Zahl der Baugenehmigungen steigt wieder an
Berlin: (hib/HLE) Der Anstieg der Baugenehmigungszahlen im vergangenen Jahr ist von den Koalitionsfraktionen begrüßt, von der Opposition jedoch zum Teil kritisch hinterfragt worden. In einer Sitzung des Ausschusses für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen am Mittwoch unter Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden Axel Knoerig (CDU) berichtete die Bundesregierung, dass im Jahr 2025 bundesweit insgesamt 238.500 Wohnungen genehmigt worden seien. Damit sei die Zahl der Baugenehmigungen um 10,8 Prozent beziehungsweise rund 23.200 Wohneinheiten gegenüber dem Jahr 2024 gestiegen.
Besonders hob die Regierung hervor, dass die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen im Jahr 2025 erstmals seit 2021 überhaupt wieder gestiegen sei, nachdem die Genehmigungszahlen zwischen 2022 und 2024 stark zurückgegangen seien. Die Steigerung im vergangenen Jahr sei als Erholung von einem niedrigen Niveau zu bewerten: Die 238.500 Genehmigungen würden rund zwei Dritteln des langjährigen Durchschnitts bis 2022 (rund 350.000 pro Jahr) entsprechen.
In einem Bericht der Bundesregierung heißt es, die stärksten Steigerungen bei den Genehmigungszahlen hätten das Saarland mit 71 Prozent sowie die Stadtstaaten Hamburg (45 Prozent) und Berlin (44 Prozent) verzeichnet. Rückgänge gab es in Bremen (minus 31 Prozent), Sachsen-Anhalt (minus 14) und Brandenburg (minus zwölf Prozent).
Baugenehmigungen seien der verlässlichste Indikator für die künftige Bauaktivität, erklärte die Regierung weiter. Der Anstieg sei besonders vom Neubau mit einem Zuwachs von 12,6 Prozent getragen worden. Die Zahl der Genehmigungen für Einfamilienhäuser habe sich um 17,2 Prozent erhöht. Die für Ballungsräume bedeutsame Zahl der Genehmigungen für Wohnungen in Mehrfamilienhäusern nahm um 12,1 Prozent zu, während bei Zweifamilienhäusern ein leichter Rückgang von 1,1 Prozent zu verzeichnen war. „Wesentlich moderater“ fiel nach Angaben der Regierung der Zuwachs bei den Genehmigungen von Wohnungen, die durch Um- oder Ausbaumaßnahmen in bestehenden Gebäuden entstehen, mit 2,7 Prozent aus. Fertiggestellt worden waren im Jahr 2024 rund 251.900 Wohnungen, 14,4 Prozent (42.500 Wohneinheiten) weniger als im Jahr zuvor. Jetzt sei aber der Trend klar aufwärts gerichtet, so die Bundesregierung.
Die AfD-Fraktion sprach von einem „Jubelbericht“. Die Situation sei in Wirklichkeit sehr schlimm. Man habe kein Genehmigungs-, sondern ein Bauproblem. Der Genehmigungsüberhang betrage rund 800.000 Wohnungen. Viel interessanter als die Genehmigungs- seien die Fertigstellungszahlen. In diesem Jahr seien nur 200.000 Fertigstellungen von Wohnungen zu erwarten, im nächsten Jahr mit 165.000 sogar noch weniger, erklärte die Fraktion unter Bezug auf Expertenangaben.
Die CDU/CSU-Fraktion wies die Vorwürfe der AfD zurück. Die Ausgangslage sei nicht einfach gewesen, aber es gebe jetzt eine positive Entwicklung. Der Trend sei klar aufwärts gerichtet. Dass die Fertigstellungszahlen eventuell noch sinken würden, sei ein Erbe der letzten Jahre. Aber jetzt würden die Rahmenbedingungen verbessert, und es werde neues Vertrauen geschaffen. Über den Bau-Turbo hinaus, mit dem kurzfristig geholfen werde, werde jetzt die Novelle des Baugesetzbuches angegangen.
Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zeigte sich erfreut, dass es bei den Genehmigungszahlen wieder aufwärts gehe. Die Talsohle sei 2024 erreicht worden, und somit habe der Aufwärtstrend bereits zu Zeiten der Ampel-Regierung begonnen. Das sei ein gemeinsamer Erfolg.
Auch die SPD-Fraktion freute sich über den Aufwärtstrend. Es sei der erste Anstieg seit 2021, und man freue sich, dass es eine Wende gebe. Bei Umbau und Erweiterung könnte noch mehr getan werden. Die Koalition habe die richtigen Akzente gesetzt. Ziel müssten weitere deutliche Steigerungen in den nächsten Jahren sein.
Baugenehmigungszahlen seien keine Fertigstellungszahlen, kritisierte die Fraktion Die Linke. Sie äußerte auch Zweifel an den Angaben der Bundesregierung, dass die Zahl der Genehmigungen ein Frühindikator für die künftige Bauaktivität sei. In Berlin gebe es beispielsweise 60.000 genehmigte, aber nicht gebaute Wohnungen, was ein Indikator für Spekulation sei. Kritisiert wurde, dass die Genehmigungszahlen im öffentlichen Wohnungsbau um rund 23 Prozent gesunken seien.