Erinnerung an den Riss im Eisernen Vorhang: Evelyn Zupke besucht Gedenkorte in Sopron und Mörbisch
Die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke hat am 21. August 2026 die Gedenkstätte Paneuropäisches Picknick in Sopron sowie den Gedenkpark Mörbisch am See besucht – zwei Orte, die auf jeweils eigene Weise an die Grenzöffnung von 1989 und die Überwindung der europäischen Teilung erinnern. Begleitet wurde sie von Dieter Dombrowski, Bundesvorsitzender der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft.
Evelyn Zupke dankt für die Erinnerungsarbeit in Sopron und Mörbisch: „Es ist die Geschichte des mutigen Widerstands gegen die kommunistischen Diktaturen hinter dem Eisernen Vorhang – und damit die Geschichte der Freiheit in Europa.“
Sopron: Der Ort, an dem der erste Stein der Berliner Mauer fiel
Durch die Gedenkstätte in Sopron führten László Nagy und László Magas, die 1989 zu den Organisatoren des Paneuropäischen Picknicks gehörten. Die Ereignisse von 1989 prägen bis heute die Identität der ungarischen Grenzstadt Sopron – davon berichtete Vizebürgermeister István Simon.
Am 19. August 1989 hatte die ungarische Opposition ein Picknick an der Grenze zu Österreich geplant, mit ausdrücklicher Genehmigung auf beiden Seiten. Im Zuge der Reformpolitik der ungarischen Regierung war bereits mit dem Abbau der technischen Sperranlagen begonnen worden. Die Grenze selbst blieb jedoch geschlossen und sollte für das Picknick lediglich für drei Stunden geordnet geöffnet werden. Über zweisprachige Plakate und Mundpropaganda hatten zahlreiche DDR-Bürgerinnen und -Bürger von dem Termin erfahren, die zu dieser Zeit ihren Sommerurlaub in Ungarn verbrachten. Was als symbolische Öffnung gedacht war, wurde so – ungeplant, aber folgenreich – zu einer Fluchtmöglichkeit: Hunderte Menschen nutzten den Moment, um die Grenze zu überqueren. Helmut Kohl beschrieb dieses Ereignis später als den ersten Stein, der aus der Berliner Mauer fiel.
Mörbisch: Solidarität auf der anderen Seite der Grenze
Auf österreichischer Seite, in Mörbisch am See, erinnert der 2024 eröffnete Gedenkpark „Ein Riss in der Vergangenheit“ an die jahrzehntelange Teilung durch den Eisernen Vorhang – und an die Solidarität, die den ankommenden DDR-Flüchtlingen 1989 entgegengebracht wurde. Bürgermeisterin Bettina Zentgraf erinnerte sich bei der Begegnung persönlich daran, wie ihre Großmutter damals für die Ankommenden Kuchen backte – ein kleines, aber eindrückliches Bild für die spontane Hilfsbereitschaft der lokalen Bevölkerung.
Dass es den Gedenkpark heute überhaupt gibt, ist wesentlich Wolfgang Bachkönig zu verdanken: Der frühere Gendarm stand einst selbst an der Grenze auf österreichischer Seite und hat sich in den vergangenen Jahren als Chronist und Lokalhistoriker intensiv mit der Geschichte des Grenzraums beschäftigt.
Erinnerungsarbeit vor Ort
Beide Orte – auf ungarischer wie auf österreichischer Seite – zeigen, welche Bedeutung lokales Engagement für die Erinnerungskultur hat. Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, ehrenamtlich Engagierte und eine interessierte Zivilgesellschaft halten die Geschichte der einst todbringenden, dann überwundenen Grenze lebendig.