13.08.2025 | Parlament

Rede bei der Gedenkstunde zum 64. Jahrestages des Mauerbaus in der Gedenkstätte Berliner Mauer

Das Foto zeigt Menschen, die in einem großen Stuhlkreis in einer Kapelle sitzen. Im Hintergrund ist ein großes Kreuz an der Wand befestigt. In der Mitte steht ein kleiner Metalltisch, der mit Sand und brennenden Kerzen befüllt ist. Dahinter sitzt eine junge Frau auf einem Stuhl und spielt Gitarre. Die Leute schauen sie an.
Das Foto zeigt eine wand aus Metall mit einer Inschrift. Das Metall sieht schon älter aus. Wortlaut der Inschrift: „GEDENKSTÄTTE BERLINER MAUER IN ERINNERUNG AN DIE TEILUNG DER STADT VOM 13. AUGUST 1961 BIS ZUM 9. NOVEMBER 1989 UND ZUM GEDENKEN AN DIE OPFER KOMMUNISTISCHER GEWALTHERRSCHAFT ERRICHTET DURCH DIE BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND UND DAS LAND BERLIN“. Im Vordergrund steht ein Standmikrofon.
Das Foto zeigt das Straßenschild Bernauer Straße. Es handelt sich um ein Schild an einer Kreuzung. Das Schild der Kreuzungsstraße lautet Ackerstraße
Das Foto zeigt zwei weiße Kreuze , die an einem Zaun befestigt sind. Sie befinden sich draußen. Im Hintergrund stehen Bäume und Sträucher. Auf dem linken Kreuz ist eine Inschrift Zur Erinnerung an die Toten der Berliner Mauer 13.08.1961 - 09.11.1989. Darunter ist ein kleinerer Text abgebildet, der nicht lesbar ist. Auf der Inschrift des rechten Kreuzes steht geschrieben: Ida Siekmann, geboren 23.08.1902 gestorben 22.08.1961. Die Inschrift darunter ist aufgrund der Größe nicht lesbar. Ein Foto ist darauf von ihr abgebildet. Es ist ein altmodisches Foto. Sie hat schulterlanges Haar und schaut zur Seite. An den Kreuzen sind Rosen und schwarze Bänder mit unkenntlichen Inschriften angebracht.

Bild 1 von 4

Die SED-Opferbeauftragte während der zentralen Gedenkveranstaltung in der Kapelle der Versöhnung an der Berliner Bernauer Straße. (© Team Zupke)

Bild 2 von 4

Inschrift an der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße. (© Team zupke)

Bild 3 von 4

Straßenschild an der Bernauer Straße. An dem Ort verlief die Berliner Mauer; heute ein Gedenkort. (© Team Zupke)

Bild 4 von 4

Der Gedenkort Weiße Kreuze an der Ecke Ebert-/Scheidemannstraße erinnert an die Opfer der Berliner Mauer. (© Team Zupke)

Heute begehen wir hier an der Bernauer Straße den 64. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer. 

Was bedeutet es, wenn der Staat nicht die Freiheit der Menschen garantiert, sondern sie einsperrt? 

Die Berliner Mauer und die innerdeutsche Grenze. Sie war mehr als nur ein Riss durch unsere Hauptstadt und das ganze Land. Sie war das zu Stein, Beton und Stacheldraht gewordene Signal eines repressiven Staates an seine Bürger: „Eure Freiheit liegt in unseren Händen!“

Wir denken heute an all die Menschen, die bei ihrem Versuch, die Diktatur für ein Leben in Freiheit zu verlassen, ihr Leben ließen. 

Die Opfer. Sie sind Menschen, wie du und ich. Menschen, wie Ida Siekmann, die wenige hundert Meter von hier in der Bernauer Straße 48 lebte. Als der Mauerbau begann, ist sie in größter Sorge. Und als schließlich am 21. August die Tür ihres Hauses zugemauert wurde, weiß sie keinen Ausweg mehr. In ihrer Not springt sie aus dem Fenster ihrer Wohnung Richtung West-Berlin. Beim Aufprall zieht sie sich schwerste Verletzungen zu. Tags darauf verstirbt sie im Lazarus-Krankenhaus. Im Tagesrapport der Volkspolizei heißt es nüchtern: „Sie wurde durch die Westfeuerwehr abtransportiert. Die Blutlache wurde mit Sand abgedeckt.“ Ida Siekmann war das erste Todesopfer der Berliner Mauer.

Wir gedenken heute der Opfer und denken zugleich auch an all die Familien, Verwandte und Freunde, die geliebte Menschen an Mauer und Grenze verloren haben. Sie leben bis heute mit diesem schmerzlichen Verlust. Unser Platz als demokratische Gesellschaft ist an der Seite der Opfer und ihrer Angehörigen.

Die Berliner Mauer. Sie mahnt uns, dass Freiheit und Demokratie keine Selbstverständlichkeit sind. Es ist eine Botschaft, die gerade heute so dringlich erscheint, wie selten zuvor. Das Gedenken an die Opfer der Diktatur ist zugleich ein Auftrag an uns alle, unsere heutige Freiheit zu schützen. Es liegt an uns, dass die Erinnerung an die Opfer des Grenzregimes, an die Opfer der SED-Diktatur, nicht verblasst. Es liegt an uns, die Opfer der SED-Diktatur zu würdigen und gleichzeitig den Wert der Freiheit in die Gesellschaft zu vermitteln. Mit unserem Gedenken heute hier im ehemaligen Todesstreifen erweisen wir den Opfern unseren Respekt. Wir vergessen sie nicht.

Vielen Dank!