26.10.2026 | Parlament

Gedenktafel für Rudolf Bahro in Berlin-Weißensee enthüllt

Das Foto zeigt eine Frau, die draußen vor einem Mehrfamilienhaus an einem Rednerpult steht und in ein Mikrofon spricht. Links neben ihr stehen eine Frau und ein Mann. An der Hauswand links im Bild ist eine verhüllte Gedenktafel zu erkennen. Im Vordergrund stehen viele Menschen mit dem Rücken zur fotografierenden Person.
Das Foto zeigt drei Frauen und ein Mann, die draußen vor einem Haus neben einander stehen.

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Cerstin Richter-Kotowski, Staatssekretärin für Kultur, bei ihrer Rede. Links neben ihr stehen Evelyn Zupke, SED-Opferbeauftragte, und Stefan Hadré, Finanzvorstand der GASAG AG. (© Team Zupke)

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Cerstin Richter-Kotowski, Staatssekretärin für Kultur, Stefan Hadré, Finanzvorstand der GASAG AG, und Evelyn Zupke, SED-Opferbeauftragte (v.l.n.r.) (© Team Zupke)

An seinem ehemaligen Wohnhaus in der Streustraße 53 in Berlin-Weißensee erinnert seit dem 26. Oktober 2026 eine Berliner Gedenktafel an Rudolf Bahro (1935–1997). Der Philosoph und Dissident gehörte zu den kritischen Stimmen der DDR, die das politische und wirtschaftliche System der SED-Diktatur grundsätzlich infrage stellten. Bei der Enthüllung sprach auch Evelyn Zupke, SED-Opferbeauftragte beim Deutschen Bundestag.

In ihrem Grußwort erinnerte Zupke an eine persönliche Begegnung mit Bahros Gedanken: 1977 brachten ihre Onkel das Buch „Die Alternative“ aus dem Westen mit. Sie hatten die Seiten im Auto versteckt und setzten das Buch vor dem Haus ihrer Großmutter auf Rügen zusammen. Zupke war damals 15 Jahre alt. Die Lektüre habe sie ermutigt, selbst zu denken und kritisch nachzufragen. Bahros Botschaft sei für sie klar gewesen: „Man muss nicht alles hinnehmen, was ist.“

Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 brach Rudolf Bahro mit dem politischen System der DDR, nicht aber mit der sozialistischen Idee. Er kritisierte die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in der DDR aus einer marxistischen Perspektive. Die Veröffentlichung seines Buches „Die Alternative“, das in der Bundesrepublik erschien, führte zu seiner Verhaftung am 23. August 1977 in seiner Wohnung in der Streustraße. Bahro wurde zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Im Oktober 1979 wurde er im Zuge einer Amnestie entlassen und reiste in die Bundesrepublik aus.

Evelyn Zupke lenkte den Blick auch auf die Bedeutung öffentlicher Erinnerungsorte. Gedenktafeln und Straßennamen prägen das kollektive Gedächtnis. Sie zeigen, an welche Menschen und Geschichten eine Gesellschaft erinnern möchte.

„Als SED-Opferbeauftragte beim Deutschen Bundestag ist es mir ein Anliegen, dass wir im öffentlichen Raum stärker an die mutigen Persönlichkeiten der DDR-Opposition erinnern“, betonte Zupke. Es müsse sichtbarer werden, wie viele Menschen sich der SED-Diktatur über Jahrzehnte entgegengestellt hätten – aus unterschiedlichen Gründen, mit unterschiedlichen Überzeugungen und Zielen.

Das Foto zeigt eine Gedenktafel, die an einer Hauswand angebracht ist. Zu erkennen ist der Name Rudolf Bahro. Es steht noch weiterer Text geschrieben, der nicht lesbar ist.
Das Foto zeigt eine Gedenktafel, die an einer Hauswand angebracht ist. Zu erkennen ist der Name Rudolf Bahro. Es steht noch weiterer Text geschrieben, der nicht lesbar ist.
Die Gedenktafel ist an dem ehemaligen Wohnhaus von Rudolf Bahro in der Streustraße 53 in Berlin-Weißensee angebracht. (© Team Zupke)

Mit der Gedenktafel für Rudolf Bahro gibt es nun 32 Berliner Gedenktafeln zum Widerstand in der DDR. Zupke hofft, dass weitere Tafeln hinzukommen. 

Initiiert wurde die Gedenktafel für Rudolf Bahro von Gerold Hildebrand, der in den 80er Jahren in Friedenskreisen und in der Umwelt-Bibliothek aktiv war und sich heute für die Erinnerung an die Friedliche Revolution einsetzt.

Die Tafel wurde im Rahmen des Gedenktafelprogramms des Landes Berlin enthüllt. Dieses ist Teil des Förderprogramm „Historische Stadtmarkierungen“ der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Recherche zur Tafel und die Organisation der Enthüllung übernahm der Verein Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin, der sich seit 2013 an der Umsetzung des Programms beteiligt. Gefertigt wurde die weiße Porzellantafel von der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin. Die GASAG AG finanzierte die Tafel als langjährige Hauptsponsorin des Berliner Gedenktafelprogramms.

Neben Evelyn Zupke sprachen bei der Enthüllung Cerstin Richter-Kotowski, Staatssekretärin für Kultur, Stefan Hadré, Finanzvorstand der GASAG AG, sowie der Philosoph Dr. Guntolf Herzberg.