Bundestagsdebatte 65 Jahre Mauerbau: Verantwortung für die Gegenwart – Mahnung für die Zukunft
Der Deutsche Bundestag hat am 24. September 2026 in einer Plenardebatte an den 65. Jahrestag des Mauerbaus erinnert. Die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke verfolgte die Debatte auf der Tribüne. Mehrere Rednerinnen und Redner gingen auf Zupkes Amt und ihre Arbeit ein. Sie würdigten ihr Engagement für die Anliegen der Opfer der SED-Diktatur und für die Weiterentwicklung der Erinnerungskultur.
Der 13. August 1961 steht für einen tiefen Einschnitt in der deutschen Geschichte: Die Mauer zerriss Familien, raubte Menschen ihre Freiheit und wurde für viele zur tödlichen Grenze. Der Jahrestag erinnert zugleich an die SED-Diktatur, ihre politische Repression und an all jene, die für Freiheit und ein selbstbestimmtes Leben eintraten und dafür schwere Konsequenzen tragen mussten.
In der Debatte hoben viele Rednerinnen und Redner hervor, wie wichtig es für die Opfer der Diktatur, aber auch für unsere Erinnerungskultur ist, das erlittene Unrecht anzuerkennen.
Dr. Ottilie Klein (CDU/CSU) bezeichnete das Erinnern als eine „Frage der Anerkennung gegenüber den Menschen in der ehemaligen DDR, die nicht das Glück hatten, in einem freien Land zu leben, die von ihrem Staat überwacht wurden und denen man grundlegendste Rechte verwehrte.“ Sepp Müller (ebenfalls CDU/CSU) unterstrich die aktuelle Bedeutung der Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur für die Politik und die Öffentlichkeit.
Dr. Franziska Kersten (SPD) verband die historische Betrachtung mit persönlichen Erfahrungen. Sie berichtete von ihrer Familie und dem gelungenen Fluchtversuch ihres Onkels aus der DDR, vom Verhör ihrer Mutter durch die Stasi und den quälenden vier Tagen, bis sie wussten, dass ihr Onkel in Freiheit war. Aber „jedes einzelne Menschenleben war eins zu viel“, sagte sie mit Blick auf die Opfer des Eisernen Vorhangs und der Berliner Mauer.
Die SED-Opferbeauftragte begrüßt die Diskussion: „Auch wenn die Debatte wegen der Sommerpause nicht am Jahrestag des Mauerbaus, dem 13. August, stattfinden konnte, ist sie ein wichtiges Zeichen: Unsere Demokratie würdigt die Menschen, die in der SED-Diktatur für ihren Wunsch nach Freiheit einen hohen Preis zahlen mussten. Das Erinnern steht dabei nicht für sich allein – sondern es geht darum, was wir aus der deutschen Geschichte von Diktatur und Unfreiheit lernen.“
Weitere Rednerinnen und Redner gingen auf die heutige historische Verantwortung und die Bedeutung einer anhaltenden Auseinandersetzung mit dem Unrecht in der SED-Diktatur ein. Dabei wurde auch die Frage thematisiert, wie die Erfahrungen der deutschen Teilung und die daraus gewonnenen Erkenntnisse an kommende Generationen vermittelt werden könnten.
Historische Fakten dürften dabei nicht verwischt oder relativiert werden. Eine verantwortungsvolle Erinnerungskultur brauche einen sachlichen und differenzierten Umgang mit der Geschichte, die Perspektiven der Betroffenen und die Bereitschaft, auch dort hinzusehen, wo historische Erfahrungen unbequem seien. Gerade mit zunehmendem zeitlichem Abstand zu Mauerbau und deutscher Teilung käme der Vermittlung der Geschichte der SED-Diktatur eine besondere Bedeutung zu.
Die SED-Opferbeauftragte betont, dass eine solche vermittelnde Erinnerungskultur auf Orte, Wissen und verlässliche Strukturen angewiesen ist. Sie begleitet und unterstützt deshalb die Umsetzung des neuen Gedenkstättenkonzeption des Bundes. Gedenkstätten und Erinnerungsorte zur SED-Diktatur sollen dadurch dauerhaft gestärkt, ihre Arbeit für kommende Generationen gesichert und die Vermittlung der Geschichte weiterentwickelt werden. Gerade die authentischen Orte der SED-Diktatur ermöglichen es aus Sicht von Evelyn Zupke, Geschichte konkret erfahrbar zu machen und die Perspektiven der Opfer sichtbar zu halten.
Ein weiterer wichtiger Baustein ist für die Opferbeauftragte, dass das zentrale Mahnmal für die Opfer des Kommunismus in Berlin realisiert wird. Die SED-Opferbeauftragte setzt sich weiter intensiv für die zügige Umsetzung dieses Vorhabens ein und gehört dem Preisgericht des Gestaltungswettbewerbs an. Ein solcher Erinnerungsort solle den Opfern kommunistischer Gewaltherrschaft einen sichtbaren Platz im öffentlichen Raum geben und dazu beitragen, die Auseinandersetzung mit den Folgen kommunistischer Diktaturen dauerhaft im Bewusstsein der Gesellschaft zu verankern.
Zugleich gehört für die SED-Opferbeauftragte zu einer gelingenden Vermittlung auch, die Stimmen der Menschen zu bewahren, die die SED-Diktatur selbst erlebt haben. Zeitzeugenberichte und persönliche Erfahrungen ergänzten die wissenschaftliche Aufarbeitung und machten deutlich, welche Folgen politische Verfolgung, Freiheitsentzug und staatliche Repression für das Leben der Betroffenen hatten. „Wo Zeitzeugen zunehmend nicht mehr selbst berichten können, wächst aber die Verantwortung, ihre Erfahrungen zu dokumentieren und zugänglich zu halten“, betont daher die SED-Opferbeauftragte.
Die Debatte im Deutschen Bundestag hat aus Sicht der SED-Opferbeauftragten damit eine Aufgabe unterstrichen, die über den Jahrestag des Mauerbaus hinausweist: Darauf, dass die Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur und ihren Folgen dauerhaft einen festen Platz in unserer Gesellschaft behalten muss. „Gedenken, Aufarbeitung und politische Bildung sind keine Aufgaben der Vergangenheit. Sie tragen dazu bei, Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit auch für kommende Generationen verständlich und erfahrbar zu machen“, hält Evelyn Zupke mit Blick auf die Plenardebatte fest.