12.09.2026 | Parlament

Ort der Haft wird zum Ort der Begegnung: Mehrgenerationen-Treffen in der Gedenkstätte Hoheneck

Das Foto zeigt 4 Frauen, die eng neben einander stehen und in die Kamera lächeln. 3 Frauen sind schon lebensälter.
Das Foto zeigt eine Frau und ein Mann, die miteinander sprechen. Sie befinden sich in einem Saal, der in einem Dachstuhl liegt. Im Hintergrund sitzt Publikum auf Stühlen in Stuhlreihen.
Das Foto zeigt ein sehr großes Backsteingebäude. Es ist 5-stöckig. Um das Gebäude steht eine hohe Steinmauer.

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Die SED-Opferbeauftragte gemeinsam mit Zeitzeuginnen im Hof der Gedenkstätte Hoheneck. (© Team Zupke)

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Die Bundesbeauftragte im Gespräch mit Dr. Stefan Donth, Historiker und Leiter des Arbeitsbereichs Gedenkstätten und Erinnerungskultur bei der Bundesstiftung Aufarbeitung. (© Team Zupke)

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Die Gedenkstätte Hoheneck befindet sich in der ehemaligen DDR-Strafvollzugsanstalt Hoheneck in Stollberg/Erzgebirge, die zu DDR-Zeiten als berüchtigtes Frauengefängnis diente. (© Team Zupke)

Seine Mutter war schwanger, als sie im Frauengefängnis Hoheneck inhaftiert war. Nur für seine Geburt durfte sie das Gefängnis kurz verlassen. Jahrzehnte später kam ihr Sohn selbst an diesen Ort zurück.

Er war einer von mehr als 150 Gästen beim „Tag der Begegnung“ in der heutigen Gedenkstätte Hoheneck. Das frühere Frauengefängnis in Stollberg im Erzgebirge gehört zu den bekanntesten Haftorten der DDR. Tausende Frauen waren dort inhaftiert, darunter viele politische Gefangene.

Zum Mehrgenerationentreffen kamen ehemalige Inhaftierte mit ihren Angehörigen, Kindern und Enkelkindern. Viele Hoheneckerinnen zeigten ihren Familien den Ort, an dem sie einst eingesperrt waren, und trafen Haftkameradinnen wieder.

Evelyn Zupke betonte in ihrer Rede, wie emotional eine solche Rückkehr sein kann: „Manche kommen erst Jahrzehnte später überhaupt an diesen Ort zurück. Und ihre Familien verstehen oft erst nach und nach, warum bestimmte Dinge für die Mutter, die Partnerin, die Großmutter eine besondere Bedeutung haben. Warum sie manchmal so reagiert, wie sie reagiert.“ 

Zugleich erinnerte sie daran, dass die Folgen politischer Haft über Generationen hinweg wirken können: „Traumata und Ängste werden über die Generationen weitergegeben, still und ungewollt.“ Dafür brauche es, so Zupke, mehr Forschung, mehr Unterstützungsangebote und mehr Austausch.

Viele inhaftierte Frauen in Hoheneck waren Mütter. Zur Belastung der Haft kam für sie die Sorge um ihre Kinder: Wo waren sie untergebracht? Wann würden sie sie wiedersehen? Würden sie nach der Entlassung wieder als Familie zusammenleben können?

Die erzwungene Trennung von Müttern und Kindern soll künftig noch stärker in den Blick genommen werden. Dabei geht es um die Frage, welche Spuren diese Trennungen bis heute hinterlassen.

Der „Tag der Begegnung“ soll keine einmalige Veranstaltung bleiben. Evelyn Zupke begrüßte die Pläne, das Mehrgenerationentreffen künftig regelmäßig zu organisieren.

Denn manche Begegnungen wirken weit über den Tag hinaus: So erhielt eine ehemalige Inhaftierte nach mehr als 40 Jahren erstmals einen Hinweis darauf, wo ihre damalige Haftkameradin heute lebt. Und eine Enkeltochter einer Inhaftierten besuchte die Gedenkstätte, nachdem sie in den Tagebüchern ihrer Großmutter von deren Haft in Hoheneck gelesen hatte. Die Geschichte von Hoheneck reicht bis in die Gegenwart hinein.