Auswirkungen des Klimawandels auf die menschliche Gesundheit
Berlin: (hib/HAU) Der Klimawandel hat aus Sicht von Alina Herrmann, Leiterin der Arbeitsgruppe „Klimaintelligente Gesundheitssysteme“ am Heidelberg Institute of Global Health, „überwiegend negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit weltweit“. Vor dem Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung und Zukunftsfragen machte Herrmann während eines öffentlichen Fachgespräches am Mittwoch zugleich deutlich, dass diese Auswirkungen maßgeblich von der Vulnerabilität bestimmt seien.
Alexandra Schneider, stellvertretende Direktorin des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum München und Mitglied der Kommission Environmental Public Health beim Robert Koch-Institut, wies während der Sitzung auf den Anstieg der Temperaturanomalien in Deutschland hin. Zum einen würden heiße Tage, aber auch sehr heiße Tage häufiger auftreten. Ein weiteres Problem, so Schneider, seien die großen Temperatursprünge, die Herz-Kreislauf-Krankheiten verstärkten. Auch sie wies daraufhin, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen stärker durch Hitze beeinträchtigt seien.
Hitze könne die Gesundheit in verschiedenen Bereichen negativ beeinflussen, sagte Schneider. Neben einem erhöhten Risiko für Herzinfarkte und Niereninsuffizienzen sei auch eine Verschlechterung der mentalen Gesundheit und eine erschwerte Atmung zu erwarten. Besonders gefährdet seien Menschen über 65, Übergewichtige, chronisch Kranke, Schwangere, Babys und Kleinkinder, im Freien Arbeitende, soziale isolierte Menschen sowie Menschen mit einem niedrigen Sozialstatus. Schneider machte den „kausalen Zusammenhang“ zwischen Temperatur und Mortalität am Beispiel einer Hitzewelle im Jahre 2003 in Paris deutlich. Innerhalb vor nur wenigen Tagen seien die Mortalitätszahlen seinerzeit deutlich angestiegen.
Ein ansteigendes Schlaganfallrisiko sei im Zusammenhang mit nächtlicher Hitze zu erkennen, sagte die Gesundheitswissenschaftlerin weiter. Das Problem der sogenannten „urbanen Wärmeinseln“ gebe es vor allem in Städten, wo es wenig Grün, dafür aber viel Asphalt gebe, wo sich die Hitze staue.
Alina Herrmann verwies darauf, dass es in Ländern mit einer älteren Bevölkerung mehr Hitzetote als in Ländern mit einer eher jungen Bevölkerung gebe. Entscheidend sei aber, „wie die Gesundheitssysteme aufgestellt sind und wie sie den Klimawandel abpuffern können“. Benötigt würden klimaresiliente und treibhausgasarme Gesundheitssysteme. Laut WHO müssten diese in der Lage sein, klimabedingte Schocks und Belastungen zu antizipieren, darauf zu reagieren, sie zu bewältigen, sich davon zu erholen und sich daran anzupassen, sagte Herrmann. Gleichzeitig müssten sie die Treibhausgasemissionen und andere negative Auswirkungen auf die Umwelt minimieren, um eine hochwertige Versorgung zu gewährleisten und die Gesundheit und das Wohlergehen der heutigen und zukünftigen Generationen zu schützen.
In einem nachhaltigen Gesundheitssystem gelte es zuallererst die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen zu reduzieren, „indem wir gute soziale Determinanten für Gesundheit schaffen“, betonte Hermann. Gesundheitsförderung, Prävention und auch ein gutes Management chronischer Erkrankungen seien dafür nötig. Gleichzeitig müsse „Über- und Unterversorgung“ vermieden werden. „Da kommt der Primärversorgung, also der hausärztlichen Versorgung und der ambulanten Versorgung, eine wesentliche Rolle zu“, sagte Herrmann. Das derzeit in Deutschland diskutierte Primärarztsystem sei daher auch aus Nachhaltigkeitssicht zu unterstützen, befand sie.