Worte von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner vor Eintritt in die Tagesordnung im Gedenken an Carsten Träger
[Stenografischer Dienst]
Präsidentin Julia Klöckner:
Guten Tag, alle zusammen! Hiermit eröffne ich die Sitzung.
Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! „Natur und Demokratie leben von Unterstützung. Ohne diese werden sie geschwächt“. Das waren noch am vergangenen Freitag, gerade einmal vor fünf Tagen, die Worte von Carsten Träger hier am Rednerpult des Deutschen Bundestages. Einen Tag später ist unser Kollege völlig unerwartet überraschend aus dem Leben gerissen worden - nur 52 Jahre wurde er jung. Uns alle traf diese Nachricht mit Schock.
Wir trauern um Carsten Träger, und wir sind in Gedanken bei seiner Ehefrau, bei seinen Töchtern und seiner gesamten Familie. Wir wünschen ihnen für diese sehr, sehr schwere Zeit viel Kraft, Zuversicht und auch die Wärme der familiären Erinnerungen. Es ist nicht einfach, eine solche Trauer so in der Öffentlichkeit durchleben zu müssen. Deshalb bitten wir die Öffentlichkeit, respektvoll mit der familiären Sphäre der Hinterbliebenen umzugehen.
Ich denke in diesen Stunden auch an seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die so eng und vertrauensvoll mit ihrem Chef zusammengearbeitet haben. Sie sind heute da. Sie verlieren einen sehr besonderen Chef, und auch für sie ist sein Tod ein schwerer Einschnitt in den Alltag.
Und ich drücke mein herzliches Beileid Ihnen, der Fraktion der Sozialdemokraten, aus, die so viel Zeit und so viel Persönliches mit Carsten Träger geteilt hat. Ebenso auch dem Bundesumweltminister und seinem ganzen Haus. Sie trauern um ihren geschätzten Parlamentarischen Staatssekretär.
Carsten Träger war Umweltpolitiker mit tiefem Interesse, mit Fachkenntnis und aus wirklicher tiefer Überzeugung. Seine Frau Claudia Träger hat das in sehr persönlichen Zeilen unterstrichen. Ich darf das hier mit ihrer Genehmigung kurz zitieren - Zitat -: „Carsten wollte diese Tätigkeit, um die Welt für seine Kinder und mich besser zu machen.“ Er hat sich um die Umweltpolitik in diesem Land verdient gemacht.
Carsten Träger war seit 2013 mit einer kurzen Unterbrechung als SPD-Abgeordneter unser Kollege hier. Fürth war seine Heimat, sozialer Ausgleich seine Leidenschaft. Sein Amt als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium sah er als seinen - Zitat - „absoluten Wunschposten“ - eine Aufgabe, der er sich mit großem Engagement und mit großer Fachkenntnis widmete.
Über die Fraktionsgrenzen hinweg haben wir ihn geschätzt. Man musste nicht seiner Meinung sein, und trotzdem wusste man, dass man es mit einem bodenständigen, mit einem zugewandten, mit einem fairen Menschen zu tun hatte. Sein Antrieb war ehrlich. Es ging Carsten Träger nicht um schnelle Aufmerksamkeit oder Schlagzeilen, sondern um Ernsthaftigkeit, um Gerechtigkeit, um das gute Miteinander.
Im Dezember wurde er gefragt, was ihm für das Jahr 2026, das laufende Jahr, Hoffnung gebe. Carsten Träger erklärte, was sein Rezept gegen Vertrauensverlust sei - Zitat -: „Wir müssen uns die Zeit nehmen, wichtige Fragen zu besprechen, ohne verkürzte Debatten zu führen.“
Sein viel zu früher Tod wirkt wie eine ungerechte Verkürzung seines Lebens. Es bleibt eine schmerzhafte Lücke. Carsten Träger, unser Kollege, er wird fehlen. Und deshalb werden wir ihn nicht vergessen, sondern ihm ein besonderes Andenken bewahren.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bitte Sie, sich im Gedenken an Carsten Träger zu erheben.
(Die Anwesenden erheben sich)
- Ich danke Ihnen.
(Die Anwesenden nehmen wieder Platz)