22.04.2026 Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend — Ausschuss — hib 328/2026

Handlungsdruck bei mentaler Gesundheit junger Menschen

Berlin: (hib/CHE) In der heutigen Sitzung des Ausschusses für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend haben Sachverständige mehr und besser koordinierte Unterstützungs- und Beratungsangebote für Kinder und Jugendliche gefordert. Bei Kinder- und Jugendarbeit allgemein, aber auch bei der Schulsozialarbeit dürfe nicht gespart werden, so der einhellige Appell der Expertinnen. Geladen waren sie zum Thema „Mentale Gesundheit von jungen Menschen - Gesundes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen“, und sie waren sich einig, dass der Fokus stärker auf die Prävention, die auch früher im Lebensalter beginnen müsse, gesetzt werden sollte. Außerdem mahnten sie eine Regulierung von Social Media, mehr Mitspracherechte der Jugendlichen bei den sie betreffenden Belangen, einen verbindlichen Qualitätsrahmen für die Unterstützungsangebote sowie eine separate Bedarfsplanung für die Kinder- und Jugendpsychatrie an.

So wies etwa Freia De Bock, Direktorin des Instituts für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft der Charité Berlin, darauf hin, wie zentral Bewegung und die Förderung von Selbstregulation für die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen seien. „Selbstregulation ist eine Basiskompetenz für das weitere Leben, und wir wissen relativ gut, wie man diese schon in der Kita fördern kann.“

Amy Kirchhoff, Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz, betonte, die Resilienz der Jugendlichen sei allgemein gering und könne mit den gegebenen strukturellen Bedingungen auch nicht gestärkt werden. Aber: „Wir können nicht erst mit 18 anfangen, diese Resilienz zu stärken.“ Ein bloßes Verbot der Social-Media-Nutzung bis zu einem bestimmten Alter lehnte sie ab, denn junge Menschen müssten auch befähigt werden, sich im digitalen Raum zu bewegen, sagte sie.

Michael Kölch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) und Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter in Rostock, sagte, Prävention müsse über das ganze Aufwachsen hinweg gedacht werden. „Wir brauchen dafür eine starke Kinder- und Jugendhilfe, weil die der stärkste Partner vor Ort ist, um Kinder mit ihren Erfahrungen zu unterstützen.“

Christine Lohn, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit e.V. (BAG EJSA) schilderte die vielen Belastungen, mit denen Kinder und Jugendliche heute aufwachsen, oft verstärkt dadurch, dass sie in zwei Welten, der realen und der digitalen, leben und dort mit vielen Erwartungen konfrontiert würden. Gleichzeitig erlebten sie in ihrem Alltag vielfach, dass an ihnen gewissermaßen gespart würde, indem Angebote zusammengestrichen oder unsicher finanziert werden. „Eine Strategie für mentale Gesundheit darf sich nicht nur auf die Schule beschränken, sie muss zwingend auch die Sozialarbeit mit einbeziehen“, forderte sie.

Cornelia Metge, Mitglied im Vorstand der Bundespsychotherapeutenkammer, schilderte die schwierige Versorgungslage für Kinder und Jugendliche auf dem Land, denn sie seien nicht so mobil und würden oft mehr als eine Stunde brauchen, um in ihre Praxis kommen zu können. Eine Kürzung der Honorare für Psychotherapeuten, die nicht zu den Spitzenverdienern gehörten, könne dazu führen, dass die ohnehin schon angespannte Versorgungslage sich für die jungen Patienten weiter verschärfe, warnte sie.