26.02.2026 | Parlament

Pressemitteilung: Einladung zum Fachgespräch „Scham und Angst: Zwangseinweisungen und Misshandlungen von jungen und minderjährigen Frauen in den sogenannten Tripperburgen der DDR“

Die Schicksale der jungen Frauen und Mädchen, die in der DDR in Geschlossenen Venerologischen Stationen untergebracht waren, ist den meisten Menschen in Deutschland weitgehend unbekannt. 
In diese an Gefängnisse erinnernden Einrichtungen wurden über die Jahrzehnte zehntausende junge Frauen und Mädchen unter dem Vorwand des Verdachts auf eine Geschlechtskrankheit eingewiesen – regelmäßig direkt von der Volkspolizei. Betroffen waren weibliche Personen, deren Verhalten von den sozialistischen Idealen der Arbeitsdisziplin, des partnerschaftlichen Zusammenlebens oder der Staatstreue abwich. Eine medizinische Indikation fehlte bei mehr als zwei Drittel der Patientinnen.

Auf den Geschlossenen Venerologischen Stationen wurden sie dennoch täglich entgegen ihrem ausdrücklichen Willen brutalen gynäkologischen Untersuchungen unterzogen.
Wie systematisch dort sexualisierte Gewalt ausgeübt wurde, zeigt die Forschung seit einigen Jahren. 
Viele der Betroffenen haben über Jahrzehnte über das Erlebte geschwiegen. Zu schambehaftet und traumatisierend waren die Erlebnisse für sie.

Um den betroffenen Frauen eine Stimme zu geben und um über das Unrecht, welches sie in den Geschlossenen Venerologischen Stationen erdulden mussten zu informieren, lädt Sie die SED-Opferbeauftragte herzlich zu einem Fachgespräch ein am

Donnerstag, den 5. März 2026 von 14.00 bis 15.30 Uhr
in den Sitzungssaal 1.302 des Jakob-Kaiser-Hauses
im Deutschen Bundestag
(Eingang Wilhelmstraße 68)

Nach dem Impulsvortrag „Geschlossene Venerologische Stationen“ von Prof. Dr. Florian Steger, Direktor des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Universität Ulm, zu seinen Forschungsergebnissen wird die Bundesbeauftragte mit Angelika Börner,die mit 15 Jahren ohne medizinische Indikation für 8 ½ Wochen in der Geschlossenen Venerologischen Station der Poliklinik Mitte in Halle festgehalten wurde, ein Zeitzeugengespräch führen. 
In der sich anschließenden Podiumsrunde wird die Zeitzeugin und Initiatorin eines Erinnerungszeichens der Geschlossenen Venerologischen Station Berlin-Buch Martina Blankenfeld zusammen mit Prof. Dr. Florian Steger, Dr. Fruzsina Müller vom Medizinhistorischen Institut der Charité Berlin und der Journalistin Sabine Seifert den gegenwärtigen Aufarbeitungsstand und die Bedarfe von Betroffenen und Wissenschaft erörtern.

Bei einem sich anschließenden Empfang kann ein Teil der Wanderausstellung „Einweisungsgrund: Herumtreiberei Disziplinierung in Venerologischen Stationen und Spezialheimen der DDR“ des Riebeckstraße 63 e.V. und der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau besichtigt werden. Zudem wird es die Möglichkeit für Betroffene geben, sich zu konkreten Rehabilitierungsfragen und Unterstützungsmöglichkeiten erstberaten zu lassen.

Vor dem Fachgespräch bieten wir der Presse einen Ausstellungsrundgang an. Sollten Sie Interesse an einem Interview mit Zeitzeuginnen haben, so sprechen Sie uns gerne im Vorfeld der Veranstaltung an.

Das Fachgespräch wird aufgezeichnet und auf der Homepage des Deutschen Bundestages veröffentlicht. 

Bitte melden Sie sich bis zum 3. März 2026 per E-Mail an:
sed-opferbeauftragte@bundestag.de(Interner Link) 

Niels Schwiderski, Leitung der Geschäftsstelle der SED-Opferbeauftragten