Einladung: „Erziehung durch Arbeit. ‚Asoziale‘ als Staatsfeinde in der DDR“ – Fachgespräch und Ausstellungseröffnung am 11. Februar 2026
36 Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands ist es der SED-Opferbeauftragten ein wichtiges Anliegen, den Blick der Öffentlichkeit auf Betroffene von systematischem Unrecht in der DDR zu lenken, die bisher wenig Wahrnehmung fanden. Hierzu gehören insbesondere Menschen, die mit Hilfe des sogenannten „Asozialenparagrafen 249“ kriminalisiert worden sind.
Die Verfassung der DDR legte fest: „Gesellschaftlich nützliche Tätigkeit ist eine ehrenvolle Pflicht für jeden arbeitsfähigen Bürger“. Wer dieser „Pflicht“ nicht nachkommen konnte oder wollte, der wurde zum Staatsfeind erklärt und musste mit Gefängnis und weiteren Repressionen rechnen. Schätzungen gehen von 130.000 Verurteilungen zwischen 1968 und 1989 aus. Die Gruppe der Betroffenen umfasst ein breites Spektrum, von Punks und Prostituierten bis hin zu Ausreiseantragstellerinnen und Antragstellern und Oppositionellen.
In Zusammenarbeit mit dem exhibeo e.V. – Gesellschaft für politische, kulturelle und historische Forschung und Bildung (Berlin) und der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) möchte die Bundesbeauftragte am Beispiel der vermeintlich „Asozialen“ an die politischen und gesellschaftlichen Repressionen des SED-Regimes erinnern.
Vor diesem Hintergrund lädt Sie die SED-Opferbeauftragte herzlich zu einem Fachgespräch ein.
Mittwoch, den 11. Februar 2026, 17:00 Uhr bis 18:30 Uhr,
im Mauer-Mahnmal des Deutschen Bundestages
Im Rahmen der Veranstaltung wird die neue Ausstellung „Erziehung durch Arbeit. ‚Asoziale‘ als Staatsfeinde in der DDR“ eröffnet. Zugleich spricht die Bundesbeauftragte mit den beiden Zeitzeugen Tim Steinwender und Thomas Pflug über ihre einschneidenden Erfahrungen und beleuchtet in einem Podiumsgespräch mit dem Macher und der Macherin der Ausstellung Dr. Michael Schäbitz, Historiker und Kurator, und Dr. Eva Fuchslocher, Kulturwissenschaftlerin und Soziologin, sowie mit Dr. Franziska Kuschel von der Bundesstiftung Aufarbeitung, welche die Ausstellung gefördert hat, die Hintergründe und die bis heute andauernden Auswirkungen dieser Form staatlichen Unrechts in der DDR. Ich freue mich zudem sehr, dass Lasse Jacobsen, der als Rechtsanwalt unter anderem Strafverteidiger und Anwalt für DDR-Unrecht ist, auf dem Podium den rechtlichen Aspekt erläutern wird.
Bitte melden Sie sich bis zum 9. Februar 2026 per E-Mail an:
sed-opferbeauftragte@bundestag.de
Die multimediale Ausstellung zeichnet die Verfolgung der sogenannten Asozialen historisch nach und zeigt anhand verschiedener Biografien die Dimension der Willkür auf, mit der missliebige Menschen verfolgt wurden.
Die Ausstellung ist nach der Veranstaltung noch bis zum 1. März 2026, dienstags bis sonntags in der Zeit von 11:00 Uhr bis 18:00 Uhr, im Mauer-Mahnmal zu sehen. Für Interessierte werden Führungen zu folgenden Zeiten Angeboten:
12. Februar 2026, 11:30 – 12:30 Uhr
19. Februar 2026, 13:30 – 14:30 Uhr
24. Februar 2026, 16:30 – 17:30 Uhr
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Gern können Termine für individuelle (Gruppen-)Führungen vereinbart werden: m.schaebitz@exhibeo.de