Gedenkort für die polnische Opfer des Zweiten Weltkrieges
Berlin: (hib/AW) Nach dem Willen der Koalitionsfraktionen der CDU/CSU und der SPD soll in Berlin ein Gedenkort für die polnischen Opfer des Zweiten Weltkrieges und der deutschen Besatzungsherrschaft errichtet werden. In einem gemeinsamen Antrag (21/2907) fordern die Fraktionen die Bundesregierung auf, in Absprache mit dem Land Berlin „zeitnah“ mit der Planung und Errichtung des Denkmals in Nachfolge des derzeitigen temporären Denkmals auf dem Gelände der früheren Kroll-Oper zu beginnen.
Grundlage für das Denkmal soll ein architektonisch-künstlerischer Wettbewerb sein. Sowohl beim Wettbewerb als auch bei der Kontextualisierung des Denkmals sollen polnische Experten und die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas eingebunden werden. Der Siegerentwurf des Wettbewerbs sei dem Bundestag vorzulegen. Zudem soll die Bundesregierung gemeinsam mit dem Land Berlin eine Bestandsimmobilie oder ein Grundstück „im Herzen der Hauptstadt“ identifiziert werden, um die Voraussetzungen für ein „Deutsch-Polnisches Haus“ zu schaffen, das als ein Ort der historischen Aufklärung und Begegnung sowie als Zukunftslabor für die Zivilgesellschaften Deutschlands und Polens realisiert werden soll. Der Bundestag wird am Donnerstag über den Antrag beraten und abstimmen.
Union und SPD weisen darauf hin, dass der deutsche Vernichtungskriegs gegen Polen und die Besatzungsherrschaft zwischen 1939 und 1945 dort mehr als fünf Millionen Opfer gefordert habe. Noch mehr Polen seien in Konzentrationslager oder zur Zwangsarbeit verschleppt, Polen in Deutschland verfolgt und inhaftiert worden. Städte und Dörfer in Polen seien gezielt zerstört und Kulturgüter geraubt worden. Die polnische Nation sollte zerschlagen werden. Der Holocaust sei zum großen Teil auf polnischem Boden von den deutschen Besatzern verübt worden. Die Hälfte der sechs Millionen ermordeten jüdischen Kinder, Frauen und Männer Europas seien polnische Staatsangehörige gewesen. Die Folgen des deutschen Vernichtungskrieges und der Gewaltherrschaft „haben bis heute Spuren in fast jeder Familie und im ganzen Land hinterlassen“, heißt es im Antrag.