SED-Opferbeauftragte nimmt am 30. Halle-Forum teil
Auf Einladung des Beauftragten des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur nahm die SED-Opferbeauftragte am Abschlusspodium des 30. Halle-Forums am 7. November 2025 in Halle (Saale) teil. Dabei sprach die Bundesbeauftragte mit Dr. Angelika Censebrunn‐Benz, Initiatorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Projekte „Zeitzeugenarchiv ehemaliger Heimkinder der DDR“ und „Heimerziehung in Spezialheimen der DDR“, Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau und Dr. Wolfram von Scheliha, Referent beim Beauftragten des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, über die grundlegenden Verbesserungen für die Opfer von politischen Verfolgung in DDR, die Bundestag und Bundesrat im Frühjahr beschlossen hatten und die am 1. Juli 2025 in Kraft getreten sind.

In Vorträgen und Gesprächen wurden die Freiräume der DDR-Jugendsubkulturen in den engen Grenzen der SED-Diktatur und ihre Verfolgung durch die staatlichen Organe erörtert. (© Team Zupke)
Die zweitägige Veranstaltung beleuchtete unter dem Titel „Jugendsubkulturen und die Sicherheitsorgane der DDR: Zwischen Unverständnis und Dämonisierung“ die Jugendpolitik in der DDR und stellte sie den vielfältigen DDR-Jugendsubkulturen gegenüber. Ihre Freiräume in den engen Grenzen der SED-Diktatur und ihre Verfolgung durch die staatlichen Organe wurden in Vorträgen und Gesprächen näher betrachtet. In ihrer Arbeit erlebt die SED-Opferbeauftragte immer wieder, dass insbesondere Betroffene, die in Kindes- und Jugendalter politischer Verfolgung ausgesetzt waren, mit den langanhaltenden Folgen der erlebten Repression bis heute zu kämpfen haben. Dies betrifft sowohl ihre soziale Lage als auch gesundheitliche Schädigungen. Gerade vor diesem Hintergrund sind aus Sicht der Opferbeauftragten die zuletzt vorgenommenen Gesetzänderungen von besonderer Bedeutung, da mit der spürbaren Erhöhung mehrerer zentraler Leistungen die soziale Lage der Betroffenen nachhaltig verbessert wird. Gleichzeitig hat der Gesetzgeber mit der grundlegenden Neuordnung des Verfahrens zur Anerkennung von verfolgungsbedingten Gesundheitsschäden eine Grundlage dafür geschaffen, dass Betroffenen zukünftig in einem vereinfachten Verfahren besseren Zugang zu Hilfen erhalten können. Hier werden aktuell von den zuständigen Bundesministerien unter enger Einbindung der Opferbeauftragten und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die entsprechenden Verordnungen erarbeitet.
Das Halle-Forum wurde veranstaltet vom Beauftragten des Landes Sachsen‐Anhalt zur Aufarbeitung der SED‐Diktatur, der Stiftung Gedenkstätten Sachsen‐Anhalt und der Landeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit der Gedenkstätte Roter Ochse. Die Veranstaltung entwickelte sich in den zurückliegenden Jahrzehnten von einem Treffen ehemaliger im Roten Ochsen Inhaftierter hin zu einer Tagung, die sich sowohl an Betroffene als auch an Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sowie an Wissenschaftler innen und Wissenschaftler richtet.
Der sogenannte Rote Ochse in Halle (Saale) wurde seit 1842 als Strafanstalt unter anderem von den Nationalsozialisten, von der sowjetischen Besatzungsmacht und vom MfS genutzt, um tausende Männer und später auch Frauen aus politischen Gründen zu inhaftieren, zu deportieren und hinzurichten. Seit 1996 erinnert die Gedenkstätte Roter Ochse an die Opfer politischer Verfolgung in den Jahren 1933 bis 1945 und 1945 bis 1989.