Schwimm-Verband und DLRG stehen hinter Schwimmbadplan
Berlin: (hib/HAU) Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) hat im Einklang mit dem von ihm in Zusammenarbeit mit der Bäderallianz entwickelten Deutschen Schwimmbadplan die Vision, „dass bis 2035 jedes Kind in Deutschland nach der Grundschule sicher schwimmen kann“. Das machte DSV-Präsident David Profit am Mittwoch vor dem Ausschuss für Sport und Ehrenamt deutlich. Dieses Ziel sei keine Utopie. „Das ist machbar“, sagte er. Der Deutsche Schwimmbadplan weise dafür den grundlegenden Weg.
Der DSV mache „Schwimmenlernen zur Chefsache“ und bitte auch andere, das zu tun, sagte Profit. Er forderte von Bundestag und Bundesregierung den Beschluss, „dass die Umsetzung des Deutschen Schwimmbadplans dauerhaftes Ziel der Politik in den nächsten 15 Jahren wird“. Dafür bedürfe es eines übergeordneten Gremiums aus Politik, Verwaltung und Fachleuten, in dem der DSV seine Expertise einbringen könne und wolle.
Wichtig ist es aus Sicht des DSV auch, eine zentrale digitale Plattform zu schaffen, die das Thema Schwimmenlernen greifbar und für alle Akteure leicht zugänglich macht. „Wir brauchen einen ,Marktplatz', der alle Schwimmenlernangebote transparent und zugänglich macht, der Wasserzeiten und Ausbildungsangebote für Schwimmlehrerinnen und Schwimmlehrer sowie Fachinformationen einfach zugänglich bereitstellt“, sagte Profit. Dort solle auch ein bundesweit einheitliches, digitales und modernes Ausbildungsprogramm etabliert werden.
Beim Schwimmunterricht brauche es bundesweit einheitliche Lernziele, klare Kompetenzstufen und nachvollziehbare Prüf- und Bewertungslogiken, sagte Uwe Hermann, 1. Vorsitzender der Deutsche Schwimmjugend. Ohne qualifizierte Fachkräfte blieben die Angebote jedoch wirkungslos. Schwimmenlernen sei pädagogisch anspruchsvoll, sicherheitsrelevant und hochsensibel, sagte Hermann, der selber Schwimmlehrer ist. Es brauche daher ein bundesweit einheitliches, digitales und modernes Ausbildungsprogramm, das Schwimmenlehren in der Fläche ermöglicht.
Des Weiteren müsse die zentrale Rolle der Schulen gestärkt werden, ohne dass diese überlastet würden. Die Schule müsse wieder der zentrale Lernort werden, so Hermann. Schwimmenlernen scheiterte aber dort, wo die Wasserfläche fehlt. Es gelte also, die Schwimmbäder zu sichern. Schwimmbäder seien keine freiwillige kommunale Zusatzleistung, sondern die Grundlage jeder Schwimmfähigkeit.
Die DSV-Vertreter betonten, Schwimmenlernen sei „kein Puzzle mit fehlenden Teilen“. Vielmehr lägen die Teile auf dem Tisch. Was bisher fehle, sei der verbindliche Rahmen, der sie zusammenführt. „Schwimmenlernen kann niemand allein sichern“, sagte DSV-Präsident Profit. Wenn aber der aufgezeichnete Rahmen politisch getragen und gemeinsam umgesetzt wird, könne das Ziel erreicht werden, „dass in zehn Jahren jedes Kind, das die Grundschule verlässt, sicher schwimmen kann“.
Wie der DSV begrüßt auch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) das neu aufgelegte Sportstättenprogramm des Bundes, welches ausdrücklich auch die Bäder erwähne. „Das ist nicht unwichtig, weil Bäder oft hinten runterfallen, weil sie in Investition und Betrieb teuer sind“, sagte DLRG-Präsidentin Ute Vogt. Auch das „Deutschland lernt Schwimmen“-Programm helfe in der Praxis weiter, befand sie.
Schwimmen sei eine Kulturtechnik, wie Lesen, Schreiben und Rechnen, sagte Vogt. Das sei der Grund dafür, warum das Schwimmenlernen auch in den Lehrplänen stehe. Schon heute sei vorgesehen, dass Kinder, die die Grundschule verlassen, schwimmen können. Tatsächlich verließen aber 20 Prozent der Grundschüler die Schule als Nicht-Schwimmer. Weitere 40 Prozent könnten nicht sicher schwimmen. Vogt betonte: „Das Seepferdchen ist ein toller Einstieg, aber keinesfalls sicheres Schwimmen.“ Sicher schwimmen könne man, wenn das Abzeichen Bronze abgelegt wurde.
Der Bedarf nach Schwimmunterricht sei riesig, sagte Vogt. Fast alle DLRG-Ortsgruppen hätten lange Wartelisten. Auch, weil der Schwimmunterricht in den Schulen angesichts fehlender Wasserflächen oftmals nicht stattfinde. Die im Ehrenamt agierende DLRG könne aber nicht alles auffangen, was Schulen nicht leisteten.
Die Schwimmfähigkeit der Kinder hängt laut der DLRG-Präsidentin auch vom Einkommen der Eltern ab. Erhebungen hätten ergeben, dass etwa die Hälfte der Kinder von Eltern mit einem Nettoeinkommen unter 2.500 Euro nicht schwimmen könne. Bei Eltern mit einem Nettoeinkommen ab 4.000 Euro liege der Anteil bei nur noch zwölf Prozent. Deshalb liege der Fokus der DLRG so stark auf den Schulen, „denn die Schulen erreichen alle Kinder“.
Auch die DLRG stehe hinter dem Deutschen Schwimmbadplan, machte Vogt deutlich. Kernforderung dieses Positionspapieres sei es, dass Bund, Länder und Kommunen zusammen mit Betreibern und Nutzern der Bäder systematisch und bedarfsorientiert die Zukunft der deutschen Bäderlandschaft planen. „Wir brauchen die Zusammenarbeit aller Ebenen, weil die Kommunen das allein nicht schaffen“, sagte die DLRG-Präsidentin.