Auf Einladung der SED-Opferbeauftragten wurden am 22. Januar 2026 die Ergebnisse des vom Bundesministerium des Innern geförderten Forschungsprojektes „Aufarbeitung von Zwangsadoptionen in der SBZ/DDR in der Zeit von 1945-1989“ vorgestellt.
Im Juni 2019 fasste der Deutsche Bundestag einen umfassenden Beschluss zur verstärkten Aufarbeitung von Zwangsadoption in der Sowjetischen Besatzungszone und der ehemaligen DDR. Ziel des Beschlusses war es insbesondere, die Umstände von Adoptionen im Rahmen von Forschungen aufzuarbeiten. Auf Grundlage des Parlamentsbeschlusses förderte das Bundesministerium des Innern einen interdisziplinären Forschungsverbund, in welchem unter dem Dach des Deutschen Instituts für Heimerziehungsforschung (DIH) Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Universitäten und Institute aus den Fachrichtungen Sozialethik, Erziehungswissenschaft, Rechtswissenschaft, Psychologie und Medizingeschichte zu diesem Thema arbeiteten.
Im Rahmen des Pressegesprächs wurden die Ergebnisse der mehrjährigen Forschung durch die Projektleitung Prof. Dr. Anke Dreier-Horning und Prof. Dr. Karsten Laudien vom Deutschen Institut für Heimerziehungsforschung vorgestellt.
Die Ergebnisse der Studie zeigen auf, dass Zwangsadoptionen und erzwungene Trennungen durch unverhältnismäßig harte Eingriffe der Jugendhilfe entstanden sind. Dieses Unrecht begründet sich in autoritären Strukturen, fehlendem Rechtsschutz und weitreichenden Handlungsspielräumen der örtlichen Jugendhilfebehörden. Gleichzeitig zeigen die Forschungsergebnisse, dass ein systematisches, zentral gesteuertes Vorgehen zur politischen Wegnahme von Kindern sich nicht nachweisen ließ.
Die Vorstellung der Ergebnisse wurde durch einen Beitrag von der Brandenburger Landesbeauftragten Dr. Maria Nooke ergänzt. Die Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in den ostdeutschen Ländern sind die Institutionen, die mit ihren Beratungsstellen tagtäglich in Austausch mit den Betroffenen stehen und sie auf ihren Weg begleiten. Die Brandenburger Beauftragte unterstrich in ihrem Beitrag, dass eine wesentliche Motivation staatlichen Handelns in der DDR auf der ideologischen Grundannahme beruhte, Menschen zu allseits gebildeten sozialistischen Persönlichkeiten erziehen zu können. Das Wohl eines jeden Kindes war danach untrennbar mit den ideologischen Interessen der SED verbunden und die Eltern dem Anspruch des Staates unterworfen.
Darüber hinaus berichtete die Zeitzeugin Eva-Maria Richter eindrücklich von ihrem Schicksal. Als junge Frau wurde sie als Mutter einer Tochter Opfer einer erzwungenen Adoption. Gerade ihre Schilderung machte deutlich, dass insbesondere der Druck, den die Behörden auf die Betroffenen ausübten und fehlenden Möglichkeiten sich zur Wehr zu setzen, dazu führte, dass Betroffene in eine Adoption einwilligten.