer ausgestalten. Unter bestimmten Voraussetzungen soll diese auf insgesamt acht Monate verlängert werden können. 

Zudem soll künftig ausdrücklich geregelt werden, dass grundsätzlich nur ein am Zeitwert der Möbel orientierter Möblierungszuschlag verlangt werden kann. Hierfür soll eine klare Berechnungsmethode vorgesehen werden. Darüber hinaus soll für voll möblierte Wohnungen grundsätzlich eine Pauschale von zehn Prozent der Nettokaltmiete angesetzt werden können. Über diesen Zuschlag sollen laut Regierung Vermietende künftig verpflichtend Auskunft erteilen. Erfolge dies nicht, soll die Wohnung jedenfalls vorübergehend als unmöbliert vermietet gelten.

Begrenzung von Indexmietsteigerungen

Um im Fall starker Preissteigerungen Mietende mit Indexmietverträgen besser vor finanzieller Überforderung zu schützen, sollen zudem in angespannten Wohnlagen Indexmietsteigerungen begrenzt werden. Oberhalb einer Grenze von 3,0 Prozent jährlich sollen sie dem Entwurf zufolge nur noch zur Hälfte mieterhöhend geltend gemacht werden können werden.

Mehr Schutz ist auch bei Kündigungen wegen Zahlungsverzugs vorgesehen. Wenn Mietforderungen durch Nachzahlung vollständig beglichen werden, sollen Mieterinnen und Mieter künftig auch bei einer ordentlichen Kündigung wegen Zahlungsverzugs ihre Wohnung behalten können. Dafür sollen die Regelungen zur sogenannten Schonfrist einmalig auf die ordentliche Kündigung übertragen werden.

Verfahren bei Modernisierungsmieterhöhungen

Der Entwurf enthält zudem Regelungen zugunsten von Vermietenden. So soll die Wertgrenze für das vereinfachte Verfahren bei Modernisierungsmieterhöhungen von derzeit 10.000 Euro auf 20.000 Euro angehoben werden. Die Bundesregierung verweist zur Begründung darauf, dass auch in diesem Bereich zu „extremen Preissteigerungen“ gekommen sei und eine Anpassung der Obergrenze daher geboten sei. Weitere Änderungen betreffen unter anderem die Datenerhebung für qualifizierte Mietspiegel, die digitale Belegeinsicht bei Betriebskostenabrechnungen im Gewerberaummietrecht und den Übergang von Mietverhältnissen bei der Veräußerung von Eigentumsanteilen an einen Miteigentümer.

Der Bundesrat meldet in seiner Stellungnahme Nachbesserungsbedarf an. Bei der Ausgestaltung der Rahmenbedingungen müsse der Ausgleich zwischen Vermietenden und Mietenden ausreichend berücksichtigt werden. Zudem bittet er darum, im weiteren Gesetzgebungsverfahren Änderungen vorzunehmen, um Anreize für die zügige Vermietung leerstehenden Wohnraums und für neuen Wohnraum zu schaffen sowie weitere bürokratische Hemmnisse zu vermeiden. Die Bundesregierung verweist in ihrer Gegenäußerung auf bereits eingeleitete Maßnahmen zur Stärkung des Wohnungsbaus. Weitere Regelungen in diesem Gesetzgebungsvorhaben seien aus ihrer Sicht nicht veranlasst. 

Gesetzentwurf der Grünen

Bündnis 90/Die Grünen schreiben in ihrem Gesetzentwurf (21/6915(Dokument, öffnet ein neues Fenster)), Mieter von Wohnungen privater Vermieter könnten ihre gesetzlichen Rechte in Bezug auf die zulässige Miethöhe vielfach nicht effektiv geltend machen, weil sie bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit dem Vermieter mit einer Eigenbedarfskündigung rechnen müssten. Dieser „systematische Fehler“ des Mietrechts trage wesentlich zur Ineffektivität der Mietpreisbremse bei, heißt es weiter. Ein weiteres Problem sei der „gekaufte Eigenbedarf“. Ein Vermieter, der keinen Eigenbedarf hat, könne die Wohnung an eine Person verkaufen, die einen Eigenbedarf hat.

Nach Vorstellung der Grünen soll das Recht zur Eigenbedarfskündigung auf das „gebotene Maß“ zurückgeführt werden. Es solle demnach „auf den ernsthaften, dauerhaften Bedarf“ des Eigentümers oder eines seiner nahen Angehörigen beschränkt werden. Darüber hinaus wollen die Grünen das Recht zur Eigenbedarfskündigung nach einem Verkauf und im Fall eines Verstoßes gegen die Mietpreisbremse eingeschränkt wissen. Außerdem schlägt die Fraktion vor, die Kündigungsfrist in Gebieten mit einem angespannten Wohnungsmarkt zu verlängern. 

Antrag der Linken

Die Linke schlägt in ihrem Antrag (21/6924(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) unter anderem detailliertere Regelungen im Vergleich zum Regierungsentwurf zur Regulierung der Vermietung von möblierten Wohnungen und zur Kurzzeitvermietung vor.

Zudem verlangen die Abgeordneten unter anderem, die Indexmiete grundsätzlich auszuschließen, und drängen darauf, die bestehende Wertgrenze bei Modernisierungen im vereinfachten Verfahren bei bis zu 10.000 Euro beizubehalten, statt sie zu erhöhen. (scr/hau/09.07.2026)

Reden zu diesem Tagesordnungspunkt

Nouripour, Omid

Bundestagsvizepräsident

Omid Nouripour

Omid Nouripour

© Omid Nouripour/Stefan Kaminski

Hubig, Dr. Stefanie

Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz

Dr. Stefanie Hubig

Dr. Stefanie Hubig

© Peter Bajer

Fetsch, Thomas

AfD

Thomas Fetsch

Thomas Fetsch

© Deutscher Bundestag/von Saldern

Hierl, Susanne

CDU/CSU

Susanne Hierl

Susanne Hierl

© Susanne Hierl/Christian Kaufmann

Steffen, Dr. Till

Bündnis 90/Die Grünen

Dr. Till Steffen

Dr. Till Steffen

© Dr. Till Steffen/ Stefan Kaminski

Lay, Caren

Die Linke

Caren Lay

Caren Lay

© Caren Lay/ Frank Grätz

Demir, Hakan

SPD

Hakan Demir

Hakan Demir

© Hakan Demir/ Christian Spies

Galla, Rainer

AfD

Rainer Galla

Rainer Galla

© Rainer Galla/AfD-Bundestagsfraktion

Luczak, Dr. Jan-Marco

CDU/CSU

Jan-Marco Luczak

Jan-Marco Luczak

© Jan-Marco Luczak/ Tobias Koch

Nouripour, Omid

Bundestagsvizepräsident

Omid Nouripour

Omid Nouripour

© Omid Nouripour/Stefan Kaminski

Dokumente

  • 21/6807 - Gesetzentwurf: Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Rechts der Wohn- und Geschäftsraummiete
    PDF | 441 KB — Status: 01.07.2026
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 21/6915 - Gesetzentwurf: Entwurf eines ... Gesetzes zur Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuchs - Rückführung und Weiterentwicklung des Rechts der Eigenbedarfskündigung im privaten Wohnraummietrecht
    PDF | 184 KB — Status: 07.07.2026
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 21/6924 - Antrag: Mietrechtsnovelle nachschärfen - Mieterinnen und Mieter wirklich schützen
    PDF | 155 KB — Status: 07.07.2026
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • Fundstelle im Plenarprotokoll (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)

Beschluss

  • Überweisung 21/6807(Dokument, öffnet ein neues Fenster), 21/6924(Dokument, öffnet ein neues Fenster), 21/6915(Dokument, öffnet ein neues Fenster) beschlossen

Tagesordnung

Sitzungsverlauf

Herausgeber

  • Deutscher Bundestag, Internetredaktion
Recht

Sachverständige bewerten Änderungen im Mietrecht unterschiedlich

Zeit: Mittwoch, 14. Oktober 2026, 16.30 bis 18.30 Uhr
Ort: Berlin, Paul-Löbe-Haus, Sitzungssaal 2.600

Der von der Bundesregierung beschlossene Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Rechts der Wohn- und Geschäftsraummiete (21/6807(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) war Gegenstand einer öffentlichen Anhörung im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz am Mittwoch, 14. Oktober 2026. Der Entwurf der Bundesregierung, der bei den sieben Sachverständigen auf ein geteiltes Echo stieß, soll der Mietpreisbremse mehr Geltung verschaffen, den Markt für langfristig anzumietende Wohnungen erweitern und so die Voraussetzungen für bezahlbares und sicheres Wohnen verbessern.

Gegenstand der Anhörung waren auch die Anträge der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen mit den Titeln „Faire Mieten jetzt – Schutz und Aufklärung für Mieterinnen und Mieter“ (21/4282(Dokument, öffnet ein neues Fenster)), „Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung des sozialen Mietrechts“ (21/4268(Dokument, öffnet ein neues Fenster)), „Entwurf eines … Gesetzes zur Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuchs – Rückführung und Weiterentwicklung des Rechts der Eigenbedarfskündigung im privaten Wohnraummietrecht“ (21/6915(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) und „Belebte Nachbarschaften sichern, Gewerbetreibende schützen – Für ein faires Gewerbemietrecht“ (21/7896(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) sowie der Fraktion Die Linke mit den Titeln „Mieterinnen und Mieter besser schützen – Erste Mietrechtsnovelle sofort umsetzen“ (21/3607(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) und „Mietrechtsnovelle nachschärfen – Mieterinnen und Mieter wirklich schützen“ (21/6924(Dokument, öffnet ein neues Fenster)).

Mietraum für den vorübergehenden Gebrauch

Prof. Dr. Martin Häublein von der Universität Innsbruck ging in seiner schriftlichen Stellungnahme davon aus, dass ein Teil der vorgeschlagenen Änderungen, insbesondere diejenigen, die die möblierte und die Kurzzeitvermietung beträfen, eine Reaktion auf Entwicklungen am Mietmarkt wie die „Mietpreisbremse“ seien. In vielen Fällen dürfte es sich um eine Reaktion auf die Überregulierung gewöhnlicher Wohnraummietverhältnisse handeln, so der von der CDU/CSU-Fraktion für die Anhörung vorgeschlagene Experte. 

Nach seinem Dafürhalten sei es überaus unwahrscheinlich, dass die vorgeschlagenen Änderungen dazu führen werden, dass der zum vorübergehenden Gebrauch angebotene, oftmals möblierte Wohnraum wieder dem allgemeinen Wohnungsmarkt zugeführt wird. Die mietrechtlichen „Nachjustierungen“ der zurückliegenden Dekade hätten die Missstände in vielen deutschen Städte nicht beseitigen können, wohl aber die Rechtslage verkompliziert.

Immobilienverbände lehnen zusätzliche Regulierung ab

Dr. Kai H. Warnecke, Präsident des Eigentümerverbands Haus & Grund Deutschland, erklärte in seiner schriftlichen Stellungnahme, die privaten Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer lehnten den Regierungsentwurf in seiner jetzigen Ausgestaltung ab. Die vorgesehenen Regelungen griffen in bewährte mietrechtliche Strukturen ein, schränkten die Rechte und die wirtschaftliche Planungssicherheit insbesondere privater Kleinvermieter ein und drohten zugleich, den Zugang zu Mietwohnungen weiter zu erschweren, so der ebenfalls für die Unionsfraktion teilnehmende Sachverständige. Statt die Ursachen des angespannten Wohnungsmarktes anzugehen und die Schaffung sowie den Erhalt von Wohnraum zu fördern, setze der Entwurf auf zusätzliche Regulierung bestehender Mietverhältnisse. Dies betreffe unter anderem die Ausweitung der Schonfristregelung auf die ordentliche Kündigung wegen Zahlungsverzugs, die zeitliche Begrenzung der Vermietung zum vorübergehenden Gebrauch und die geplante Neuregelung des Möblierungszuschlags.

Gegen diese im Entwurf vorgesehenen Regelungen sprach sich auch Dr. Christian J. Osthus, Geschäftsführer des Immobilienverbands Deutschland (IVD) aus. Der IVD vertritt die Interessen der Immobilienberater, Makler, Verwalter und Sachverständigen. Der ebenfalls für die Unionsfraktion eingeladene Sachverständige zog das Fazit, dass auch der vorliegende Gesetzentwurf die strukturellen Probleme des Wohnungsmarktes nicht lösen werde. Sorgen mache die Entwicklung bei der Kurzzeitvermietung. Soweit sie zur Umgehung mieterschützender Vorschriften genutzt werde, sei das Anliegen des Gesetzgebers, Fehlentwicklungen entgegenzuwirken, nachvollziehbar. Allerdings rechtfertige dies keine immer detailliertere Regulierung mit starren Fristen. Auch die zunehmende Komplexität des Mietrechts werde mit Sorge betrachtet.

Mieterverband sieht längst überfälligen Schritt

Die Präsidentin des Deutschen Mieterbunds (DMB), Dr. Melanie Weber-Moritz, die von der SPD-Fraktion nominiert wurde, begrüßte den Entwurf dagegen als einen absolut wichtigen und längst überfälligen Schritt hin zu einem verbesserten Mieterschutz. Gleichzeitig sehe der DMB Nachbesserungsbedarf, um Mieterinnen und Mieter spürbar und dauerhaft zu entlasten. Die vorgesehenen Regelungen zu Indexmieten, Kurzzeitvermietung, möbliertem Wohnen sowie zur Schonfristzahlung müssten jedoch an mehreren Stellen präzisiert und verschärft werden, um den Mietmarkt zu stabilisieren und wirksamen Schutz sicherzustellen. Die Mietpreisbremse müsse auch für Mietverhältnisse zum vorübergehenden Gebrauch gelten. Bei der Schonfristregelung sollte die Einschränkung auf einen einmaligen Anwendungsfall gestrichen werden. Ausdrücklich begrüßt würden auch die in den Anträgen und den Gesetzentwürfen der Grünen-Fraktion und den Anträge der Fraktion Die Linke enthaltenen mietrechtlichen Forderungen.

Stella Majdandzic, Rechtsanwältin vom DMB Mieterschutzverein Frankfurt am Main, die ebenfalls für die SPD-Fraktion teilnahm, verwies auf die Sorgen, Ängsten und Nöte von Mieterinnen und Mietern, die sie aus ihrer Arbeit kenne. Vermietende erschwerten durch die Nutzung bestehender Schlupflöcher die Durchsetzung der Mietpreisbremse. Angesichts hoher Mieten und großer Wohnungsknappheit sei eine wirksame Mietenregulierung unerlässlich. Die im Gesetzentwurf vorgesehenen Maßnahmen seien daher ausdrücklich zu begrüßen. Trotzdem seien einzelne Nachbesserungen erforderlich. So sei die geplante Regelung zur Angemessenheit des Möblierungszuschlags  zu begrüßen. Kritisch sehe sie aber die zusätzlich geplante Vermutungsregelung für vollmöblierten Wohnungen, wonach ein Zuschlag von bis zu zehn Prozent der Miete als angemessen gelten soll. Das sei nicht sachgerecht.

Expertin: Strukturelles Ungleichgewicht besteht weiter

Die Rechtsanwältin Ann-Kathrin Rückmann vom Hamburger Mieterverein Mieter helfen Mietern erklärte in ihrer Stellungnahme, dass der Regierungsentwurf viele Problemfelder angehe und geeignet sei, die  angespannte gegenwärtige Situation punktuell abzumildern. Insgesamt würde der Entwurf die sozialschädliche Ausnutzung der Marktsituation durch bestimmte Vermietende jedoch nicht verhindern. Im Bereich der Rechtsdurchsetzung bestehe weiterhin ein strukturelles Ungleichgewicht zuungunsten der Mietenden, so Rückmann. Die von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen für die Anhörung vorgeschlagene Sachverständige machte eine Reihe von Verbesserungsvorschlägen, die die Forderungen des DMB ergänzten. Zudem müsse das Problem der Eigenbedarfskündigungen 
angegangen werden.

Benjamin Raabe vom Republikanischen Anwält*innenverein ging in seiner schriftlichen Stellungnahme ausführlich auf das Thema Kurzzeitvermietung ein. Der Gesetzesentwurf gehe hier in die richtige Richtung, aber nicht weit genug. Insbesondere der Zeitraum von sechs Monaten sei deutlich zu lang, sagte Raabe, der für die Fraktion Die Linke teilnahm. Zu begrüßen sei jedoch der faktische Ausschluss der Kettenverträge im Entwurf und die ausdrückliche Benennung eines Sonderanlasses bei Mieterinnen und Mietern. Denkbar seien aber auch Regelungen, mit denen die Umgehung der Mietpreisbremse besser erreicht werden könnte. Beim Möblierungszuschlag sei eine gesetzliche Regulierung und insbesondere die Anknüpfung an den Zeitwert grundsätzlich zu begrüßen, die vorgesehene Regelung müsse aber um weitere Elemente ergänzt werden.

Entwurf der Bundesregierung

Im Einzelnen sieht der Regierungsentwurf unter anderem vor, dass die Ausnahme von Mieterschutzvorschriften bei der Kurzzeitvermietung grundsätzlich nur noch für Mietverhältnisse von bis zu sechs Monaten gilt. Dies solle eine Umgehung der Mietpreisbremse verhindern und den Mietmarkt für unbefristetes Wohnen entlasten. Auch die Vermietung möblierter Wohnungen soll stärker reguliert werden. Geplant sind außerdem Änderungen bei Indexmieten. In angespannten Wohnungsmärkten sollen Indexmieterhöhungen jährlich begrenzt werden.

Mehr Schutz ist auch bei Kündigungen wegen Zahlungsverzugs vorgesehen. Wenn Mietforderungen durch Nachzahlung vollständig beglichen werden, sollen Mieterinnen und Mieter künftig auch bei einer ordentlichen Kündigung wegen Zahlungsverzugs ihre Wohnung behalten können. Dafür sollen die Regelungen zur sogenannten Schonfrist einmalig auf die ordentliche Kündigung übertragen werden.Der Entwurf enthält zudem Regelungen zugunsten von Vermietenden. So soll die Wertgrenze für das vereinfachte Verfahren bei Modernisierungsmieterhöhungen angesichts extremer Preissteigerungen von derzeit 10.000 Euro auf 20.000 Euro angehoben werden. Weitere Änderungen betreffen unter anderem die Datenerhebung für qualifizierte Mietspiegel.

Bundesrat sieht Nachbesserungsbedarf

Der Bundesrat sieht am Entwurf Nachbesserungsbedarf. In ihrer Stellungnahme regt die Länderkammer an, im weiteren Gesetzgebungsverfahren Änderungen vorzunehmen, um Anreize für die zügige Vermietung leerstehenden Wohnraums und für neuen Wohnraum zu schaffen sowie weitere bürokratische Hemmnisse zu vermeiden. Die Bundesregierung verweist in ihrer Gegenäußerung auf bereits eingeleitete Maßnahmen zur Stärkung des Wohnungsbaus. Weitere Regelungen seien in dem Gesetzgebungsvorhaben nicht veranlasst.

Neben dem Gesetzentwurf der Bundesregierung lagen den Sachverständigen die von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen vorgelegten Anträge „Faire Mieten jetzt – Schutz und Aufklärung für Mieterinnen und Mieter“ (21/4282(Dokument, öffnet ein neues Fenster)), „Belebte Nachbarschaften sichern, Gewerbetreibende schützen – Für ein faires Gewerbemietrecht“ (21/7896(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) und die Gesetzentwürfe „Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung des sozialen Mietrechts“ (21/4268(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) und „Entwurf eines … Gesetzes zur Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuchs – Rückführung und Weiterentwicklung des Rechts der Eigenbedarfskündigung im privaten Wohnraummietrecht“ (21/6915(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) vor. Die Anträge der Fraktion Die Linke trugen die Überschriften „Mieterinnen und Mieter besser schützen – Erste Mietrechtsnovelle sofort umsetzen“ (21/3607(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) und  „Mietrechtsnovelle nachschärfen – Mieterinnen und Mieter wirklich schützen“ (21/6924(Dokument, öffnet ein neues Fenster)). (mwo/14.10.2026)

Dokumente

  • 21/3607 - Antrag: Mieterinnen und Mieter besser schützen - Erste Mietrechtsnovelle sofort umsetzen
    PDF | 162 KB — Status: 13.01.2026
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 21/4268 - Gesetzentwurf: Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung des sozialen Mietrechts
    PDF | 189 KB — Status: 24.02.2026
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 21/4282 - Antrag: Faire Mieten jetzt - Schutz und Aufklärung für Mieterinnen und Mieter
    PDF | 176 KB — Status: 24.02.2026
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 21/6807 - Gesetzentwurf: Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Rechts der Wohn- und Geschäftsraummiete
    PDF | 441 KB — Status: 01.07.2026
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 21/6915 - Gesetzentwurf: Entwurf eines ... Gesetzes zur Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuchs - Rückführung und Weiterentwicklung des Rechts der Eigenbedarfskündigung im privaten Wohnraummietrecht
    PDF | 184 KB — Status: 07.07.2026
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 21/6924 - Antrag: Mietrechtsnovelle nachschärfen - Mieterinnen und Mieter wirklich schützen
    PDF | 155 KB — Status: 07.07.2026
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 21/7896 - Antrag: Belebte Nachbarschaften sichern, Gewerbetreibende schützen - Für ein faires Gewerbemietrecht
    PDF | 171 KB — Status: 08.09.2026
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)

Tagesordnung

  • Tagesordnung der 57. Sitzung - 14. Oktober 2026, 16:30 Uhr - öffentliche Anhörung (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)

Sachverständigenliste

  • Liste der Sachverständigen (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)

Stellungnahmen

  • 21(6)125a - Stellungnahme Dr. jur. Christian J. Osthus (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 21(6)125b - Stellungnahme Benjamin Raabe (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 21(6)125c - Stellungnahme Dr. Melanie Weber-Moritz (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 21(6)125d - Stellungnahme Ann-Kathrin Rückmann (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 21(6)125e - Stellungnahme Dr. Kai H. Warnecke (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 21(6)125f - Stellungnahme Univ.-Prof. Dr. Martin Häublein (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)

Weitere Informationen

  • Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz (Interner Link)

Herausgeber

  • Deutscher Bundestag, Internetredaktion
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https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2026/kw42-pa-recht-mieten-1221718

Stand: 16.10.2026