Gesprächspodium zum systematischen Zwangsdoping in der DDR

Auf dem Podium sitzen u.a. Anno Hecker (Moderation), Frankfurter Allgemeine Zeitung, Dr. Christiane Schenderlein, MdB und Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, Evelyn Zupke, SED-Opferbeauftragte, Dr. Jochen Buhrmann, ehemaliger Chefarzt der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie/Helios Kliniken, Schwerin (v.l.n.r.) (© Team Zupke)
Am 23. April 2026 nahm die SED-Opferbeauftragte an der Podiumsdiskussion „Doping in der DDR: Zwang, Kontrolle und ihre Folgen“ teil, die von der Bundesstiftung Aufarbeitung in Kooperation mit dem Doping-Opfer-Hilfe e. V. veranstaltet wurde. Dabei wurden sowohl die Strukturen und Funktionsweisen des DDR-Dopingsystems als auch der Umgang damit nach 1990 beleuchtet. Zudem wurden die gesundheitlichen und psychosozialen Folgen des Zwangsdopings in den Blick genommen.
Mit dem „Staatsplan 14.25“ führte das SED-Regime 1974 ein staatlich organisiertes und flächendeckendes Dopingprogramm ein, um insbesondere bei internationalen Wettkämpfen Erfolge zu erzielen und so die vermeintliche Überlegenheit des Sozialismus zu demonstrieren. Zwischen 1974 und 1989 wurden nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen in mindestens zwölf Sportarten etwa 10.000 bis 15.000 Athletinnen und Athleten, zumeist ohne ihr Wissen oder ausreichende Aufklärung über mögliche Nebenwirkungen, vorzugsweise mit anabolen Steroiden gedopt. Betroffen waren nicht nur Erwachsene, sondern vor allem auch minderjährige Sportlerinnen und Sportler.
Der skrupellose Medaillenhunger der Staatsführung blieb für viele Betroffene nicht ohne Folgen. Oftmals führte die Verabreichung von Dopingpräparaten zu langfristigen und gravierenden Gesundheitsschäden. So leiden heute zahlreiche Opfer unter physischen und psychischen Erkrankungen, die mitunter so weitreichend sind, dass sie an der sozialen Teilhabe nachhaltig gehindert sind.
Ungeachtet dieser schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen des DDR-Staatsdopings existiert für die Dopingopfer zurzeit kein geeignetes Instrument der Unterstützung, obwohl die Betroffenen akut auf Hilfe angewiesen sind.
Im Rahmen des Gesprächspodiums diskutierte die SED-Opferbeauftragte gemeinsam mit der Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, Dr. Christiane Schenderlein, sowie weiteren Experten aus Wissenschaft und Forschung über den bestehenden Handlungsbedarf und Möglichkeiten der Unterstützung.
Aus Sicht der Opferbeauftragten kommt es bei der Neugestaltung des gesetzlichen Rahmens entscheidend darauf an, den Dopingopfern einen möglichst niedrigschwelligen Zugang zu einem auf Dauer angelegten Unterstützungssystem zu eröffnen. Wichtig ist ihr dabei vor allem eine zeitnahe und praktikable Lösung im Sinne der Betroffenen. Die Opferbeauftragte ist davon überzeugt, dass hiervon nicht nur die Geschädigten profitieren. „Für mich leistet dieser Weg auch einen wichtigen Beitrag zur Arbeit am Fundament eines werteorientierten Leistungssports in unserer heutigen Demokratie“, so Evelyn Zupke.
Einen ersten Referentenentwurf stellte die Staatsministerin noch für dieses Jahr in Aussicht. Die Opferbeauftragte ist für diese Ankündigung ausgesprochen dankbar und wird die weitere Entwicklung eng begleiten.