07.05.2026 Tourismus — Ausschuss — hib 382/2026

Derzeit keine Knappheit bei der Kerosin-Versorgung

Berlin: (hib/HLE) Zur Zeit gibt es keine Knappheit bei der Versorgung mit Flugturbinenkraftstoff (Kerosin), aber erhebliche Preissteigerungen. Diese Preissteigerungen seien eine Belastung für die Reisebranche, hieß es von der Bundesregierung in einer Sitzung des Ausschusses für Tourismus am Mittwoch unter Leitung der Vorsitzenden Anja Karliczek (CDU). Bei einem Gespräch mit Vertretern der Mineralöl- und der Luftfahrtwirtschaft sei von den Teilnehmern übereinstimmend berichtet worden, dass derzeit noch keine physischen Knappheiten eingetreten seien. Auch hätten viele deutsche und europäische Raffinerien Spielräume in der Produktion, um den Anteil an Kerosin zu erhöhen und die Produktion zum Beispiel von Diesel und Heizöl zu senken. Einige Raffinerien hätten ihre Produktion bereits angepasst und den Kerosin-Anteil maximiert. Das bestehende Defizit durch die Sperrung der Straße von Hormus könne damit kurzfristig allerdings nicht gänzlich ausgeglichen werden. Wegen der gestiegenen Kerosinkosten seien bereits Flugverbindungen gestrichen oder zusammengelegt worden. Diese Marktreaktion trage dazu bei, das Defizit zu verringern. Preisliche Eingriffe seien nicht geplant, berichtete die Bundesregierung.

In einem Bericht der Regierung heißt es, der monatliche Verbrauch an Kerosin schwanke je nach Jahreszeit zwischen etwa 650.000 bis 900.000 Tonnen. Der Erdölbevorratungsverband (EBV) habe etwa 1,1 Millionen Tonnen und die Industrie weitere rund 300.000 Tonnen Kerosin an Lagerbeständen. Unter der Annahme einer fortdauernden Sperrung der Straße von Hormus, in Kombination mit weiterhin verfügbaren, wenn auch eingeschränkten Kerosin-Importen sowie der Eigenproduktion könne der deutsche Bedarf für etwa fünf Monate voll gedeckt werden. Allerdings lasse sich aus den verfügbaren Daten nicht ableiten, wie sich die Situation in Gesamteuropa darstelle. Die Regierung sprach sich daher nach entsprechenden Fragen von Abgeordneten für ein europäisches Monitoring aus, damit man immer aktuell wisse, wie die Lage sei. Man könne aber nur auf Sicht fahren, weil niemand die weiteren Ereignisse vorhersagen könne.

Die AfD-Fraktion interessierte sich für die möglicherweise für fünf Monate reichenden Reserven an Kerosin. Sie wollte wissen, wie belastbar diese Prognose sei, wenn die Regierung selbst einräume, dass es keine belastbaren Daten in Europa gebe.

Auch die SPD-Fraktion interessierte sich dafür, wie eine gesicherte Datenlage in der EU geschaffen werden könne. Außerdem wurde gefragt, wie mit synthetischen Kraftstoffen (E-Fuels) die Unabhängigkeit von Importen verringert werden könne.

Die CDU/CSU-Fraktion fragte nach Flugverbindungen in den asiatischen Raum, der offenbar von den Preissteigerungen massiv betroffen sei. Auch die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen wies darauf hin, dass der Luftverkehr auch durch Kerosin-Knappheit in den Zielregionen betroffen sein könne. Steigende Preise seien Ausdruck von Knappheit. Man lese den Bericht der Regierung so, dass es in fünf Monaten zu einer Kerosin-Mangellage kommen werde. Auch die Fraktion Die Linke wollte wissen, wie die Bundesregierung zu der Angabe komme, dass die Reserven für fünf Monate reichen würde.