DOSB: Deutschland ist weiterhin eine Wintersportnation
Berlin: (hib/HAU) Das deutsche Olympiateam hat bei den Olympischen Winterspielen von Cortina und Mailand sowohl das Ziel, Platz Drei im Olympischen Nationenranking zu erringen, als auch das Ziel, die Medaillenausbeute von Peking zu wiederholen, „denkbar knapp verpasst“. Diese nüchterne Bilanz, „rein sportlich betrachtet“, zog Olaf Tabor, Vorstand Leistungssport im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) am Mittwoch vor dem Sportausschuss. Zu Platz drei hätten zwei Goldmedaillen gefehlt, sagte er. „Beide wären möglich gewesen, wenn man an die vier Hundertstelsekunden von Emma Aicher denkt oder an die 0,3 Punkte unseres Super-Teams im Skispringen“, sagte Tabor. „Knapp vorbei ist aber auch vorbei“, fügte er hinzu.
Dennoch sei deutlich geworden: „Deutschland ist weiterhin eine Wintersportnation.“ Man habe 68 Platzierungen im „Weltklassebereich“ 1 bis 8 erzielt - das zweitbeste Ergebnis nach den Winterspielen 2018. Das Team D sei ein sehr junges Team gewesen, so Tabor. 60 Prozent der Athletinnen und Athleten seien zum ersten Mal bei Olympischen Spielen dabei gewesen.
14-mal seien die Deutschen auf dem undankbaren 4. Platz gelandet, „so oft wie keine andere Nation“. Eine Erkenntnis daraus sei: „Es gelingt uns schlechter als anderen Ländern, aus den Medaillenchancen auch tatsächlich Edelmetall zu machen.“ An dieser Stelle müsse man „genau hinschauen“, sagte Tabor.
Mit Blick auf den großen Erfolg in der Eisbahn, wo 73 Prozent der deutschen Medaillen gewonnen wurden, sprach er von einer Medaillendomäne über die er glücklich sei und die man brauche. „Das muss für uns auch eine Domäne bleiben“, forderte er. Es gelte Stärken auch weiter zu stärken. „Wir brauchen Investitionen in die erfolgversprechenden Sportarten, in denen wir stark sind, um dort stark zu bleiben.“
Tabor ging auch auf die Tatsache ein, dass mit Italien zum wiederholten Male ein Gastgeberland seine Medaillenbilanz im Vergleich zu den vorherigen Spielen habe deutlich ausbauen können. „Diesen Motor brauchen wir auch“, sagte der DOSB-Vorstand unter Verweis auf die Diskussion um eine deutsche Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele.
Zu Beginn der Sitzung hatte der Deutsche Behindertensportverband (DBS) sein Fazit der Paralympischen Spiele gezogen. Mit 40 Athleten und acht Guides habe der DBS das zweitgrößte Team seit Lillehammer 1994 am Start gehabt, sagte der DBS Vorstandsvorsitzende Idriss Gonschinska. Dafür brauche es einen entsprechenden professionellen Betreuerstab. Als „Formel für den Erfolg“ benannte Gonschinska den Dreiklang: Außergewöhnlich motivierte und gut vorbereitete Athleten „am Zenit ihrer Leistung“, gute Infrastruktur- und Rahmenbedingungen und außergewöhnliche Trainer, „die passfähig sind“.
Mit 17 Medaillen habe es zwei Medaillen weniger als 2022 gegeben, so der DBS-Vorstandsvorsitzende. „Wir hätten uns natürlich die ein oder andere Goldmedaille mehr gewünscht.“ Der Wettbewerb im paralympischen Sport werde aber immer enger. 27 Nationen hätten Medaillen gewonnen - „nahezu die Hälfte der teilnehmenden Nationen“. 18 Nationen - deutlich mehr als früher - hätten Goldmedaillen realisiert.
Das Ziel des DBS, bezogen auf die Gesamtzahl der Medaillen - ohne Heraushebung der Goldmedaillen - die Position 6 zu erreichen, sei angesichts von Platz 4 erreicht worden, konstatierte Gonschinska. Zehn 4. Plätze und 31 Top-Acht Platzierungen zeigten zudem, „dass Potenziale da sind“.