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SED-Opferbeauftragte

Artikel

Zur Person Evelyn Zupke

Das Bild zeigt 3 junge Frauen und 3 junge Männer; sie stehen in einem Park mit Bäumen und schauen in die Kamera.

Mitglieder des Weißenseer Friedenskreis 1989, Evelyn Zupke (2. v.l.).

© RHG / Siegbert Schefke

Evelyn Zupke, geboren am 28. Februar 1962 in Binz auf Rügen, Heilerzieherin und Fachberaterin für Psychotraumatologie, seit 17. Juni 2021 SED-Opferbeauftragte beim Deutschen Bundestag.

Mit dem Übergang in die Erweiterte Oberschule entwickelte Evelyn Zupke zunehmend eine regimekritische Grundhaltung und wollte die von ihr in der DDR erlebte Diskrepanz zwischen Propaganda und Realität nicht mehr hinnehmen. In der Schule kritisierte sie die Ungleichbehandlung von Mitschülern durch ihre Lehrerinnen und Lehrer und verließ mit 18 Jahren die FDJ. Für ein Studium brauche sie sich auf Grund ihrer unerwünschten Unangepasstheit gar nicht erst bewerben, wurde ihr schließlich gesagt. Auch im Berufsleben übte Zupke immer wieder im Kleinen Widerspruch und wandte sich ab 1984 der kirchlichen Arbeit zu. Nach ihrem Umzug nach Ost-Berlin trat sie 1987 in Kontakt mit einer der oppositionellen Gruppen der DDR, dem „Weißenseer Friedenskreis“, der ihr weiteres Engagement entscheidend bestimmte. Zusammen mit Mario Schatta und Frank Pfeifer war sie 1989 maßgeblich an der Organisation und Durchführung des Nachweises der Wahlfälschung bei den Kommunalwahlen der DDR am 7. Mai beteiligt. Gemeinsam mit der `Umwelt-Bibliothek` druckte Zupke Flugblätter und rief in Folge der manipulierten Wahl zu monatlichen und öffentlichen Protestaktionen („Nie genug vom Wahlbetrug“) unter anderem auf dem Berliner Alexanderplatz auf. Diese Protestkundgebungen hatten brutale Gegenmaßnahmen der Staatssicherheit zur Folge. Zupke selbst wurde regelmäßig vor Beginn der Demonstrationen vom MfS verhört. In den Jahren 1989 und 1990 arbeitete die Bürgerrechtlerin am Runden Tisch mit und half bei der Organisation der Mahnwache in der Gethsemanekirche.

Funktionen und Bürgerrechtsarbeit

seit Juni 2021 - Erste Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur

seit Oktober 2021 - Beiratsmitglied des länderübergreifenden Forschungsverbundprojektes „Gesundheitliche Langzeitfolgen von SED-Unrecht 

seit 2020 - Beiratsmitglied für den Härtefallfonds des Berliner Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

seit 2004 - Regelmäßige Gespräche als DDR-Zeitzeugin an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen, u. a. für das Zeitzeugenbüro, die Deutsche Gesellschaft e. V. und die Konrad-Adenauer-Stiftung

1990 - Mitglied der Wahlkommission bei der ersten und letzten demokratischen Wahl der DDR, 1989 – 1990 Beisitzerin am Runden Tisch in Berlin Weißensee

ab September 1989 - Mitinitiatorin der Mahnwache an der Ostberliner Gethsemanekirche für die Freilassung der in Leipzig aus politischen Gründen Inhaftierten Oppositionellen

Mai 1989 - Maßgebliche Beteiligung an der Aufdeckung des Wahlbetrugs bei den DDR-Kommunalwahlen und Mitorganisatorin von Protesten gegen die Wahlfälschung

ab 1987 - Mitarbeit im oppositionellen Weißenseer Friedenskreis

Beruflicher Werdegang

2008 - 2021 - Sozialpädagogische Arbeit in der ambulanten Eingliederungshilfe für Menschen mit psychischer Erkrankung (Fördern & Wohnen AöR), Erwerb der Zusatzqualifikation zur Fachberaterin Psychotraumatologie

1997 - 2007 -  Soziale Arbeit mit Menschen mit psychischer Erkrankung (Albert Schweitzer Stiftung)

1990 - 1996 - Mitarbeit im Komitee zur Auflösung des Amtes für Nationale Sicherheit, Geschäftsführung der Initiative Frieden und Menschenrechte Berlin, Mitarbeit im Archiv der DDR-Opposition der Robert-Havemann-Gesellschaft e. V. und insgesamt zweieinhalbjähriger Aufenthalt in der Republik Irland

1984 – 1990 - Arbeit als Heilerzieherin (Stephanus-Stiftung Berlin Weißensee), zuvor pflegerische Betreuung von Menschen mit geistiger Behinderung (Diakonisches Werk Ducherow), dabei berufsbegleitende Fernausbildung zur Heilerzieherin

1980 - 1984 - Abitur, Ausbildung zur Kellnerin und Arbeit beim FDGB Feriendienst Binz

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