15.05.2026 Wirtschaft und Energie — Antwort — hib 404/2026

Zeitumstellung ohne ernsthafte Folgen

Berlin: (hib/NKI) Mehrere Studien haben keine Hinweise darauf geliefert, dass die jährlichen Zeitumstellungen ernsthafte positive oder negative energetische, wirtschaftliche oder gesundheitliche Effekte nach sich ziehen. Das schreibt die Bundesregierung in ihrer Antwort (21/5815(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) auf eine Große Anfrage (21/3474(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) der AfD-Fraktion.

Im Jahr 2016 sei die detaillierte Studie „Bilanz der Sommerzeit“ zur Überprüfung der Auswirkungen der Sommerzeit auf den Energieverbrauch und weitere Themenfelder vom Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) veröffentlicht worden. Siehe auch Bundestagsdrucksache (18/8000(Dokument, öffnet ein neues Fenster)).

Außerdem habe das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) im Rahmen dieser TAB-Studie eine umfangreiche Analyse unter dem Namen „Auswirkungen der Sommerzeit auf den Energieverbrauch“ mit Auswertung der Literatur zur Thematik sowie Modellsimulationen vorgenommen. Die TAB-Studie einschließlich der IÖW-Analyse hätten auf Basis der damals vorliegenden Erkenntnisse keine Hinweise darauf geliefert, dass die jährlichen Zeitumstellungen ernsthafte positive oder negative energetische, wirtschaftliche oder gesundheitliche Effekte nach sich ziehen.

Eine weitere Untersuchung aus dem Jahr 2016 thematisiere die „Stromersparnis der Zeitumstellung bei privaten Haushalten“. Sie ist im Wirtschaftsdienst, 96. Jahrgang, 2016, Heft 4 erschienen. Die Autoren Korbinian von Blanckenburg (Hochschule Ostwestfalen-Lippe Lemgo) und Julian Strauch (Universität Kassel) zeigten, dass es durch die Zeitumstellung in Deutschland nur zu geringen Einsparungen beim Stromverbrauch privater Haushalte in Höhe von 0,78 Prozent komme.

Im Jahr 2017 erschien die Studie (Ex-Post Impact Assessment) des wissenschaftlichen Dienstes des Europäischen Parlamentes: „Ex-post impact assessment EU summer-time arrangements under Directive 2000/84/EC“. Die Arbeit komme ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die Sommerzeit zu geringfügigen Einsparungen beim Energieverbrauch führe.

Allerdings habe eine aktuelle internationale Studie der US-Ökonomen Waddell und Dickinson aus dem Jahr 2024 die Wirkung der Zeitumstellung anhand von GitHub-Daten von etwa rund 175 000 Personen im Zeitraum 2013 bis 2019 untersucht. Hinter GitHub verbirgt sich eine Versions-Kontroll-Plattform, die unter anderem von Software-Entwicklern genutzt wird und weltweit rund 83 Millionen registrierte Nutzer hat. Die Ergebnisse zeigten, dass die Umstellung auf Sommerzeit die Arbeitsproduktivität nicht nur ein bis zwei Tage, sondern bis zu zwei Wochen beeinträchtigen könne. Besonders in den frühen Morgenstunden hätten Menschen Schwierigkeiten, in ihren Arbeitstag zu starten. Bei der Umstellung auf Winterzeit dagegen sei ein gegenläufiger Effekt beobachtet worden. Die Forscher vermuten, dass der Produktivitätszuwachs auf den zusätzlichen Schlaf zurückzuführen sei. In welchem Maße sich die Ergebnisse auf die deutsche Volkswirtschaft insgesamt übertragen lassen, sei jedoch ungewiss.