Grußwort „Verurteilt in Schwerin – erschossen in Moskau. Kommunistische Repression im Norden der SBZ/DDR und der Umgang mit einem belasteten Kunsterbe“

Die SED-Opferbeauftragte bei ihrem Grußwort bei der Veranstaltung „Verurteilt in Schwerin – erschossen in Moskau. Kommunistische Repression im Norden der SBZ/DDR und der Umgang mit einem belasteten Kunsterbe“, in Schwerin. (© Team Zupke)
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Badenschier,
sehr geehrte Frau Staatssekretärin Bowen,
sehr geehrter Herr Prof. Happel,
sehr geehrte Frau Dr. Jeske,
sehr geehrter Herr Landesbeauftragter Bley, lieber Burkhard,
liebe Amelie zu Eulenburg,
lieber Stefan Krikowski,
Anfang des Monats gab ich ein Interview zu den Lenin-Denkmälern in Deutschland. Ich berichtete davon, wie diese Denkmäler die Betroffenen von Repression in der SBZ und SED-Diktatur und ihre Angehörigen verletzen.
Ich stellte dar, dass ich mir wünschen würde, dass die Opfer mehr öffentliche Wahrnehmung durch die Benennung von Straßen und Plätzen im öffentlichen Raum erhalten. Und, dass erst jetzt, 35 Jahre nach der Wiedervereinigung, in Berlin zwischen Kanzleramt und Bundestag das Mahnmal für die Opfer des Kommunismus errichtet wird.
Meine Bewertung war eindeutig: Wir brauchen weniger Marx- und Lenin-Statuen in unserem Land, sondern mehr Orte der Würdigung für die Opfer.
In den darauffolgenden Tagen erhielt ich viele wütende Mails, Briefe und auch Anrufe.
„Frau Zupke.
Stalin: Ja.
Aber Lenin? Nein!
Es steht ihnen nicht zu einen der größten Denker unserer Zeit so in den Dreck zu ziehen. “
Wenn ich ehrlich bin, war ich von diesen Reaktionen zuerst erschrocken und ja auch ziemlich verärgert.
Wenn wir uns aber mit dieser Kritik näher auseinandersetzen, kommen wir jedoch zu ganz zentralen Fragen: Wie ist unser öffentliches Bild von der Zeit der sowjetischen Besatzung? Wie ist unsere gesellschaftliche Wahrnehmung von SBZ und der frühen DDR?
Unser Blick auf diesen Teil der Vergangenheit ist doch meist geprägt vom zweiten Weltkrieg, vom Nationalsozialismus, und schließlich von der DDR. Die Zwischenzeit - nach Ende des Weltkrieges und vor Gründung der DDR. Diese Zeit bleibt meist im Dunkeln.
Doch diese Zeit, zwischen 1945 und 1949, die Zeit der sowjetischen Besatzungszone. Diese Zeit ist mehr als eine Art Nachbeben des zweiten Weltkrieges.
Es ist wichtig, dass wir diese Zeit verstehen. Die Auseinandersetzung mit der SBZ kann für uns wie ein Schlüssel sein. Ein Schlüssel zum Verständnis von Jahrzehnten Diktatur im Osten Deutschlands. Die Einschüchterung einer ganzen Gesellschaft – die Angst als Kitt der Diktatur. Sie fand in dieser Zeit ihren Anfang.
Umso beeindruckender ist der Widerspruch und Widerstand, der dennoch in der SBZ durch mutige Menschen geleistet wurde. Gerade in der Auseinandersetzung mit der SBZ können wir einem noch immer weit verbreiteten Mythos entgegentreten.
Nein, der Sozialismus im östlichen Teil Deutschlands war eben nicht der Versuch einer besseren, gerechteren Gesellschaft. Ein Gesellschaftsmodell was gut begann und über die Jahre und Jahrzehnte auf die schiefe Bahn geriet.
Dieser Punkt ist für mich so wichtig, gerade wenn ich sehe, dass die Idee des Sozialismus an Konjunktur gewinnt und zugleich der geschichtliche Hintergrund gänzlich ausgeblendet wird.
Ich bin dem Landesbeauftragten, dir lieber Burkhard, dankbar, dass du dieses wichtige Thema – wie mit dieser heutigen Tagung – immer wieder in die Öffentlichkeit hier in Mecklenburg-Vorpommern trägst. Und du den teils harschen Reaktionen mit mecklenburgischer Gelassenheit begegnest.
Ihnen lieber Herr Oberbürgermeister Badenschier und Ihnen Frau Staatssekretärin Bowen bin ich für ihre Teilnahme ausgesprochen dankbar. Sie senden mit ihrem Kommen das wichtige Signal, dass die Auseinandersetzung mit diesem Teil unserer Geschichte eben nicht nur eine Angelegenheit von Historikerinnen und Historikern ist. Ich bin überzeugt davon, dass diese Fragen – die Auseinandersetzung mit der Diktatur und ihren Folgen - relevant sind für Wissenschaft, Bildung, Politik und unsere ganze Gesellschaft,
Vielen Dank!