24.06.2025 | Parlament

Die „Keibelstraße“ als doppelter Haftort

Das Bild zeigt eine Frau, die in einem Saal an einem Pult steht und in ein Mikrofon spricht. Sie schaut an der Kamera vorbei in den Raum. Im Hintergrund ist ein Roll-Up zu sehen, auf dem steht Lernort Keibelstraße. Darauf sind Bilder von dem Gefängnis Keibelstraße und kleinerer Text, der nicht mehr lesbar weil unscharf ist.
Der Fotograf hat eine Gefängnistür von außen fotografiert, in der ein Guckloch geöffnet ist sodass man in die Gefängniszelle hineinschauen kann. In der Zelle stehen ein Doppelstockbett mit Bettzeug ein Tisch und ein Stuhl. Auf dem Tisch steht eine Waschschüssel und weitere Utensilien, die nicht genau erkennbar sind.
Das Foto zeigt zwei Männer und eine Frau, die neben einander in einem Saal sitzen. Der ältere Mann ganz links im Bild spricht in einem Mikrofon zum Publikum. Er gestikuliert mit den Händen. Die beiden anderen Personen schauen ihm gespannt zu. Im Hintergrund sind zwei Roll-Ups zu sehen. Auf einem der Roll-Ups steht Lernort Keibelstraße. Auf dem Anderen steht Gedenkstätte Hohenschönhausen.

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Die SED-Opferbeauftragte hält eine Rede. (© Team Zupke)

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Einblick in eine Gefängniszelle im Lernort Keibelstraße. (© Team Zupke)

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Auf dem Podium sitzen Michael Brack (Zeitzeuge), Dr. Jens Gieseke, Historiker und Leiter der Abteilung I am Leibniz-Zentrum für zeithistorische Forschung, Isabell Fannrich-Lautenschläger (Moderation), freie Journalistin, und Jürgen „Chaos“ Gutjahr (Zeitzeuge) (v.l.n.r.). (© Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen)

Auf Einladung der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen und des Lernortes Keibelstraße nahm die SED-Opferbeauftragte am 24. Juni 2025 an der Veranstaltung „Die Keibelstraße als doppelter Haftort“ teil und hielt dort ein Grußwort.

Das Foto zeigt ein Gefängnis von innen. Im Gang stehen alle Gefängnistüren links und rechts offen. In der Mitte des Ganges stehen zwei Objekte : Vordergründig eine riesige Karte von Ostberlin, die an einigen Stellen mit Pins versehen ist, hintergründig steht ein Tisch mit Informationsmaterialien. Am Ende des Gangs führt eine Eisentreppe in obere Stockwerke.

Hafttrakt in der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt „Keibelstraße“ - heute ein Lernort (© Team Zupke)

Die Untersuchungshaftanstalt (UHA) befand sich von 1951 bis 1990 im Polizeipräsidium der Volkspolizei (VP) nahe dem Berliner Alexanderplatz. In der Bevölkerung war die UHA unter dem Namen „Keibelstraße“ bekannt und gefürchtet als erster Gewahrsamsort, in dem auch Frauen inhaftiert wurden. Untersuchungshäftlinge wurden dort für einige Stunden, Tage oder Monate festgehalten. Neben in heutigem Verständnis Kriminellen wurden auch solche Personen eingeliefert, denen politische Vergehen wie sogenannte „Republikflucht“, „staatsfeindliche Hetze“, „Asozialität“ oder „Rowdytum“ vorgeworfen wurden.

Dr. Helge Heidemeyer, Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, begrüßte die Veranstaltungsgäste und skizzierte die Geschichte der Haftanstalt. Er plädierte dafür, dass nötige finanzielle Mittel bereitgestellt werden müssten, um die Forschung und Aufarbeitung des Lernortes Keibelstraße weiter voranzutreiben. Dr. Henrike Voigtländer, Leiterin des Lernorts Keibelstraße, betonte in ihrem Beitrag die zentrale Rolle der doppelten Geschichte der Haftanstalt für die Bildungsarbeit. Besonders für künftige Generationen seien die Schicksale, der damals nonkonformen - meist jugendlichen – Inhaftierten von unschätzbarem Wert. Frank Ebert, Berliner Beauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, bezeichnete in seiner Rede die Gedenkstätten als mittler von Diktaturerfahrung in die Gesellschaft und warb für einen konsequenten Ausbau des Lernortes.

In ihrer Rede hob die SED-Opferbeauftragte die Bedeutung des Lernortes Keibelstraße für unser Verständnis der Geschichte der DDR hervor. So mache die Keibelstraße die Auswirkungen der Machtstrukturen der SED-Diktatur auf die Bevölkerung sichtbar: 
„Die Keibelstraße, sie ist Haftort und zugleich das ehemalige Präsidium der Ostberliner Volkspolizei. Direkt dem Minister für Inneres unterstellt war das Präsidium eben auch ein wichtiges Instrument zur politischen Verfolgung Andersdenkender. Ein Instrument im Repressionssystem, welches aus meiner Sicht bisher viel zu wenig Beachtung fand.“, erklärte Zupke.

Das Bild zeigt fokussiert eine Frau, die im Publikum sitzt und zur Bühne schaut. Auf der Bühne sitzen (mit dem Rücken zur Kamera) ein Mann und eine Frau.

Evelyn Zupke während der Veranstaltung. Auf dem Podium berichten zwei Zeitzeugen von ihren Erlebnissen in der „Keibelstraße“. (© Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen)

Die Bundesbeauftragte war besonders bewegt von den persönlichen Schicksalen der Zeitzeugen Michael Brack und Jürgen „Chaos“ Gutjahr, die mit dem Publikum ihre Hafterlebnisse auf dem Podium teilten. Sie berichteten von Schikanen bis hin zu massivsten physischen Gewalterlebnissen durch Volkspolizisten. Podiumsgast Dr. Jens Gieseke, Historiker und Leiter der Abteilung I am Leibniz-Zentrum für zeithistorische Forschung, schlussfolgerte auf Nachfrage des Publikums, dass es keine klare Abgrenzung der Zuständigkeiten bei Eingriffen durch die Stasi und die VP auf politisch missliebige Personen gebe. Letztlich setzten beide Eingriffsorgane die Staatsdoktrin gewaltsam durch, wobei der Apparat des Ministeriums für Staatssicherheit weitaus größer war – und damit einen größeren Machtradius hatte - als die VP, schloss er ab.

Im Rahmen der Veranstaltung wurden Führungen durch den Lernort Keibelstraße angeboten.